KBC ist besonders solide, aber die Aktien sind nicht sehr liquide
Allfinanztitel in Benelux bieten Kurschancen

Der Zusammenschluss von Bank- und Versicherungsgeschäft kann enorme Schwierigkeiten nach sich ziehen, wie Credit Suisse und Allianz erlebt haben. ING, Fortis und KBC zeigen aber, dass es auch besser geht. Die drei Konzerne sind von den Krisen der Finanzbranche nicht verschont geblieben, bieten aber relativ stabile Ertragschancen.

DÜSSELDORF. An der Börse geschehen erstaunliche Dinge: Ein Unternehmen gibt überraschend einen Verlust von zehn Milliarden Euro bekannt - und der Kurs steigt zweistellig. So geschah es bei ING Anfang der Woche. Fortis hat in der vergangenen Woche ebenfalls einen Kurssprung hingelegt. Auslöser war die Ankündigung, die Dividende stabil zu halten.

Die Beispiele zeigen: Die niederländischen-belgischen Allfinanzdienstleister, neben ING und Fortis gehört dazu auch KBC, genießen trotz aller Krisen in der Finanzbranche immer noch Vertrauen. Sie gelten als gelungene Beispiele für den Zusammenschluss von Bank- und Versicherungsgeschäft.

Der Verlust von ING, im ersten Moment ein Schock, entpuppte sich auf den zweiten Blick als reine Buchungsnummer: Die Niederländer stellten ihre Bilanzierung auf US-Standard um. Trotzdem macht die Nachricht deutlich, wie viel die Niederländer bei ihren Übernahmen in den 90-er Jahren in den Sand gesetzt haben: rund 13,3 Mrd. Euro. Nach niederländischem Recht werden Firmenwerte (der Aufschlag des Kaufpreises auf den Buchwert) gleich vom Eigenkapital des Käufers abgezogen, spielen also für die ausgewiesenen Erträge künftig keine Rolle mehr. Nach US-Recht werden sie hingegen nach Marktpreisen bewertet - und entsprechend abgeschrieben, wenn die Marktpreise sinken. Die Börse hat die Bekanntgabe von ING als Bereinigung eingestuft und schaut jetzt nach vorn.

Schaut man sich die ING-Zahlen nach niederländischer Rechnung an, so zeigen sie recht große Stabilität: Der Gewinn nach Steuern sank 2002 nur um 2 % auf 4,5 Mrd. Euro. Dabei verschoben sich aber die Anteile: Der Gewinnbeitrag der Versicherungen stieg von 66 % auf 79 %, der des Bankgeschäfts ging zurück. Wichtig im Bankbereich war die Verdoppelung der Risikokosten auf rund 1,4 Mrd. Euro. ING hat Anfang der Woche noch eine zweite Information herausgegeben: Die Bewertungsreserve in der Aktienanlage, Ende des Jahres noch positiv, ist inzwischen mit einer halben Milliarde Euro ins Minus gerutscht.

Die Aktienbewertung ist auch für Fortis ein großes Thema. Schaut man auf die Zahl unterm Strich, den Gewinn nach Steuern, so ergibt sich 2002 ein Rückgang um 80 % auf gut eine halbe Million Euro. Ausschlaggebend dafür waren Verluste im Investmentportfolio, rund eine Milliarde unrealisierte und 755 Millionen Euro realisierte. Sie betrafen vor allem das Versicherungsgeschäft, das so von 1,2 Mrd. Euro Ertrag im Vorjahr auf minus 0,6 Mrd. rutschte, während das Bankgeschäft bei knapp 1,2 Mrd. Euro fast stabil blieb.

Bei der kleineren KBC ist der Gewinn vor Steuern 2002 sogar auf 1,7 Mrd. Euro, gegenüber 1,5 Mrd. im Vorjahr, gestiegen. Nach Steuern blieb freilich nur noch ein geringfügiger Anstieg auf 1,2 Mrd. Euro übrig. Dazu steuerte das Bankgeschäft allein rund 700 Mill. Euro bei. Dieser Wert lag auf Vorjahresniveau, setzte sich aber anders zusammen: Der operative Ertrag stieg um gut 30 %, bedingt durch höhere Zinserträge, mehr Einnahmen im Anleihengeschäft und gute Kostenkontrolle. Im Gegenzug wurden Aktienbestände und Kredite abgeschrieben. Im Versicherungsbestände stabilisierten, wie KBC schreibt, "vor langer Zeit gelegte Rückstellungen für Aktienrisiken", das Ergebnis.

Vergleicht man die drei Werte, so fällt die KBC durch die große Beständigkeit auf. Das spiegeln auch die Gewinnschätzungen der Analysten wider. Ein Problem ist aber, dass rund 70 % der Aktien beim Großaktionär, der Almanij Group liegen, was die Kurschancen einschränkt. Jeroen Julius von Fox-Pitt, Kelton rechnet damit, dass die Eigentumsverhältnisse neu geordnet werden - doch dies könne noch mindestens einige Quartale dauern.

Fortis hat gegenüber ING die stabilere Bilanz, meint Andrew Ritchie von Fox-Pitt, Kelton. Der Konzern habe zudem mehr Aktien verkauft und damit Verlust verbucht. ING habe seine Aktien dafür etwa zur Hälfte abgesichert. Wenn die Bewertungsreserve negativ bleibe, schlage dies auf den Gewinn durch - ähnlich, wie es bei Fortis schon passiert ist.

So zeigt sich eine Reihe bei den drei Kandidaten: je größer, desto höheres Risiko. Verglichen mit anderen Allfinanzkonzernen wie Allianz und Credit Suisse sind freilich alle drei eher solide.

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