Kaum positive Überraschungen bei den Quartalszahlen südafrikanischer Firmen
Goldene Zeiten für Gold-Produzenten passé

Die wunderbaren Jahre für Südafrikas Goldproduzenten scheinen vorbei zu sein. Während einige noch von Sondereffekten profitieren, leiden andere unter einem festeren Rand und höheren Produktionskosten. Einige Analysten spekulieren darauf, dass der Goldpreis im Falle eines Irak-Krieges anziehen könnte.

KAPSTADT. Die Zeit märchenhafter Margen scheint für die südafrikanischen Goldproduzenten erst einmal vorbei zu sein. Zwar verzeichneten zwei der drei Goldfirmen auch im letzten Quartal einen leichten Gewinnanstieg. Doch spielten dabei besondere Umstände eine Rolle. Der Gewinnanstieg bei Durban Roodepoort Deep, dem viertgrößten Produzenten am Kap, erklärt sich mit dem Abbau der letzten Terminverkäufe. Und die Einkünfte von ARMgold, einer in schwarzen Händen befindlichen neuen Goldgruppe, wurden durch Zins- und Versicherungszahlungen künstlich erhöht.

Die Nummer drei, Harmony, bekam dagegen die gestiegenen Abbaukosten direkt zu spüren und verzeichnete einen Gewinnrückgang von 36 % auf 426 Mill. Rand (44 Mill. Euro). Auch von den Spitzenreitern der Goldliga, Anglogold und Gold Fields, werden in den nächsten Tagen keine positiven Ergebnisüberraschungen erwartet.

Harmony galt bislang als die Erfolgsstory am Kap. Nachdem das Unternehmen vor knapp sieben Jahren noch vor dem Bankrott stand, ist es unter Leitung von Bernard Swanepoel zum sechst größten Goldproduzenten der Welt avanciert. Seit 1995 hat es die Produktion auf über drei Mill. Unzen verfünffacht. Swanepoel wies aber darauf hin, dass die Konzerne heute weniger Dollar für das geförderte Gold. Grund ist die Erholung des südafrikanischen Rands nach dem Einbruch um 37 % im Dezember 2001. In diesem Jahr hat der Rand fast 20 % zum Dollar zugelegt. Zum anderen hatte der Währungseinbruch die Inflation geschürt - und mit ihr die Produktionskosten der Goldminen. Dennoch stiegen die Kurse weit stärker als die der kanadischen Konkurrenz, allen voran der dortige Klassenprimus Barrick. Dieser schockierte die Anleger Ende September mit einer Gewinnwarnung für das laufende Jahr.

Barricks Rückschlag war mit dafür verantwortlich, dass sich in den letzten zwei Jahren die Abschläge verringert haben, mit denen Südafrikas Goldkonzerne aus politischen Gründen gegenüber der Konkurrenz aus Australien und Kanada gehandelt werden. Die Südafrikaner profitierten daneben u.a. von der Schließung einiger unprofitabler Minen. All diese Fortschritte sind nun durch eine von der Regierung forcierte Bergbau-Charta gefährdet. Sie soll den Besitzanteil schwarzer Anteilseigner an der Minenindustrie erhöhen. Das Zutrauen der Anleger könnte dadurch irreparablen Schaden nehmen.

Laut Beobachtern wie Iraj Abedian, Chefökonom der Standard Bank, ist aber mit der Veröffentlichung der Charta die Unsicherheit über die Besitzverhältnisse verschwunden. Anleger könnten nun langfristiger kalkulieren. Richtig ist sicher, dass Südafrikas Goldwerte allein wegen ihrer hohen Einkünfte und Dividendenzahlungen eine recht attraktive Anlage für konservative Anleger bleiben. Für ein Engagement in Gold spricht auch, dass dessen Preis bei einem US-Angriff auf den Irak in Bereiche um 350 $ pro Unze vorstoßen könnte. Zuletzt hat sich der Goldpreis wieder auf 316 $ erholt.

Leon Esterhuizen vom Johannesburger Brokerhaus UBS Warburg sieht jetzt eine gute Einstiegschance für Investoren, die wirtschaftlich mit dem Schlimmsten rechnen: einen anhaltenden Niedergang der Aktienmärkte, weiteren Terroranschlägen oder sogar einem Zusammenbruch des Finanzsystems. Doch birgt die Strategie, nur zu Spotmarktpreisen zu verkaufen, beträchtliche Risiken. Denn im Fall einer Hausse an den Aktienmärkten ist ein neuerlicher Verfall des Goldpreises keineswegs ausgeschlossen.

Quelle: Handelsblatt

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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