Kaum Bezahlangebote im Internet
US-Zeitungen verdienen mit Online-Ausgaben

Verleger in den USA machen es vor: Mit Bezahlangeboten im Internet lässt sich Geld verdienen. Auch in Deutschland versuchen Medienkonzerne, diesen Weg zu gehen - bisher aber mit wenig Erfolg.

LONDON/DÜSSELDORF. Die Herausgeber von US-Zeitungen wie "New York Times" und "Wall Street Journal" versuchen mit Internet-Angeboten gegen die anhaltende Anzeigenflaute im Printgeschäft anzukämpfen. "Wir sind sehr optimistisch, was die Entwicklung des Online-Anzeigenmarktes angeht", sagt Gordon Crovitz, Vize-Präsident von Dow Jones & Company in London dem Handelsblatt. Das Anzeigenvolumen in der Internetausgabe des Wall Street Journals, das zum US-Medienkonzern Dow Jones gehört, wuchs in 2002 um 21 %. Auch dieses Jahr strebe WSJ.com wieder eine "zweistellige Zuwachsrate" an.

Der Online-Werbemarkt wird laut Crovitz zwar kaum zulegen, sich aber neu verteilen. Bislang hätten vor allem Web-Portale wie Yahoo von den Anzeigen profitiert. "Dieses Budget wandert nun aber zunehmend zu den Anbietern von Inhalten", sagt Crovitz. Denn die Anzeigenkunden würden sich stärker als bisher überlegen, wo sie ihre Online-Werbung platzieren. Davon profitiere ein Anbieter wie WSJ.com - mit 679 000 zahlenden Abonnenten "die größte Abo-News-Seite im Web".

Vor allem in den USA versuchen Tageszeitungen mit Online-Ausgaben neue Umsätze zu erzielen. Die "New York Times" erklärte kürzlich, die eigene Web-Ausgabe werde dieses Jahr 13 bis 15 Mill. $ zusätzlichen Gewinn bringen. Auch WSJ.com ist nach den Worten von Crovitz seit einiger Zeit "sehr profitabel".

Die Umstellung von der "Alles-Kostenlos-Kultur" zu Bezahldiensten sei aber schwierig, sagt Crovitz. "Herausgeber rund um den Globus neigen bislang dazu, den Inhalt auf ihren Web-Seiten kostenlos anzubieten." WSJ.com habe von Beginn an seine Inhalte gegen Gebühr angeboten und so dieses Problem umgangen.

Auch in Deutschland versuchen sich immer mehr Medienkonzerne mit einem Bezahlangebot im Internet. "Wir erwarten eine ähnliche Entwicklung wie in den USA", sagt Alexander von Reibnitz, New-Media-Experte beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger. In einer Studie zum Markt für Online-Inhalte rechnet der Verband im Jahr 2005 mit einem Umsatz von 127 Mill. Euro für Bezahlangebote.

Im Moment halten sich die Online-Anbieter mit Umsatz-Angaben allerdings zurück: Das Geschäft mit Internet-Informationen steckt bei den meisten Verlagen noch in den Kinderschuhen. Bezahlinhalte machen in der Regel weniger als 5 % vom Umsatz der meisten Verlage aus. Größter Anbieter für den deutschen Markt ist zur Zeit Genios, ein Ableger der Verlagsgruppe Handelsblatt, der 120 Millionen Zeitungs- und Magazin-Artikel gegen Geld anbietet. Auch Stiftung Warentest zählt zu den erfolgreichen Inhalte-Verkäufern im Netz. Bis das Online-Geschäft brummt, sieht Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft, noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Denn zur Refinanzierung von Internet-Angeboten reichen bislang häufig weder die Werbe- noch die Verkaufseinnahmen.

Für die Druckausgaben der Zeitungen wird eine kostenpflichtige Online-Version nach der Erfahrung von Dow-Jones-Manager Crovitz nicht zum Problem: Nur 50 000 Abonnenten des Wall Street Journals hätten ihre gedruckte Ausgabe abbestellt, nachdem sie zur Internetversion gewechselt seien. "Das ist bei einer Auflage von 1,8 Millionen so gut wie nichts." Dagegen nutzen mehr als 200 000 Leser inzwischen beide Versionen. Selbst eine satte Preiserhöhung um rund ein Drittel für den Zugang zum Internetangebot habe die Zahl der Abonnenten von WSJ.com nicht sinken lassen.

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