Kaum Umsatzwachstum
Im Schneckentempo zum UMTS-Boom

Der angekündigte Aufschwung lässt weiter auf sich warten: Ein Ende der Durststrecke scheint sich für die Telekommunikationsausrüster auch im laufenden Jahr nicht abzuzeichnen.

vwd HELSINKI. Die beiden großen Europäer aus dem Norden, Nokia und Ericsson, äußern sich verhalten, wenn es um den Ausblick auf die kommenden Monate geht. Niemand scheint mehr ernsthaft die Hoffnung zu hegen, dass neue Dienste wie Multimedia Messaging (MMS) im zweiten Halbjahr einen plötzlichen Boom auslösen könnten. Zu stark drücke die Konjunkturflaute auf die Verbraucherstimmung, wenn es um den Absatz der neuen, GPRS-fähigen Handys gehe, räumen die Ausrüster selber ein.

Und was die Nachfrage nach Netzwerken der dritten Generation betrifft - deren Ausbau sei angesichts immenser Schuldenberge und opponierender Aktionäre von den Telekommunikationsanbietern vorerst auf Eis gelegt worden. So werden sich die Investoren am kommenden Dienstag, wenn Nokia einen Zwischenbericht über den bisherigen Verlauf des zweiten Quartals vorlegt, glücklich schätzen, wenn der finnische Konzern seine Umsatzprognose nicht nochmals nach unten revidiert.

Prognose für Nokia

Bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal hatte der Handyhersteller Mitte April angekündigt, das Umsatzplus der Sparte Mobiltelefone werde 2002 voraussichtlich nur bei fünf bis zehn Prozent liegen. Ursprünglich war Nokia von einem Erlöswachstum von 15 Prozent ausgegangen. Der GSM- und Infrastrukturmarkt werde global rückläufig sein, hatte der finnische Ausrüster die neue Schätzung begründet.

Mit bösen Überraschungen rechnet Nicolas Patrick von Stackelberg, Telekommunikationsanalyst bei Sal Oppenheim, am Dienstag nicht. Zumindest werde der Gewinn je Aktie, für den Nokia auf Pro-forma-Basis einen Betrag von 0,18 EUR bis 0,20 EUR prognostiziert hatte, im Plan liegen, sagt er. Denn nach Meinung von Stackelberg hat der finnische Konzern bewiesen, dass er seine Kosten im Griff hat. Und darüber hinaus übe Nokia als weiterhin weltweit größter Handyhersteller einen "Hebel" auf den Markt aus.

Geduld ist gefragt

Zwar sei Siemens, die sich verstärkt auf die Low-End-Nachfrage fokussieren, für die Finnen zu einer "echten Herausforderung" geworden. Jedoch verfüge Nokia bei Handys weltweit immerhin noch über einen Marktanteil von 35 bis 37 Prozent, gibt der Fachmann zu Bedenken. Das Ziel, international einen Marktanteil von 40 Prozent zu erlangen, werde Nokia jedoch nur mit einer "erheblichen Zeitverzögerung" erreichen, schätzt von Stackelberg.

Geduld ist ein Wort, das im Kontext mit GPRS und UMTS neuerdings häufiger fällt. Immer weiter schieben Telekommunikatiosausrüster und Betreiber den Zeitpunkt nach hinten, ab wann die neuen Dienste "wirklich laufen werden". Nokia selbst schätzte in der vergangenen Woche, dass Datendienste bis 2006 global nur 35 Prozent des Gesamtumsatzes von Telekommunikationsanbietern ausmachen werden. Momentan sind es lediglich sieben Prozent - meist erzielt durch die unter jungen Leuten populären SMS.

Weiterentwicklung der SMS

"Ohne Zweifel bietet die Weiterentwicklung von SMS, das Multimedia Messaging (MMS), einen hohen Spielfaktor", bewertet Analyst von Stackelberg die Potenziale der nächsten Entwicklungsstufe dieser Art von Mobilkommunikation. Dennoch sind die seit April von Vodafone in Deutschland angebotenen Dienste, die ein GPRS-fähiges Handy voraussetzen, bei den Verbrauchern bis dato nur auf geringe Resonanz gestoßen. Es handele sich dabei ja auch keinesfalls um ein "Schnäppchen", sondern eher um ein Angebot für "technophile Konsumenten" spielt der Fachmann auf die Kosten für den Einstieg an.

Ungefähr 500 Euro muss ein Verbraucher für ein GPRS-Handy mit integrierter Kamera investieren, bevor er via MMS seine Texte mit Momentaufnahmen, Klingeltönen und sonstigen Grafiken hinterlegen kann. Bis dato bietet in Deutschland lediglich Sony ein derartiges GPRS-Mobiltelefon an, demnächst wird Nokia mit dem Modell 7650 folgen. "Das Potenzial zum Kultstatus hätte diese Technik schon," meint von Stackelberg. Jedoch handele es sich unter den momentanen Umständen um einen "schweren Markt". Risikofaktoren seien nicht nur das Portemonnaie der Konsumenten, sondern auch die noch unzureichende Entwicklung der über GPRS zu beziehenden Nutzdienste.

"Nokia kaufen"

Geteilter Meinung sind die Investmenthäuser über die Auswirkungen von MMS auf den Handyabsatz. Die Analysten der Deutschen Bank hielten Ende Mai ihr Rating "Strong Buy" für Nokia mit der Begründung aufrecht, die nun mögliche Bildübertragung werde sich positiv auf den Umsatz auswirken. Dagegen senkten die Analysten von UBS Warburg einige Tage später ihre Prognosen für den Gewinn je Aktie der Jahre 2002 und 2003. Der Handyabsatz der Finnen werde sich schwächer entwickeln als erwartet, lautete ihre Einschätzung.

ABN Amro dagegen stufte Nokia am gleichen Tag auf "buy" von "add" herauf. Der Cash-Flow sei "außergewöhnlich innerhalb der Branche", urteilte diese Investmentbank über den Konzern. Es werde den Finnen gelingen, die Prognosen für das Gesamtjahr 2002 zu erfüllen und den Marktanteil in den Bereichen Infrastruktur und Handys kontinuierlich auszubauen. Einig allerdings sind sich alle, wenn es um die Zeitschiene geht. Aufwärts wird es demzufolge - wenn überhaupt - im Telekommunikationssektor nur langsam gehen.

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