"Kein aktuelles Thema"
Bund will derzeit keine weiteren Post-Anteile abgeben

Angesichts der Befürchtungen an der Börse vor einem Überangebot an Post-Aktien hat der Bund noch einmal bekräftigt, derzeit keine weiteren Anteile an dem Konzern abgeben zu wollen. Die grundsätzlich geplante Aufgabe der Mehrheitsbeteiligung an der Deutsche Post AG sei "kein aktuelles Thema", sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel am Donnerstag in Berlin.

vwd DÜSSELDORF. Auf eine Minderheitsposition werde sich der Bund "bei entsprechender Aufnahmefähigkeit der Kapitalmärkte" zurückziehen. Eichel hob hervor, der Kurs der "Aktie Gelb" sei zwar momentan nicht zufrieden stellend, doch stuften Analysten die Zukunftsaussichten der Post langfristig positiv ein.

Die Bundesregierung habe ein starkes Interesse an einer erfolgreichen Entwicklung der Post, unterstrich der SPD-Politiker. Angesichts der Börsenentwicklung gebe es derzeit keinen Grund, die zweite Tranche jetzt zu platzieren, fügte er hinzu. Der Bund hatte im vergangenen November in einem ersten Schritt 31 % der Post-Anteile privatisiert. Bei dem größten deutschen Börsengang des vergangenen Jahres waren die Anteile des Logistikkonzerns fast achtfach überzeichnet gewesen. Der Bund hält jetzt noch 50 % plus 26 Aktien, weitere 19 % liegen bei der mehrheitlich bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Änderung des Postumwandlungsgesetzes notwendig

Berlin will sich schrittweise von sämtlichen Anteilen trennen. Damit der Bund unter 50 % gehen kann, soll das Postumwandlungsgesetz geändert werden. Dazu hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen. Mit der Verabschiedung durch den Gesetzgeber wird nicht vor Dezember gerechnet. Marktteilnehmer befürchten offenbar eine Platzierung zu einem ungünstigen, frühen Zeitpunkt, was von Analysten als ein Grund für den niedrigen Kurs der Post-Aktie interpretiert wird. Das Papier war im November zum Preis von 21 € ausgegeben worden. Seinen bisherigen Höchstkurs erlebte es im Februar mit über 24 €. Im März und im August folgten steile Abstürze. Zuletzt notierte die "Aktie Gelb" deutlich unter 14 €.

Zur künftigen Neuregelung des Briefportos meinte Eichel: "Wir müssen dabei günstige Tarife für unsere Bürger sichern." Zugleich sollte der Post eine "größere Flexibilität und Planungssicherheit bei der Preisgestaltung" eingeräumt werden. Die heutigen Posttarife gelten nur noch bis Ende 2002. Danach muss sich der Konzern das Porto von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post in Bonn genehmigen lassen.

Unterdessen äußerten die Analysten von Consors Capital die Auffassung, bei der Post sei auf Grund der Terroranschläge in den USA mit täglichen Umsatzausfällen im unteren zweistelligen Mill.-€-Bereich zu rechnen. Der Konzern hatte am Mittwoch erklärt, die Beschränkungen des Luftverkehrs hätten voraussichtlich negative Auswirkungen auf die Umsatz- und Ergebnissituation für das Luftfrachtunternehmen DHL und den Spediteur Danzas. Das Gesamtergebnis der Post für das laufende Jahr werde jedoch "im Rahmen der im Kapitalmarkt kommunizierten Werte gehalten". Die im DAX notierte Gesellschaft hat bislang eine Verbesserung von Umsatz und Ergebnis gegenüber 2000 in Aussicht gestellt.

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