Kaum Hoffnung auf rasche Erholung
Analysten trauen T-Aktie weitere Kursverluste zu

Der Ausverkauf von Aktien der Deutschen Telekom hat am Mittwoch auf Grund von Unsicherheiten über weitere Aktienplatzierungen verkaufswilliger Großaktionäre angehalten.

rtr FRANKFURT. Bei hohen Umsätzen von mehr als 33 Mill. Aktien büßten die Telekom-Papiere bis zum Nachmittag nach den hohen Vortagesverlusten erneut rund sieben Prozent auf 21,80 ? und damit auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren ein. Händlern und Analysten zufolge leiden die Aktien nach der Auftrags-Platzierung von 44 Mill. Aktien durch die Deutsche Bank am Dienstag darunter, dass sich weitere Investoren von Telekom-Anteilen trennen könnten, die sie im Tausch gegen VoiceStream-Anteile erhalten haben.

Verkaufsempfehlung belastet

Für zusätzlichen Druck auf den Aktienkurs sorgte die Investmentbank Merrill Lynch, die die Aktien des Bonner Konzerns zusammen mit vier weiteren europäischen Telekom-Konzernen auf "Verkaufen" herunterstufte. Wie bei France Telecom könnte sich wegen der Geschäftsentwicklung und der Marktverfassung ein weiteres Abwärtspotenzial bei den Kursen um 20 bis 25 % ergeben, erläuterte die Investmentbank.

Hingegen hatte die Deutsche Bank die Telekom-Aktien am Montag noch zum Kauf empfohlen und am Dienstag im Auftrag bislang weiterhin Investoren mehr als ein Prozent des Grundkapitals der Telekom am Markt platziert. Dies hatte die Aktie bei hohen Umsätzen auf die bis dahin tiefste Kursnotiz des Jahres von 23,03 ? getrieben. Bei am Mittwoch noch einmal deutlich anziehenden Umsätze setzte sich der Ausverkauf fort, was die Marktkapitalisierung des Unternehmens um nochmal sechs Mrd. ? sinken ließ.

Technische Analysten sind skeptisch

Technische Analysten äußerten wenig Hoffnung, dass die Aktien auf Grund charttechnischer Marken Halt finden werden. "Im Blick steht die psychlogische Marke von 20 ?", sagten technische Analysten. "Aber die Telekom-Aktien haben bei ihrer Talfahrt in den vergangenen knapp 18 Monaten sehr viel markantere Widerstände regelrecht pulverisiert", räumte ein Chartanalytiker. Die nächsten aus dem Kursverlauf abgeleiteten Widerstände lägen bei unter 20 ?. Angesichts der eher von Marktpsychologie als von fundamentalen Neuigkeiten getriebenen Verkaufswelle sei es möglich, dass Kurse unter 20 ? erreicht würden. Dieses zuletzt während der Asienkrise erreichte Niveau könnte sich bei realistischer Betrachtung auch als zu niedrig erweisen, was den Aktien Boden verleihen könnte. Einstiegswillige Investoren müssten jedoch vorsichtig sein, da lediglich die stark überverkaufte Situation für einen Wiederanstieg des Kurses durch Deckungskäufe spreche.

Geheimnisvoller Verkäufer

Über die Herkunft des durch die Deutsche Bank platzierten und die Hintergründe der Verkaufsorder waren auch am Mittwoch keine neuen Einzelheiten zu erfahren. Die von der Platzierung ebenfalls überraschte Telekom hat eigenen Angaben zufolge keine Kenntnis über den oder die Verkäufer. In Finanzmarktkreisen wurde über den Mischkonzern und ehemaligen Großaktionär von VoiceStream, Hutchison Whampoa aus Hongkong, als Verkäufer spekuliert. Hutchison war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. In den Kreisen wurde es als wahrscheinlich angesehen, dass sich Hutchison in einem Termingeschäft von rund 35 Mill. Aktien getrennt hat, die das Unternehmen nach der mit der Telekom vereinbarten Haltefriste bis zum Abschluss Übernahme der US-Mobilfunkfirma VoiceStream Ende Mai veräußern durfte. Wie die anderen ehemaligen Großinvestoren von VoiceStream und der mit übernommenen Mobilfunkfirma Powertel dürfen Ende August weitere 40 % und Ende November alle erhaltenen Telekom-Anteile veräußert werden. Dies hält am Markt Befürchtungen über den Rückfluss von bis zu rund 550 Mill. weiteren Telekom-Aktien an den Markt wach, was für anhaltenden Druck auf den Kurs sorgt.

Deutsche Bank in der Kritik

Die Deutsche Bank wandte sich inzwischen gegen die geäußerte Kritik an der Wahrnehmung des Verkaufsmandats und der unmittelbar zuvor bekannt gegebenen Kaufempfehlung für die Telekom-Aktien. "Dazwischen bestehen chinesische Mauern. Beide Bereiche sind getrennt, so dass ausgeschlossen ist, dass die beiden Dinge mit einander verknüpft werden. Das eine war eine Blocktransaktion und das andere war eine reguläre Überprüfung der Anlageempfehlung", sagte ein Sprecher des Bankhauses.

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