Kehrtwende am Vorabend der Schlussplädoyers im Kartellprozess
Microsoft verschiebt Java-Ende auf 2004

Der Softwarekonzern Microsoft wird die Programmiersprache Java des Rivalen Sun Microsystems wieder unterstützen, nachdem Microsoft Java zuvor aus dem neuen Betriebssystem Windows XP verbannt hatte. Allerdings soll die Unterstützung im Januar 2004 definitiv auslaufen.

siri SAN FRANCISCO. Das kündigte der Konzern am Vorabend der Schlussplädoyers im Antikartell-Prozess gegen den Softwarekonzern aus Redmond an. Branchenbeobachter glauben, dass die Kehrwende kurz vor Prozessende eine Taktik ist, um die Richterin Colleen Kollar-Kotelly milde zu stimmen. "Es soll so aussehen, als ob Microsoft Zugeständnisse macht", sagt David Smith, Analyst beim Marktbeobachter Gartner Group. Ein Microsoft-Sprecher bestritt indes, dass die Entscheidung für Java im Zusammenhang mit der Schlussanhörung im Gerichtsverfahren stehe.

Microsoft und Sun selbst waren wegen Java in einen jahrelangen Rechtsstreit verwickelt, den sie im vergangenen Jahr mit einer außergerichtlichen Einigung beendeten. Dabei hatte sich Microsoft bereit erklärt, künftig auf Java-Lizenzen zu verzichten.

Nachdem Java im Antikartell-Prozess wieder zum Streitpunkt wurde und Sun zusätzlich eine Privatklage gegen Microsoft anstrengte, entschloss sich Microsoft jetzt, Java zumindest zwischenzeitlich doch wieder zu unterstützen. Im Januar 2004 soll die Unterstützung für die Programmiersprache dann aber endgültig aus den Microsoft-Programmen gestrichen werden. Sun begrüßte die Entscheidung des Rivalen Microsoft. Sie helfe Kunden und Software-Entwicklern zumindest vorübergehend, hieß es in einer Stellungnahme. Die Entscheidung, Java ab 2004 aufzugeben, wurde von Sun dagegen kritisiert. Mit der von Sun entwickelten Sprache Java können Programme geschrieben werden, die ohne Anpassung unter verschiedenen Betriebssystemen -- von Windows über Mac OS zu Linux - laufen.

Zuvor hatte die Richterin Kollar-Kotelly Microsoft und die noch klagen neun Bundesstaaten im Antikartell-Prozess gedrängt, sich zu überlegen, wie sie ihre Vorschläge für eine außergerichtliche Einigung so modifizieren können, dass sie für die Gegenseite akzeptabel sind. Microsoft und das Justizministerium hatten im vergangenen November eine außergerichtliche Einigung erreicht. Neun Bundesstaaten wollten sich der Einigung allerdings nicht anschließen und klagten weiter. Die Richterin Kollar-Kotelly muss nun entscheiden, ob die in der Einigung vorgeschlagenen Strafmaßnahmen weit reichend genug sind, um einen künftigen Missbrauch der Monopolstellung im Desktop-Markt von Microsoft zu verhindern. In den Schlussplädoyers werden beide Seiten ihre Argumente noch einmal in Kurzform darlegen. Branchenbeobachter rechnen damit, dass die Richterin wegen der Masse und Komplexität der Gerichtsunterlagen erst in mehreren Wochen zu einer Entscheidung kommen wird.

Unterdessen kündigte Sun an, eine Software für den elektronischen Handel und andere Web-Services, die auf Microsofts Betriebssystemen läuft, kostenlos anzubieten. Damit sollen weitere Barrieren bei der Nutzung von auf Java basierender Software ausgeräumt werden, teilte Marge Braya Vizepräsidentin von Sun One mit: "Unser Ziel ist es, gegen Microsofts Internet-Konzept Dotnet anzutreten und den Geist der Linux-Gemeinde einzufangen."

Quelle: Handelsblatt

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