Kaum Panikkäufe zum Transferende
Europa klotzt, die Bundesliga kleckert

Die europäische Konkurrenz klotzte mit "Last- Minute"-Aktionen, die deutschen Profi-Clubs hingegen begnügten sich mit Schnäppchenjagd und einzelnen Panikkäufen. Während Stars wie Ronaldo, Hernan Crespo oder Alessandro Nesta und Robbie Keane allein für über 110 Mill. ? kurz vor Ende der Transferperiode den Verein wechselten, ließen die Finanzen vieler Fußball-Bundesligisten Zockereien und Zukäufe kaum zu. Hannover 96 reagierte auf den verpatzten Saisonstart und verpflichtete noch Fredi Bobic sowie Kostas Konstantinidis.

HB STUTTGART. Auch Werder Bremen wurde kurz vor Transferschluss am Montagmittag noch einmal tätig: Die Nordeutschen holten vom AC Parma Johan Micoud, der ablösefrei bis 2005 an die Weser wechselt. Der 29 Jahre alte französische WM-Teilnehmer soll jedoch den Kader nur ergänzen und niemanden ersetzen, betont Trainer Thomas Schaaf.

Generell halten die Fußball-Profis im Vertragspoker die Trümpfe nicht mehr in der Hand. Nach der Kürzung der Fernsehgelder blieben Zockereien aus. Einige Vereine bieten ihr aussortiertes Personal vielmehr fast feil. Die Nachfrage bleibt aber gering. Noch immer sind etwa 100 Profis ohne neuen Club. "Wir machen keine Panikkäufe, sondern reagieren nur", sagt Schalke-Manager Rudi Assauer.

Das wurde auch erforderlich, nachdem Neu-Trainer Frank Neubarth auf einige Verletzte verzichten muss. Kurz vor Transferschluss wechselten die beiden uruguayischen WM-Teilnehmer Dario Rodriguez und Gustavo Varela für geschätzte fünf Mill. ? bis 2006 zum FC Schalke 04. "Es hat sich gelohnt, so lange zu warten, weil die Preise auf dem internationalen Markt arg gebröckelt sind", freute sich Assauer.

Erst die Not nach dem Kreuzbandriss von Angreifer Arie van Lent zwang auch Borussia Mönchengladbach zum Handeln. Kürzlich unterschrieb der 22-jährige Däne Morten Skoubo einen Fünfjahresvertrag, Ablösesumme unbekannt. Beendet wurde am Montag hingegen das Feilschen um U21-Nationalspieler Benjamin Auer, für den die Borussen 500 000 ? haben wollten. Kurz vor dem Schließen der Transferliste einigten sich die Gladbacher und Zweitligist Mainz 05. Über die Transfermodalitäten machten die Clubs keine Angaben.

Ohne Griff in die Geldschatulle verstärkte sich noch einmal der TSV 1860 München. Die "Löwen" verpflichteten nach fast drei Wochen dauernden Verhandlungen den 23-jährigen Brasilianer Rafael da Silva. Ebenfalls ablösefrei holte Energie Cottbus den amerikanischen WM- Kicker Gregg Berhalter vom englischen Zweitligisten Crystal Palace.

Der 29 Jahre alte Abwehrspieler wurde nach Angaben von Nürnberg- Manager Edgar Geenen auch dem "Club" angeboten. "Diese Vereine sind sogar bereit, Abfindungen zu zahlen, nur um Spieler loszuwerden", sagte er dem Fach-Magazin "kicker". Der 1. FCN suche aber keine neuen Spieler, sondern wolle selbst noch zwei, drei abgeben. "Das Ganze zeigt: Bei den kleinen Vereinen sind die Kassen leer, die Gehälter können nicht mehr gezahlt werden", sagte Geenen. Aufsteiger Hannover 96 musste zuletzt beim brasilianischen Angreifer Clemerson Soarez Araujo passen. Er war zu teuer.

Wer als Spieler die Karten nicht auf den Tisch legt, hat möglicherweise ausgezockt. Beispiel Paulo Rink: Der 13-malige Nationalspieler hat nach seinem Gastspiel beim 1. FC Nürnberg noch keinen neuen Arbeitgeber gefunden und glaubt: "Ich muss mich nicht billiger verkaufen, als es andere Profis getan haben. Wenn das Angebot nicht stimmt, gehe ich nicht hin."

Die reduzierten Kader fordern ihre Opfer. Selbst Rekordmeister Bayern München reagierte. Stürmer Carsten Janker konnte für 2,5 Mill. nach Udinese Calcio wechseln. Für den Ex-Stuttgarter Pablo Thiam hat sich bislang noch kein Abnehmer gefunden. Der ehemalige Bayern-Kapitän Stefan Effenberg sorgte mit seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg für Wirbel, Mitspieler Ciriaco Sforza kehrte erneut auf den Lauterer Betzenberg zurück.

Bereits vor dem Saisonstart hatten die 18 Bundesliga-Clubs ihre Transferausgaben drastisch gesenkt. Bis eine Woche vor dem ersten Anpfiff investierten die Vereine mit 102,2 Mill. ? fast 35 % weniger Geld als im Vorjahr in neue Spieler.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gestattete auf Grund der bislang wohl einmaligen Situation in der 40-jährigen Bundesliga-Geschichte eine Sonderregelung, die einen Transfer arbeitslos gemeldeter Spieler über Montag hinaus möglich macht. Die zweite Wechselperiode läuft vom 1. bis 31. Januar 2003. "Der Kampf um die Arbeitsplätze in der Bundesliga hat begonnen", meint Stuttgarts Präsident Manfred Haas.

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