"Kein cleverer Schachzug"
Kinowelt steigt bei Village Roadshow ein

Der Münchner Medienkonzern will weiter expandieren. Analysten befürchten, Kinowelt könnte mit der Beteiligung an einer weiteren Kinokette seine Cash-Kapazitäten überstrapazieren.

Reuters MÜNCHEN. Der Münchner Medienkonzern Kinowelt Medien AG ist an einer Beteiligung an der Kinokette Village Roadshow Exibition GmbH interessiert. Kinowelt führe exklusive Verhandlungen, bestätigte eine Sprecherin des am Neuen Markt notierten Unternehmens am Mittwoch. Das Wirtschaftsmagazin "Focus Money" hatte vorab berichtet, Kinowelt stehe vor einer Mehrheitsbeteiligung an der Tochter des australischen Medienkonzerns Village Exibition, die in Deutschland acht Multiplex-Kinos betreibe. Analysten bezeichneten den Schritt als durchaus sinnvoll. Allerdings müsse der Preis stimmen. An der Börse legten die Kinowelt-Aktien um 2,65 % auf 38 Euro zu.

Kinowelt hält bereits 50,1 % an der Theile Hoyts Kinopolis Unternehmensgruppe, dem viertgrößten Kinobetreiber in Deutschland. Konkurrent Senator Entertainment ist mit 25 % an der Kinokette Cinemaxx beteiligt.

Mit der Beteiligung an Kino-Betreibern könnten die Film- Produzenten mitbestimmen, welche Filme im Kino gezeigt würden, und damit ihre Filme besser positionieren, hieß es bei den Experten. Das sei auch für die weitere Auswertung im Fernsehen und Internet wichtig. "Je besser es im Kino läuft, desto mehr Geld gibt es beim PayTV und desto stärker ist die Verhandlungsmacht, wenn es um die Rechte im werbefinanzierten Fernsehen geht", erläuterte Roland Fänder, Medien-Analyst bei der BHF-Bank. "Es kommt aber auf den Preis an", fügte WestLB-Panmure-Analystin Stefanie Fringuelli zu.

Uneinig waren sich die Analysten darüber, ob Kinowelt sich die Beteiligung überhaupt leisten kann. Der Medienkonzern hatte in der vergangenen Woche die Begebung einer Wandelanleihe von bis zu 200 Mill. Euro zur Tilgung von Bankverbindlichkeiten angekündigt. Finanzvorstand Eduard Unzeitig hatte damals einen Zeitungsbericht, wonach Kinowelt dringend eine Kapitalspritze brauche, zurück gewiesen.

"Es ist kein cleverer Schachzug, weitere Beteiligungen bei diesem Kurs und bei der Ankündigung der Wandelanleihe zu tätigen", sagte Fringuelli. Ihrer Meinung nach habe Kinowelt Cashprobleme. "Nach meinen Berechnungen reichen die 200 Mill. DM aus der Wandelanleihe gerade mal für dieses Jahr", sagte die Analystin, die die Kinowelt-Aktien in der vergangenen Woche auf "Outperformer" von "Kaufen" herunter gestuft hatte.

Roland Fänder war da optimistischer. Er sehe keine Probleme bei der Finanzierung. Im ersten Halbjahr habe Kinowelt liquide Mittel von 290 Mill. DM ausgewiesen. "Da sehe ich kein Cashproblem", sagte er.

Kinowelt hatte im ersten Halbjahr ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 50,6 Mill. DM und einen Umsatz von 247,3 Mill. DM erzielt.

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