Kein Ende der Turbulenzen auf den Weltölmärkten in Sicht
Kriegsängste treiben Ölpreis in die Höhe

Die Weltölmärkte sind nervös. Die Furcht vor einem militärischen Eingreifen der USA im Irak hat die Notierungen auf den höchsten Stand seit einem Jahr getrieben. Ob die Opec-Staaten ihre Förderquoten erhöhen, ist noch ungewiss. Im Lager des Katells gibt es in dieser Frage unterschiedliche Auffassungen.

DÜSSELDORF. Glaubt man den Marktbeobachtern, dann liegen die Nerven an den weltweiten Ölmärkten blank. Denn mit den immer deutlicheren Anzeichen eines militärischen Konflikts zwischen den USA und dem Irak, tendiert der Ölpreise schon seit Monaten scheinbar unaufhaltsam nach oben. Dabei deuten die fundamentalen Marktfaktoren eher auf eine Entspannung hin. Doch Experten sind sich sicher, dass der Ölpreis derzeit eine "Kriegsprämie" enthält. Wie groß diese allerdings ist, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris beläuft sich die höchste Prognose auf 8 $ je Barrel (159 l). Die Notierungen selbst bewegen sich in der Spanne von 26 bis 31 $/Barrel - je nach Erdölsorte.

Damit liegen die Preise auf dem hohen Niveau unmittelbar im Anschluss an die Terrorakte vom 11. September 2001 - trotz einer im Jahresdurchschnitt fast stagnierenden Weltölnachfrage und einer immer lascheren Produktionsdisziplin im Opec-Lager. Die Spitzenwerte vom Herbst 2000 erreichen sie allerdings noch nicht. Damals wurden zeitweise über 33 $ pro Barrel bezahlt.

Doch damals zog die weltweite Nachfrage kräftig an und der Konjunkturmotor rund um den Globus lief rund. "Diese Situation hat sich heute nachhaltig gewandelt", gibt Hans W. Schiffer, Energieanalyst der RWE Rheinbraun, zu bedenken. Er schätzt denn auch, dass auch die Verbrauchsprognosen der IEA, obwohl deutlich reduziert, immer noch zu hoch sind. Dabei, so Schiffer, müsse man berücksichtigen, dass die Prognosen des Ablegers der OECD "Interessen geleitet" seien. Die IEA wolle Politik damit machen und die Opec zu einer Produktionsoffensive bewegen, so Schiffers Resümee.

Die elf Mitglieder der Opec beraten am 19. September über ein neues Produktionsabkommen. Opec-Generalsekretär Alvaro Calderon hat allerdings bereits betont, dass es keinen Ölmangel geben wird. "Es ist keineswegs ein Widerspruch, wenn festgestellt wird, dass trotz unterschiedlicher Analysen sowohl die IEA als auch die Opec mit der Bewertung der fundamentalen Marktfaktoren nicht falsch liegen", sagt Schiffer. Im Kartelllager werde berücksichtigt, dass in den Erdölpreisen eine Kriegsprämie von 8 $/b enthalten sei. Ohne eine Eskalation in der Irak-Krise könnten diese Aufschläge rasch verschwinden. Dagegen sorge sich die IEA, dass ohne eine offizielle Erhöhung der Produktionsquote der Opec die "Marktpsychologie" die Erdölpreise weiter hochhieven dürfte.

Auch ohne eine sofortige militärische Eskalation im Nahen Osten sind jedoch weitere Preisaufschläge wahrscheinlich. Es gibt nur vergleichsweise geringe Vorräte und vor dem Winter steigt die Nachfrage saisonal bedingt an, heißt es in IEA-nahen Kreisen. Darüber hinaus könnten Käufe vorgezogen und Bevorratungsmengen gehortet werden, wenn die Invasion in den Irak näher rücken würde. "Weitere Preiserhöhungen werden die schon schwache Weltkonjunktur aber abwürgen", warnt der Essener Energie-Professor Dieter Schmitt.

Wie stark die Ölpreis-Hausse beim Vergeltungsschlag der USA gegen den Irak ausfällt, hängt maßgeblich von der Stabilität der Gesamtlage am Golf ab. Sollte der Irak als Lieferant ausfallen, lässt sich das schon durch eine Erhöhung der Fördermengen der übrigen Golfanrainer ausgleichen. Im Kartelllager stehen ungenutzte Kapazitäten von 5,5 Mill. Barrel pro Tag laut IEA bereit. Iraks Exporte lagen zuletzt bei gerade einmal 1 Mill. Barrel pro Tag. Sollte jedoch das gesamte Öl aus der Nahostregion, das insgesamt 45 % des internationalen Handels ausmacht - ausfallen, sieht die Situation deutlich kritischer aus. Ob dann Preise von 40 $ und mehr erreicht werden, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen. Erdölpreise oberhalb der 35-Dollar-Marke können sich aber nach den bisherigen Krisen-Erfahrungen in der Golf-Region nur kurzfristig behaupten, glauben Schiffer und Schmitt.

Heino Elfert, Herausgeber des Hamburger Fachblatts Energie-Informationsdienst, zitiert eine Auswertung von zehn Ölmarktanalysten führender Finanzhäuser, die prognostizierten, dass das US-Rohöl WTI, das rund 1 $ höher als das Nordseeöl Brent notiert, im Jahresdurchschnitt 26,5 $ und im nächsten Jahr 25,5 $/b ausmachen könnte. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass die Experten nur von einer kurzen Störung der geopolitische Großwetterlage im Nahen Osten ausgehen.

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