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Kaum noch Hoffnung auf Rettung der Seeleute von der "Kursk"

Die russische Öffentlichkeit wird auf die Katastrophe vorbereitet. Präsident Putin macht derweil am Schwarzen Meer Badeurlaub.

ap MOSKAU. In Russland schwinden die Hoffnungen auf eine Rettung von Überlebenden des gesunkenen U-Boots "Kursk". Der stellvertretende Ministerpräsident Ilja Klebanow sprach am Donnerstag von einem "fürchterlichen Loch" auf der Steuerbordseite des U-Boots. In diesem Bereich des Schiffs habe sich ein Großteil der Mannschaft aufgehalten. Die Katastrophe habe sich mit blitzartiger Geschwindigkeit abgespielt, sagte Klebanow in Murmansk, dem Stützpunkt der russischen Nordmeerflotte. Klopfzeichen von der Besatzung gebe es schon seit langem nicht mehr. Bemühungen, die in 108 Meter Tiefe in der Barentssee liegende "Kursk" mit Tauchglocken zu erreichen, scheiterten auch in der Nacht zum Freitag.

Der Havarist sinke langsam in den Schlamm auf dem Meeresboden, sagte Marinesprecher Kapitän zur See Igor Dygalo. Auf die Rettungsbemühungen habe dies jedoch kaum einen Einfluss. Hilfe aus Großbritannien wird frühestens am Samstag an der Unglücksstelle erwartet. Ein britisches Mini-U-Boot verließ am Donnerstagmorgen an Bord eines norwegischen Schiffes den Hafen von Trondheim. Das Mini-U-Boot soll in einem ersten Tauchgang Sauerstoff, Strom und Nahrungsmittel zu den möglichen Überlebenden in die Tiefe bringen. Ein weiteres norwegisches Versorgungsschiff mit zwölf bis 15 Tauchern an Bord ist ebenfalls auf dem Weg zum Unglücksort, wo es aber nicht vor Sonntag eintreffen soll. Wie lange der Sauerstoff an Bord noch reicht, ist umstritten.

Der stellvertretende Stabschef der russischen Marine, Vizeadmiral Alexander Poboschi, wollte nach Angaben der Nachrichtenagentur ITAR-TASS am Freitag in Brüssel Vertreter der NATO treffen, um technische Aspekte der westlichen Hilfe zu besprechen. Als mögliche Ursachen des Unglücks nennen die russischen Behörden eine Kollision mit einem anderen Schiff, eine Explosion im Innern des U-Boots oder den Kontakt mit einer Mine aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die teilweise widersprüchlichen Angaben und die langsame Reaktion der Behörden auf das Unglück sind in der russischen Öffentlichkeit auf scharfe Kritik gestoßen. Der Unfall am 12. August wurde erst nach zwei Tagen bekannt gegeben; die Angehörigen der 118 Besatzungsmitglieder erfuhren von dem Unglück aus dem Fernsehen. Russische Zeitungen kritisierten Staatspräsident Wladimir Putin, weil er seinen Urlaub am Schwarzen Meer nicht unterbrach und sich bisher zu der Katastrophe nur sparsam äußerte. Westliche Hilfsangebote nahm Russland erst am Mittwoch an. Aus Washington verlautete am Donnerstag, auf ein Hilfsangebot von US-Verteidigungsminister William Cohen vom Dienstag sei Russland nicht eingegangen.

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