Kaum jemand will auf Deutschland wetten
Fahrt ins Ungewisse

Nach einem letzten Training in Frankfurt startet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch zur Europameisterschaft nach Portugal. Doch vor dem Abflug sind die Erwartungen an das DFB-Team nach dem peinlichen Auftritt gegen Ungarn gedämpft. Doch ausgerechnet Chefkritiker Beckenbauer hofft auf das Halbfinale. Auch Christian Ziege fordert ein Ende der Schwarzmalerei. Und Rudi Völler sucht weiter nach seiner Startformation.

HB FRANKFURT. Mit einer großen Portion Ungewissheit an Bord starten Rudi Völler und sein Team am Mittwoch im Sonderflieger LH4560 ins Abenteuer "Euro 2004". Der Teamchef selbst sehnt nach zwei freien Tagen den Abflug nach Portugal förmlich herbei und hofft, dass damit auch die harsche Kritik nach der blamablen 0:2-Generalprobe gegen Ungarn abgeschüttelt wird. "Wir haben bis zum Spiel gegen die Niederlande noch einige Tage, die wir nutzen werden", kündigte Völler seinem Personal intensive Übungseinheiten bis zum Ernstfall am 15. Juni in Porto an: "Wir müssen uns deutlich steigern und erheblich besser spielen, wenn wir die Vorrunde überstehen wollen." Zuversicht zieht Völler und sein Team, das ob der schwankenden Leistungen einer Wundertüte gleicht, aus der Vergangenheit. Vor der WM 2002 sei die negative Stimmung in der Öffentlichkeit im Gegensatz zur Stimmung im Team gestanden, erinnerte Kapitän Oliver Kahn.

Nach zwei Tagen Seelenmassage zu Hause bei Frau, Kindern oder Freunden versammeln sich die 23 EM-Spieler am Mittwoch 10 Uhr wieder am Flughafen Frankfurt, von wo aus der Lufthansa-Airbus um 14.30 Uhr nach Faro startet. Zuvor steht im Waldstadion noch eine letzte Trainingseinheit auf heimischen Boden an. Die Akteure mussten in der freien Zeit die Kritik am Ungarn-Spiel verdauen. "Trotzdem glaube ich nicht, dass wir schwarzmalen müssen. Wir müssen hoch konzentriert zur EM fahren und nicht länger diskutieren", forderte Christian Ziege, der mit 72 Länderspielen Erfahrenste im Kader. Während Deutschlands Chef-Kritiker Franz Beckenbauer trotz allem an der Halbfinal-Hoffnung festhält, haben andere Experten den dreimaligen europäischen Champion dieses Mal bereits abgeschrieben.

Wettanbieter: Deutschland Außenseiter ein

"Deutschland hat einige Probleme", meinte Italiens Coach Giovanni Trapattoni und sagte das zeitige Aus für das DFB-Team voraus. Der Wettanbieter "Interwetten.de" stuft Deutschland mit einer Titel-Quote von 14:1 derzeit als krassen Außenseiter ein. Mut kann eigentlich nur der Blick zurück vermitteln. "Das hat es vor großen Turnieren immer gegeben. Wir waren 1996 auch nicht die Besten, aber die Mannschaft war intakt", verwies Ex-Torwart Andreas Köpke auf die Umstände des EM-Gewinns vor acht Jahren in England.

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