Kein Bobic-Comeback gegen Holland
Völler schließt dankbar das Länderspiel-Jahr ab

Mit einem Akt der Dankbarkeit und Gnade für seine WM-Helden schließt Rudi Völler das Länderspiel-Jahr ab - für Fredi Bobic indes gibt es (noch) kein Comeback in der deutschen Nationalmannschaft.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Der erstarkte Torjäger von Hannover 96 steht ungeachtet seiner bestechenden Form und acht Toren in acht Bundesligaspielen nicht im Aufgebot für das Prestigeduell gegen die Niederlande am Mittwoch (20 Uhr/ZDF) in der Arena "AufSchalke". Stattdessen berief Völler am Donnerstag in Frankfurt alle verfügbaren Vize-Weltmeister in sein 20-köpfiges Aufgebot, in dem lediglich die Saison-Aufsteiger Arne Friedrich und Paul Freier nicht zum WM-Kader zählten.

"Ich bin immer meinen Weg gegangen und ziehe auch jetzt das Ding so durch", verteidigte Völler stur sein Festhalten an verdienten, aber völlig außer Tritt geratenen Kräften. Eine plausible Erklärung lieferte Völler dafür nicht: "Die Spieler, die nominiert sind, haben noch das Vertrauen." Dazu zählt neben dem formschwachen Dortmunder Lars Ricken und England-Legionär Christian Ziege auch der zu Udinese Calcio gewechselte Carsten Jancker, der seit 18 Monaten kein Punktspiel-Tor mehr erzielt hat. "In Udine sind sie mit Carsten zufrieden", entgegnete Völler.

Mit seinem Schritt stellte sich Völler krasser denn je gegen die öffentliche Meinung, die in verschiedenen Umfragen mit großer Mehrheit für ein Bobic-Comeback plädiert hatte. Schließlich hatte der Europameister von 1996, der sein letztes von 19 Länderspielen vor vier Jahren und neun Monaten in Saudi-Arabien bestritten hatte, nach dem Wechsel von Borussia Dortmund zu Hannover 96 zu früherer Leistungsstärke zurückgefunden. Völler aber will weitere Beweise seiner wieder gewonnenen Treffsicherheit sehen. Auch der Stuttgarter Kevin Kuranyi (7 Bundesligatore) oder die Münchner "Löwen" Markus Schroth (6) und Benjamin Lauth (5) müssten ihre Form konservieren, um Aufnahme in den Kreis der Nationalmannschaft zu erhalten.

"Der heutige Kader ist nur eine Momentaufnahme. Wenn die Entwicklung bei Fredi Bobic oder einem der anderen so positiv weiterläuft, wird er im nächsten Jahr auflaufen", vertröstete Völler die Kandidaten auf das nächste Länderspiel am 12. Februar in Spanien. 96-Trainer Ralf Rangnick nahm Völlers Entscheidung "mit eineinhalb lachenden und einem halben weinenden Auge" auf. "Wenn Fredi seinen Lauf behält, wird man nicht mehr an ihm vorbeikommen."

Bei der am Sonntag in Castrop-Rauxel beginnenden Vorbereitung auf das letzte offizielle Länderspiel des Jahres legt Völler aber offensichtlich keinen Wert auf größeren Konkurrenzkampf. Auch das Vorbereitungsprogramm mit nur zwei Trainingseinheiten lässt eher den Eindruck aufkommen, die Vize-Weltmeister versammelten sich zur vorgezogenen Weihnachtsfeier. Bei der muss Völler allerdings mit den Dortmundern Christian Wörns (gesperrt) und Christoph Metzelder (verletzt) sowie dem Langzeit-Verletzten Jens Nowotny (Bayer Leverkusen) drei erfahrene Defensiv-Kräfte ersetzen.

Aus dem Kader, der zuletzt in Bosnien-Herzegowina (1:1) sowie im EM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer-Inseln (2:1) nicht überzeugen konnte, fehlen außer Wörns der Hamburger Ingo Hertzsch, die Bremer Tim Borowski und Fabian Ernst sowie Alexander Zickler vom FC Bayern München. Der Edelreservist des deutschen Rekordmeisters, an dem Völler in der Vergangenheit ungeachtet fehlender Leistungsnachweise in der Bundesliga eisern festgehalten hatte, erhielt keine weitere Gnadenfrist mehr. Verletzungsbedingt zählte er aber auch nicht zum WM-Aufgebot.

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