Kein Ende der dreijährigen Talfahrt am US-Markt: Charttechniker: Irak-Krieg ändert Börsentrend nicht

Kein Ende der dreijährigen Talfahrt am US-Markt
Charttechniker: Irak-Krieg ändert Börsentrend nicht

Eine mögliche Kursrallye an den US-Börsen nach Beginn von Kampfhandlungen im Irak wird nicht das Ende der dreijährigen Talfahrt am Aktienmarkt einläuten. Das ist das Ergebnis einer charttechnischen Analyse der US-Investmentbank Salomon Smith Barney.

Bloomberg NEW YORK. Die Analysten untersuchten die Kursmuster während vergangener Kriege. Das Ergebnis: "Die Börsen werden keine Trendwende vollziehen, sondern zu ihrer ursprünglichen Tendenz zurückkehren", sagt Salomon Analystin Louise Yamada. Das bedeutet, dass die US-Leitindizes noch unter ihre Fünf-Jahres-Tiefs vom Oktober zurückfallen können, schrieb Yamada in der Studie. Sie wurde in der jährlichen Umfrage des Magazins Institutional Investor zur besten technischen Analystin gekürt.

"Ein Kriegsausbruch ändert nichts an der grundlegenden Abwärtstendenz der Aktienkurse," bestätigt Scott Vergin, Fondsmanager bei Thrivent Financial For Lutherans in Minneapolis. Yamada hat die Entwicklung an den US-Börsen während der fünf Kriege, an denen die USA beteiligt waren, untersucht. In jedem Fall hat der dominante Trend den anschließenden Kursverlauf bestimmt. Wenn sich die Aktienkurse nach oben bewegten, wie in den zwei bis drei Jahren vor den Kriegen in Korea von 1950-53 und Kuwait im Jahr 1999, löste der Beginn der Kampfhandlungen "schlimmstenfalls einen vorübergehenden Kursrückschlag aus", schreibt sie. So fiel der Dow Jones Industrial Average im Jahr 1953, als der Korea-Krieg endete, 3,8 %. Zwischen 1954 und 1956 kletterte er jedoch 78 %.

Das Ende des Golfkrieges markierte den Beginn eines neunjährigen Kursaufschwungs, in dem der Dow Jones fast das Vierfache an Wert gewann. Befanden sich die Aktienkurse hingegen in einer Abwärtsbewegung, wie 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges, oder kurz vor einer Marktkorrektur wie 1939 zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, brachte der Krieg einen Kursrückgang. Der Bärenmarkt von 1912-14 drückte den Dow Jones um 38 % nach unten. Zwar legte der amerikanische Leitindex 1915 eine Kursrallye hin, gab aber die nächsten zwei Jahre weiter nach. Ende 1918 lag er 6,5 % unter dem Stand von Ende 1912.

Während des Zweiten Weltkrieges machte die Börse eine Baissephase durch. Zwischen 1939 und 1941 büßte der Dow Jones 26 % ein. Beim Vietnam-Krieg von 1962-1975 waren zwei Phasen zu beobachten: 1962 brach der Index 11 % ein, legte zwischen 1963 und 1965 etwa 49 % zu. In der zweiten Phase sank das Börsenbarometer bis Ende 1974 auf 616,24 Punkte und damit unter den Stand von 1962.

Am häufigsten wird derzeit jedoch der Golfkrieg als Maßstab dafür genommen, wie die Börsen reagieren. Zwischen dem 26. Januar, als der Krieg begann, und dem Jahresende 1990 schnellte der Dow 26 % nach oben. Das war der Anfang einer Hausse, die bis zum Jahr 2000 anhielt. Die Benchmark-Indizes sind 2002 das dritte Jahr in Folge gefallen und dieses Jahr fallen sie weiter.

Die Marktteilnehmer befürchten, dass ein Irak-Krieg die Konjunkturerholung abbremst. Die Angst vor einem Irak-Krieg hat einige Unternehmen davon abgehalten, zu investieren. Außerdem zögern die Fondsmanager angesichts der unsicheren Lage, in Aktien zu investieren, berichten Investoren. Wenn es zu den ersten Kampfhandlungen gekommen ist, dürften die Aktienkurse eine Rallye hinlegen. Denn die Kurse spiegeln bereits den schlimmsten aller Fälle wider. "Derzeit stehen die Kurse wegen der erhöhten Unsicherheit und Angst unter Druck. Aber das wird nicht lange anhalten. Der Krieg wird nur geringe Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben," glaubt Bob Benson, Senior-Marktstratege bei Banc of America Capital Management.

Andere Investoren bemängeln, dass der Vergleich mit 1991 hinkt. Das Ziel von George W. Bush sei sehr viel ehrgeiziger als das seines Vaters 1991, nämlich Saddam Hussein aus dem Irak zu vertreiben. Daher dürften sich die Hoffnungen auf ein rasches Kriegsende als falsch erweisen.

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