Kein einheitliches Bild
Trauerbeflaggung ist nicht selbstverständlich

Die Republik schwenkte auf Halbmast. Stunde um Stunde stieg am Freitag die Zahl derjenigen Länder, die nun doch zum 40. Jahrestag des Mauerbaus an diesem Montag die Fahnen vor öffentlichen Gebäuden auf Halbmast setzen wollen. Die staatlichen Symbole der Trauer um vermutlich 960 an Mauer und Stacheldraht gestorbene Menschen sind nicht selbstverständlich: Kränze gab es, Kreuze und Blumen - doch vor der Einheit verzichteten die alten Westländer auf Trauerbeflaggung am Tag des Mauerbaus.

dpa BERLIN. Die Debatte um das schwarz-rot-goldene Tuch auf halber Höhe begann in Brandenburg. Der dortige CDU-Innenminister Jörg Schönbohm ordnete am Dienstag Trauerbeflaggung zum 13. August an: "Dieses Datum ist Symbol für die Unfreiheit und die Trennung von Menschen einer Nation mit Gewalt." Prompt witterte der dortige PDS-Vorsitzende Ralf Christoffers einen Versuch, die "Definitionshoheit über die Geschichte der beiden deutschen Staaten" zu erlangen.

Das Thema war in der Welt. Der wahlkämpfende Berliner CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel forderte umgehend eine Initiative der von der Mauer geprägten Hauptstadt. "Ich glaube nicht, dass ein Regierender Bürgermeister, der sich mit den Stimmen der SED-Nachfolgepartei PDS hat wählen lassen, in einer solchen Frage genügend Durchsetzungsvermögen hat", meinte Steffel mit Blick auf SPD-Konkurrent und Regierungschef Klaus Wowereit. Tatsächlich zeigte sich PDS-Spitzenkandidat Gregor Gysi zurückhaltend; einiges spreche für die Halbmastbeflaggung. Doch Wowereits SPD-geführter Senat ordnete sofort Trauerbeflaggung an. Auch Sachsen folgte schnell.

Das von der PDS mitregierte Mecklenburg-Vorpommern lehnte Halbmast zunächst ab. Eine Beflaggung sei nicht vorgesehen, hieß es auf entsprechende Forderungen der oppositionellen CDU. In Sachsen-Anhalt war am Donnerstag noch nichts vom Trauersymbol bekannt, am Freitag hieß es dann: Am Montag wehen die Fahnen auf Halbmast. Die dortige CDU-Opposition hatte zuvor keine Veranlassung dafür gesehen.

Nur im Saarland und Thüringen bleiben die Flaggen oben

Am Freitagmorgen hatte der Bund für seine öffentlichen Gebäude Trauerbeflaggung angeordnet; Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach von der Mauer als "Symbol von Diktatur und Kaltem Krieg". Am 13. August werde "der Opfer des Schießbefehls an Mauer und innerdeutscher Grenze" gedacht.

Auch die Westländer waren gefordert. Neben Rheinland-Pfalz meldeten sich die alten Grenzländer Bayern, Hessen und Niedersachsen prompt. Als einziges Westland an der "Zonengrenze" blieb Schleswig-Holstein bis zum Nachmittag dabei: Halbmast habe "zwölf Jahre nach dem Fall der Mauer keinen Sinn". Doch eine Stunde später kam der Erlass zur Trauerbeflaggung. Auch Bremen und Hamburg teilten schließlich Entsprechendes mit. Nordrhein-Westfalen wollte nicht zurückbleiben, "weil der Bund flaggt".

Baden-Württemberg verwies am Freitag zunächst noch auf eine Vereinbarung zwischen Bund und neuen Ländern, wonach nur in den Ostländern und Berlin Trauerflaggen wehen sollten. Am Nachmittag schwenkte dann auch Stuttgart um. Nur das Saarland verzichtet - bisher - auf die Flaggen. Als einziges Bundesland im Osten will Thüringen nicht auf Halbmast gehen. Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) sieht dazu keine Veranlassung: "Die Mauer ist überwunden. Es gibt keinen Grund, das zu betrauern."

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