Kaus-Dieter Scheurle kann bisweilen ganz schön stur sein
Ein Spitzenbeamter als Medienstar

Bis vor Kurzem war der Telekom-Regulierer nur wenigen Fachleuten bekannt. Doch seit der 45-Jährige die teuerste Auktion der Welt leitet, beherrscht sein Gesicht die TV-Nachrichten.

DÜSSELDORF. Das deutsche Fernsehen hat einen neuen Nachrichtenstar: Klaus-Dieter Scheurle. Seit der Kanzler urlaubt und sein Finanzminister nichts anderes als "Nein" auf Fragen nach neuen Steuersenkungen in die Mikrofone sagt, trifft es sich gut, dass es in diesem Sommer ein Ereignis gibt: Die Versteigerung neuer UMTS-Mobilfunklizenzen in Mainz.

Der neue TV-Held ist ein Mann, der so gar nichts Glamouröses an sich hat. Nach Haar- und Barttracht der typische Spitzenbeamte, steht Scheurle einer öffentlichen Einrichtung vor, die den sperrigen Namen "Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post " trägt.

Der zumeist bei seinen öffentlichen Auftritten eher spröde wirkende 45-Jährige genießt den Wirbel um seine Person inzwischen sichtlich. Vergnügt blitzen die Augen hinter der Brille, während Scheurle in der Außenstelle seiner Behörde in Mainz den Conferencier für die Journalisten gibt, die sich in Kaffeesatzleserei der jeweils letzten Höchstgebote üben.

"Ein Interview? Gerne", sagt er täglich mehrmals. Extra für die Kameras hat Scheurle eine Stopp-Uhr angeschafft, die den 40-Minuten-Takt der Bieterrunden anzeigt. Und weil Auktionieren gerade so richtig Spaß macht, kommt am Ende auch die Uhr unter den Hammer: Die in Mainz ausharrenden Journalisten sollen für sie bieten - für einen karitativen Zweck.

Von Tag zu Tag fernsehgerechter wird auch die leicht schwäbisch gefärbte Sprache des Prädikatsjuristen, der an der Universität Würzbug studierte. Bei seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren begann er noch manchen Satz mit "Nach Paragraph 14 TKG...."

Wenn jedoch heute jemand das sehr detaillierte Auktionsdesign als typisch deutsche Gründlichkeit bekrittelt, erklärt der gebürtige Stuttgarter seelenruhig: "Wir müssen das Verfahren wasserdicht machen, damit hinterher niemand klagen kann."

Die Milliarden, die er jetzt so telegen herein auktioniert, nützen allerdings nicht nur der Staatskasse, sondern auch ihm selbst: Sie festigen seine berufliche Zukunft.

Parteibuch der CSU

Persönlich hat wohl niemand im politischen Berlin etwas gegen Scheurle. Nur leider hat der Mann seit der letzten Bundestagswahl das falsche Parteibuch: das der CSU. Seit November 1998 muss Scheurle sich daher immer wieder gegen Einmischungen von Wirtschaftsminister Werner Müller in seine - nach dem Wortlaut des Gesetzes - eigentlich unabhängige Aufsichtsbehörde wehren.

Spitzfindig heißt es dann, Scheurle möge doch prüfen, ob er die Deutsche Telekom nicht in Teilbereichen zu streng reguliert. Oder es gibt, wie im Fall Post, gleich die ministerliche Anweisung, dass das Briefporto bei 1,10 DM bleibt.

Da mag Scheurle als Postaufseher noch so sehr bemängeln, dass die Post aus seiner Sicht erst durch ihre Monopoleinnahmen aus dem Briefporto das Geld hat, um überall Logistikunternehmen aufkaufen zu können.

Doch seit die UMTS-Auktion am 31. Juli begann, hat Freizeitkapitän Scheurle wieder Oberwasser - wie Anfang 1998, zu Beginn der Telekomliberalisierung. Der damals scheidende Bundespostminister Wolfgang Bötsch (CSU) hatte seinen früheren persönlichen Referenten gegen erhebliche Widerstände an die Spitze der Telekom-Aufsichtsbehörde befördert - eine Parteibuchkarriere also auch diese.

Doch Scheurle, zweifacher Familienvater, entwickelte im neuen Amt sehr viel schneller sehr viel mehr Biss, als ihm Freund und Feind zugetraut hatten. Das "TKG", das Telekommunikationsgesetz, das Scheurle in Bötschs Auftrag zu großen Teilen einst selbst formuliert hatte, nutzte er fortan als Folterinstrument gegen Telekom-Chef Ron Sommer.

Dass der deutsche Telefonmarkt so schnell und so nachhaltig für neue Spieler geöffnet wurde, ist somit zu großen Teilen Scheurles schwäbischer Sturheit zu verdanken. Doch Beamter, der er ist, braucht seine Hartnäckigkeit politische Rückendeckung. Seit sie fehlt, registrieren die neuen Anbieter immer wieder enttäuscht die mangelnde Standhaftigkeit des ehedem so harten Wettbewerbshüters.

Nach frustrierenden Monaten für Scheurle wird jetzt jedoch auch Finanzminister Hans Eichel (SPD) nicht um öffentliches Lob für den Telekom-Regulierer herum kommen. Schließlich ist es Scheurle, der das Auktionsdesign verantwortet. Das Ergebnis von zuletzt 85 Milliarden Mark ist ganz in Eichels Sinne. Da fällt auch das falsche Parteibuch nicht mehr ins Gewicht.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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