„Kaum benutzt, entwicklungsfähig und sofort einsatzbereit“
Stromwettbewerb kommt symbolisch unter den Hammer

Das Internetauktionshaus Ebay ist nicht zuletzt durch ungewöhnliche Versteigerungen bekannt geworden. Ein aktuelles Kuriosum: Der Strom- und Gaswettbewerb in Deutschland kommt unter den Hammer. Als Verkäufer tritt der Bund der Energieverbraucher auf. Der Bund vertritt 8 000 private und kleingewerbliche Energieverbraucher. Ziel der Versteigerung ist es, Aufmerksamkeit zu erregen, sagt der Vorsitzende des Energieverbraucherbundes Aribert Peters. Es sei eine humorvolle Art, politische Werbung zu machen.

DÜSSELDORF. Noch bis Donnerstag um 15.00 Uhr kann für den Strom- und Gaswettbewerb geboten werden. Bei 261 Euro lag das Gebot am Mittwoch Morgen. Der Höchstbietende erhält eine Urkunde als symbolischer Eigentümer des fast ungenutzten Strom- und Gasmarktwettbewerbs. Peters weist darauf hin, dass der Erlös der Auktion vom Bund der Energieverbraucher für seine Arbeit, beispielsweise die Erstellung von Gutachten, verwendet wird. Hintergrund der Versteigerung ist die seit fünf Jahren bestehende Liberalisierung des Energiemarktes, die aus Sicht des Vereins jedoch nicht zum erwarteten Wettbewerb geführt hat. Der Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt sei offenbar ungewollt und ungebraucht, meint Peters.

Es besteht offensichtlich Nachbesserungsbedarf. So wird vom Gesetzgeber die Einsetzung einer Regulierungseinrichtung für Juli 2004 geplant. Diese wird jedoch keine eigene Behörde, sondern einer schon bestehenden Institution angeschlossen, so ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI). "Die Fraktionen und das Bundesministerium für Umwelt werden in der zweiten Jahreshälfte diskutieren, was reguliert werden soll und wie die Einrichtung aussehen wird."

Bisher regelte sich der Markt über Vereinbarungen der Netzbetreiber und Kundenverbände, die sogenannten Verbändevereinbarungen. Diese Vereinbarungen regeln die operativen und kommerziellen Netzzugangsmöglichkeiten für externe Anbieter. Für den Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), der die Interessen der deutschen Stromwirtschaft vertritt, erfüllen die Verbändevereinbarungen alle notwendigen Aufgaben. VDEW-Präsident Werner Brinker lehnt eine staatliche Regulierung ab: "Ein staatlicher Regulierer verfügt trotz einer kostenträchtigen Bürokratie nicht über vergleichbare Kenntnisse der sich verändernden Angebots- und Nachfrageverhältnisse." Inwieweit die Verbändevereinbarungen später in den Aufbau der Regulierungseinrichtung einbezogen werden, sei noch nicht klar, so der Sprecher des BMWI.

Gerade diese Verbändevereinbarungen werden jedoch von Peters kritisiert. Peters sagt, dass jährlich 2 Mrd. Euro zusätzlich durch die aus Sicht des Vereins überhöhten Strompreise in die Kassen der Stromversorger geschwemmt werden. Bis zu 100 Euro billiger könnte demnach die Stromrechnung für jeden deutschen Haushalt bei fairem Wettbewerb und freiem Marktzugang für alle Anbieter sein. Doch dieser werde verhindert, weil kein "diskriminierungsfreier Zugang zu den Stromnetzen möglich ist".

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