Kaum Einfluss auf Zinspolitik
Ifo-Index fällt unter 100 Punkte

Der Aufschwung hat sich im Juli verlangsamt - die Finanzmärkte zeigten sich überrascht.

Reuters FRANKFURT. Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland hat sich im Juli etwas beruhigt und die Finanzmärkte überrascht. Nach den am Dienstag vom Münchner Ifo-Institut vorgelegten Konjunkturdaten sank der Geschäftsklimaindex in Westdeutschland im Juli auf 99,1 von 100,4 im Juni und damit auf den tiefsten Stand seit November 1999. Von Reuters befragte Volkswirte hatten einen Anstieg des Geschäftsklima-Index für Westdeutschland auf 101,28 Punkte prognostiziert. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es sei noch zu früh, um von einer Trendumkehr zu sprechen.

Der Euro verlor mehr als einen halben Cent und fiel deutlich unter die Marke von 90 Cents. Analysten sagten, trotz des zweiten Rückgangs in Folge sei der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland weiter intakt. Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte der Index allerdings kaum beeinflussen, sagten die Volkswirte. Nerb erklärte dieser Rückgang könnte ein Zeichen für die EZB sein, mit einer weiteren Zinsanhebung noch zu warten, falls es auch in anderen Euro-Ländern zu Rückschlägen kommen sollte.

Der Ifo-Geschäftsbeurteilungsindex in Westdeutschland fiel im Juli auf 93,3 (Juni 94,3). Der Index für die Geschäftserwartungen in den alten Ländern blieb allerdings weiter hoch mit 105,0 (106,5). In den neuen Bundesländern ging der Geschäftsklima-Index nur leicht auf 105,4 (105,7) zurück. Auch der Index der Geschäftserwartungen glitt im Osten etwa ab, und zwar auf 123,4 von 125,0 im Juni. In den neuen Bundesländern stieg der Index der Geschäftsbeurteilung auf 88,3 (87,6).

"Es könnte sich um eine temporäre Abschwächung handeln", sagte Nerb. Das Ifo-Institut spreche erst dann von einer Trendwende, wenn der Index dreimal hintereinander zurückgehe. Für die Zukunft rechne er mit einem Anstieg des privaten Verbrauchs, sagte Nerb weiter. Dieser könne sich bereits in den nächsten Monaten abzeichnen.

Auch Banken-Analysten nahmen den Rückgang vergleichsweise gelassen auf. "Ich glaube nicht, dass man nach den Zahlen bereits von einem Ende des Aufschwungs in Deutschland sprechen kann", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank in Frankfurt. Deutlich geworden sei aber auch, dass sich manche Träume von einem Wachstum um 3,5 oder sogar vier Prozent als Illusion erweisen.

Peter Meister von der BHF-Bank betonte, man dürfe nicht vergessen, dass der Ifo-Index bereits ein hohes Level erreicht habe. Deshalb sei es schwierig, noch optimistischer zu werden und einen weiteren Anstieg zu erwarten.

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