Kaum Zuwachs verzeichnet: Gedämpfte Stimmung in der Chemiebranche

Kaum Zuwachs verzeichnet
Gedämpfte Stimmung in der Chemiebranche

Die chemische Industrie in Deutschland sieht derzeit keine Anzeichen für eine rasche Erholung der Branchenkonjunktur. Der sich zuspitzende Irak-Konflikt und der starke Euro lassen nach Einschätzung des Chemie-Dachverbandes VCI nur wenig Optimismus aufkommen. Frühestens in der zweiten Jahreshälfte sei mit einer leichten Erholung zu rechnen.

Reuters FRANKFURT. Die aktuelle wirtschaftliche Lage werde von der Mehrheit der Unternehmen als schwierig eingeschätzt, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Donnerstag in Frankfurt mit. Die potenziellen Risiken überwögen. "Euro-Kurs und Irak-Konflikt entscheiden über die weitere Entwicklung der deutschen Chemiekonjunktur", heißt es im VCI-Quartalsbericht weiter. Der Verband bekräftigte ferner seine verhaltene Jahresprognose vom vergangenen Dezember.

Energieintensive und Öl-abhängige Branchen wie die Chemie würden unter den Folgen eines Irakkriegs besonders stark leiden. Vor allem ein Hochschnellen des Ölpreises sowie eine anhaltende Verunsicherung der Konsumenten und Investoren würde die Industrie erheblich belasten.

Erholung weiter ungewiss

Je länger die Unsicherheit andauere und je weiter der Irak-Konflikt räumlich und zeitlich eskaliere, umso negativer würden die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die deutsche Chemie-Konjunktur sein, heißt es im VCI-Bericht. "Ob sich die Chemiegeschäfte im Jahr 2003 erholen werden, bleibt weiter ungewiss", erklärte der Verband. Frühestens in der zweiten Jahreshälfte sei eine leichte Besserung zu erwarten, die aber aber im Vergleich mit vorangegangenen Konjunkturzyklen moderater ausfallen dürfte. Grund sei, dass bei den Weiterverarbeitern chemischer Erzeugnisse die Eingangslager gefüllt seien.

Wie schon im Dezember rechnet der Verband für 2003 nur mit einem Produktionsplus von bestenfalls einem Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2002 hatte die Branche ein Produktionsplus von 2,5 Prozent erreicht, womit sie aber lediglich die Verluste des Jahres 2001 ausgeglichen habe und damit auf dem Niveau von 2000 verharrt sei, erklärte der VCI. Beim Umsatz geht der Verband für dieses Jahr von einem bis zu zwei prozentigen Anstieg aus, womit dieser erstmals seit 2000 wieder höher liegen würde als im Vorjahr. Die Erzeugerpreise dürften zunächst leicht steigen und im Jahresdurchschnitt um rund ein Prozent über denen des Jahres 2002 liegen.

Eurokurs belastet

Neben dem Irakkonflikt belastet insbesondere der hohe Eurokurs die stark exportabhängige Chemieindustrie. Nach Schätzungen des Dachverbandes könnte ein durchschnittlicher Euro-Kurs von 1,07 Dollar in diesem Jahr zu Umsatzeinbußen von 1,2 Prozent für die Branche führen. Vor allem das Auslandsgeschäft erhält durch einen starken Eurokurs einen Dämpfer, da chemische Produkte aus Deutschland teurer werden. Der Kurs des Euro war unlängst über die Marke von 1,10 Dollar gestiegen und liegt aktuell bei rund 1,09 Euro.

Aus den Unternehmen waren zuletzt ähnlich verhaltene Stimmen zu vernehmen. Der Kronberger Chemiekonzern Celanese etwa hatte wegen zu großer Unsicherheiten auf dem Weltmarkt für das Gesamtjahr 2003 keine Prognose gewagt. Für das erste Halbjahr rechnet Konzernchef Claudio Sonder aber mit einem Ergebnis auf oder leicht über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht hatte unlängst bezweifelt, dass es dieses Jahr in Deutschland zu einer Belebung kommen wird. Das Betriebsergebnis beim Spezialchemiekonzern solle aber dennoch gesteigert werden.

Nach dem Konjunktureinbruch 2001 hatte die Branche vergangenes Frühjahr, beflügelt durch sich füllende Auftragsbücher, noch auf eine Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte 2002 gesetzt. Diese Hoffnungen waren aber nach einem stagnierenden dritten Quartal verflogen. Auch das Schlussquartal war nach VCI-Einschätzung für die Unternehmen enttäuschend verlaufen. Von Oktober bis Dezember 2002 verharrte die Chemieproduktion auf dem Niveau des Vorquartals.

Der Dow-Jones-Stoxx Chemical-Index für die europäischen Chemieaktien lag im Handelsverlauf am Donnerstag kaum verändert bei 168 Punkten.

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