"Kein Ende der Kursschwäche in Sicht"
Gold Zack war der größte Kapitalvernichter

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sieht vorläufig kein Ende der Kursschwäche an den Börsen.

Reuters BERLIN. "Zurzeit ist nur Angst", sagte DSW-Chef Ulrich Hocker am Mittwoch in Berlin. Ein Aufschwung sei zumindest für das laufende Jahr nicht erkennbar, da es keine antreibenden Visionen für Unternehmen und Anleger gebe. Zudem sieht die DSW einen anhaltenden Vertrauensverlust bei den Aktionären nach verschiedenen "dreisten Anlegerschädigungen" sowie deutlichen Kursverlusten in den vergangenen Jahren. Hocker fordert einen besseren Rechtsschutz für Aktionäre. Die Organhaftung müsse ausgeweitet werden, damit Vorstände auch für grobe Fahrlässigkeit haftbar gemacht werden könnten. "Wir brauchen in Deutschland eine neue Klagemöglichkeit für Aktionäre", sagte Hocker weiter. Kläger sollten sich für eine Musterklage zusammenschließen können.

Die Marktkapitalisierung der 30 größten deutschen Unternehmen hat sich laut DSW von 890 Milliarden Euro im Dezember 2000 auf 315 Milliarden Euro zwei Jahre später reduziert. Im Neuen Markt waren die prozentualen Verluste noch höher. In einer Watchlist hat die Vereinigung die 50 größten Kapitalvernichter unter den börsennotierten Standardwerten sowie am Neuen Markt erfasst. Die unrühmliche Spitzenposition bei den Standardtiteln nimmt die im C-Dax gelistete Gold Zack AG ein. Innerhalb eines Jahres verlor das Papier 94,4 Prozent des Wertes. In den vergangenen fünf Jahren büßten die Käufer der Aktie noch 55 Prozent ihres Investments ein. Auf den weiteren Rängen finden sich vornehmlich kleinere Unternehmen wie WKM Terrain auf dem zweiten oder K&M Möbel auf dem dritten Platz.

Auch Dax-Unternehmen auf der Negativskala

Doch auch Dax-Unternehmen finden sich auf der Negativskala. Die Commerzbank nimmt laut DSW Rang 32 ein, mit einem Wertverlust von 57,4 Prozent im Jahr 2002 und von 27,1 Prozent im Fünf-Jahres-Zeitraum ein. MLP folgt mit dem drastischen Kursverlust von 88,5 Prozent im vergangenen Jahr direkt darauf. Auch die HypoVereinsbank ist auf der Liste gelandet. Die Allianz entging diesem Schicksal auf Rang 52 nur knapp. Die Deutsche Telekom wird auf dem 86. Platz geführt, knapp vor Daimler-Chrysler.

Bei den Firmen des Neuen Marktes führen Entertainment-Gesellschaften die Liste der Kapitalvernichter an. Mit einem Minus von 93,4 Prozent beim Aktienkurs steht RTV Family an der Spitze, gefolgt von BKN und IM International. "Das entscheidende Merkmal ist Missmanagement", sagte Hocker zu den Ursachen der schlechten Kursentwicklung bei vielen Gesellschaften.

Den Kleinanlegern rät die DSW, die Pläne zur Besteuerung von Kursgewinnen zu beachten. Stichtag sei der 21. Februar. Bis zu diesem Tag könnten Kursgewinne steuerfrei realisiert werden, sofern sie über ein Jahr gehalten wurden. Hocker rät Anlegern, diese Erträge mitzunehmen. Dagegen empfiehlt der Experte, Papiere mit hohen Verlusten erst nach dem Stichtag zu veräußern. Denn die Neuregelung sieht vor, dass künftig auch Veräußerungsverluste außerhalb der Spekulationsfrist unbegrenzt mit späteren Gewinnen verrechnet werden können.

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