Kein böses Erwachen
Glücklich ohne Ring

Wer bekommt das gemeinsame Haus? Wer muss für die Schulden geradestehen? Wer erbt? Paare ohne Trauschein müssen in finanziellen Dingen eine Reihe von Besonderheiten beachten.

Ist die Ehe ein Auslaufmodell? Immer mehr Paare in Deutschland entscheiden sich dazu, ohne Trauschein zusammenzuleben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2000 rund zwei Millionen nichteheliche Lebensgemeinschaften, 1991 waren es lediglich 1,4 Millionen.

Jedoch nur wenige der Paare machen sich Gedanken darüber, welche finanziellen Konsequenzen ihr Verzicht auf das standesamtliche Ja-Wort bedeutet. Dies jedenfalls berichten Notare, Anwälte und Finanzberater. "Besonders im Trennungsfall gibt es dann für so manchen Partner ein böses Erwachen", hat der Fachanwalt für Familienrecht Ralf Käppele festgestellt. Schnell wird aus der wilden Ehe ein wilder Streit. Sein Rat: Paare ohne Trauschein sollten die wichtigsten finanziellen Belange schriftlich regeln, bevor es nach der Trennung zum Krach kommt.

Ein wichtiges Thema ist dabei die Altersvorsorge. Zahlt beispielsweise nur einer der beiden Partner in die Rentenkasse ein und der andere kümmert sich un Haushalt und Kinder, hat letztgenannter keine Rentenansprüche. Im Trennungsfall stünde er also mit leeren Händen da. Um dies zu verhindern, kann zum Beispiel vereinbart werden, dass der Berufstätige für den haushaltsführenden Partner in eine Lebensversicherung oder in eine andere Altersvorsorgeform einzahlt. "Für beide Seiten ist das eine faire Lösung", sagt Käppele.

Beim Immobilienkauf ist Fairness gefragt

Besondere Fairness ist auch gefragt, wenn beide Partner gemeinsam eine größere Anschaffung tätigen, zum Beispiel eine Immobilie kaufen. Wichtig ist dabei, dass beide Lebenspartner in das Grundbuch eingetragen werden. Nur das sichert jedem einen Besitzanteil an dem Gebäude. "Allerdings gibt es dabei auch Risiken", sagt Stefan Schmitt, Baufinanzierungsexperte beim Finanzdienstleister MLP. Wenn ein Partner beispielsweise seinen Anteil am Baukredit nicht zurückzahlen kann, darf sich die Bank an den anderen Partner wenden, denn beide haften gesamtschuldnerisch. Kann auch er nicht für den Partner-Anteil aufkommen, droht die Versteigerung der Immobilie.

Besonders schwierig kann es werden, wenn beide Miteigentümer nach einer Trennung unterschiedliche Vorstellungen über die weitere Nutzung des Gebäudes haben: Etwa wenn der eine das Haus verkaufen, der andere darin wohnen bleiben will. Experten raten dazu, schon vorher genau festzulegen, wer im Trennungsfall das Wohnrecht hat und welcher Ablösebetrag der verbleibende Partner dem anderen bezahlen muss. Auch eine exakte Regelung der Rückzahlung von Krediten sollte getroffen werden.

Was nicht nur für Immobilienbesitzer wichtig ist: Stirbt ein Partner, erhält der andere nichts vom Nachlass - sofern dies nicht im Testament vorgesehen ist. Denn die Partner in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft sind keine gesetzlichen Erben. Sinnvoll ist es daher, den Partner im Testament ausdrücklich zu berücksichtigen.

Allerdings kann eine solche Verfügung problemlos geändert werden, ohne dass der andere Partner davon erfährt. "Das kann zu bösen Überraschungen führen", sagt MLP-Mann Schmitt. Er empfiehlt Paaren, beim Notar einen Erbschaftsvertrag abzuschließen. Darin ist geregelt, wer im Todesfall des anderen welchen Anteil bekommt. Geändert werden kann er nur, wenn beide Unterzeichner zustimmen - eine heimliche Änderung ist also unmöglich.

Steuerlast kann erheblich höher ausfallen

Generell ist allerdings zu beachten, dass die Steuerlast bei nicht verheirateten Paaren im Vererbungsfall viel höher ist als bei Eheleuten. Während bei Ehepaaren der Hinterbliebene einen Steuerfreibetrag von 307 000 Euro geltend machen kann, sind es bei Paaren ohne Trauschein nur 5 200 Euro. "Um diese extrem hohe Steuerlast zu vermeiden, kann man den Leuten eigentlich nur raten, vorher zu heiraten", sagt der Bonner Notar Michael Uerlings. Eine andere, relativ komplizierte Möglichkeit: Der Erblasser vermacht sein Hab und Gut seinen Kindern. Hier liegt der Freibetrag bei 205 000 Euro. Um den Partner zu begünstigen, räumt ihm der Vererbende einen lebenslangen Nießbrauch des Erbes ein. Das bedeutet: Er darf Hab und Gut des Verstorbenen nutzen, es aber nicht veräußern.

Mögen derart komplizierte Konstruktionen die Steuerlast bei der Erbschaftsteuer drücken, bei der Einkommensteuer gibt es kein Pardon. Hier sind nicht verheiratete Paare deutlich schlechter gestellt als Eheleute. Die Einkünfte beider Partner einer "wilden Ehe" werden jeweils getrennt nach der Grundtabelle abgerechnet. Bei Eheleuten ist das anders: Sie profitieren vom Splittingeffekt. Beide Einkommen werden addiert und dann durch zwei geteilt. Auf diesen Wert wird dann jeweils die Grundtabelle angewandt. Wenn die Einkommen der Ehegatten stark voneinander abweichen, ergibt sich ein Tarifvorteil, da die Progression des Steuersatzes sich jeweils nicht so stark auswirkt wie bei der Gesamtsumme. Verfügt beispielsweise in einer Ehe der eine Partner im Jahr 2001 über ein zu versteuerndes Einkommen von 100 000 DM, der andere über keins, beträgt die Steuer nach diesem Verfahren insgesamt 19 314 DM. Fehlt der Trauschein, liegt die Steuerbelastung mit 29 272 DM deutlich darüber.

Es gibt jedoch auch pekuniäre Vorteile der "wilden Ehe" - zumindest gegenüber dem Singledasein: Oft reicht für beide Partner eine Hausrat-, Rechtsschutz und private Haftpflichtversicherung. Über die genauen Modalitäten sollte man sich bei der Versicherung erkundigen. In der Regel gilt: Der Partner wird gemeldet und in den Vertrag aufgenommen. Derjenige, der seine Versicherung zuletzt abgeschlossen hat, kann seine Police kündigen. Allerdings schließen die meisten Rechtsschutzversicherungen die Übernahme von Kosten aus, wenn beide Partner gegeneinander prozessieren.

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