Kaum Fans aus der Heimat in Japan
Der faule Kompromiss: WM-Premiere in Asien

Die vom 31. Mai bis 30. Juni 2002 stattfindende Fußball-WM wird zum ersten Mal in zwei Ländern ausgetragen - und zugleich zum vorerst letzten Mal. Die Konkurrenz zwischen Südkorea und Japan trieb beide Länder in eine Investitionswut, die die Organisations- Komitees in finanzielle Krisen stürzte.

dpa HAMBURG. Sechs Jahre ist es her, dass die Exekutiv- Mitglieder des Weltverbandes FIFA in Zürich zusammentrafen, um über den Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 abzustimmen. Japan und Südkorea hatten sich bis dahin ein erbittert geführtes Bewerbungsrennen geliefert und viele Millionen investiert, um die erste WM auf asiatischem Boden organisieren zu dürfen. Die 24 Herren im obersten FIFA-Gremium sowie ihr damaliger Präsident Joao Havelange scheuten jedoch in einer denkwürdigen Prozedur ein klares Votum - und fällten ein folgenschweres Urteil: Die WM solle von beiden Ländern, die seit der Besetzung Südkoreas durch Japan im Zweiten Weltkrieg große Rivalität pflegen, gemeinsam ausgetragen werden. Nur unter dem Druck, dass im Verweigerungsfall der Kontrahent die ganze WM erhalten würde, willigten die beiden Länder in den faulen Kompromiss ein.

Damit wird vom 31. Mai bis 30. Juni zum ersten Mal eine Fußball-WM in zwei Ländern ausgetragen - und zugleich zum vorerst letzten Mal. Denn angesichts der organisatorischen Probleme und der exorbitanten Kosten, die durch die Zürcher Entscheidung verursacht wurden, will die FIFA künftig wieder nur einem Bewerber den Zuschlag geben. Die Sorge, gegenüber dem Kontrahenten das Gesicht zu verlieren, trieb Südkorea und Japan zu einer Investitionswut, die beide Organisations- Komitees in finanzielle Krisen stürzte. Alleine der Bau der 20 größtenteils brandneuen Stadien - doppelt so viele wie bei der WM 1998 in Frankreich - verschlang weit über drei Mrd. ?.

Beide Länder kommunizierten im Vorfeld nur so viel wie eben nötig und waren stattdessen bestrebt, ihre eigene WM mit jeweils 32 Spielen vorzubereiten. Je vier Gruppen tragen in beiden Ländern ihre Vorrundenspiele getrennt aus, erst vom Achtelfinale an kommt es zum grenzübergreifenden Teilnehmerverkehr. Das Eröffnungsspiel zwischen Titelverteidiger Frankreich und Senegal wird in Seoul ausgespielt, Yokohama erhielt dafür das Endspiel.

Die Final-Teilnahme hat Teamchef Rudi Völler für die deutsche Mannschaft nicht als Turnierziel ausgegeben. Angesichts der mühevollen Qualifikation und der zuletzt ernüchternden Vorstellungen bei der EURO 2000 und der letzten WM in Frankreich gehört die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht zum Favoritenkreis. "Wir wollen die Gruppenspiele gegen Saudi- Arabien, Irland und Kamerun überstehen. In der K.o.-Runde ist alles möglich. Da hängt viel davon ab, gegen wen man spielen muss und wie die Tagesform ist", meint Völler.

Titelverteidiger Frankreich, Rekord-Weltmeister Brasilien und Geheimtip Argentinien sind von den 32 Endrunden-Teilnehmer die ersten Anwärter auf den WM-Thron. "Wichtig wird sein, wie man sich auf die Umstände in Asien einstellt. Man ist doch sehr lange in einer fremden Umgebung", sagt Frankreichs Weltmeister Bixente Lizarazu. Der Defensivspieler des FC Bayern München glaubt deshalb, "dass die traditionellen Turnier-Mannschaften im Vorteil sind".

Dazu zählt auch Deutschland. Doch ein weiteres Handicap für die Völler-Elf könnte sein, dass für sie Japan und Südkorea völliges Neuland ist. Während alle großen Fußball-Nationen in den letzten 16 Monaten in einem der beiden Länder gastiert haben, fiel für das deutsche Team der geplante Asien-Trip wegen der Relegationsspiele gegen die Ukraine ins Wasser. Wegen der Hängepartien waren auch die besten WM-Quartiere bereits vergeben, so dass Völler erst im südjapanischen Miyazaki fündig wurde.

Öffentlich-rechtliche Sender übertragen deutsche Spiele

Auf große Unterstützung aus der Heimat darf das deutsche Team angesichts der hohen Kosten und der großen Probleme, individuell anzureisen, nicht hoffen. Rund 4 500 ? kostet der organisierte Vorrunden-Trip. Darin noch nicht einmal eingerechnet sind die Preise für die Eintrittskarte, die in der günstigsten Kategorie 75 ? für die Vorrunde und 374 ? für das Endspiel betragen. Insgesamt hat der DFB nur gut 3 000 Tickets abgesetzt - weniger als Saudi-Arabien.

Immerhin kann der deutsche Fan (noch) die deutschen WM-Spiele im Fernsehen verfolgen, ohne zusätzlich in die Tasche greifen zu müssen. Jeweils um 13.30 Uhr MESZ werden die Partien gegen Saudi-Arabien (1. Juni/ARD), Irland (5. Juni/ZDF) und Kamerun (11. Juni/ZDF) übertragen. zwölf weitere Vorrundenspiele sind im öffentlich-rechtlichen Fernsehen live zu verfolgen, dazu die deutschen Spiele in der K.o.- Runde, die Halbfinals und das Endspiel. Aller anderen WM-Begegnungen gibt es nur bei Premiere.

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