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Kein Ende im Kampf um US-Wahl in Sicht

Demokraten und Republikaner wollen je nach Ausgang das für Sonntagabend erwartete amtliche Endergebnis der Auszählung in Florida anfechten. Damit wird auch nach dem Wochenende offen bleiben, ob Al Gore oder George W. Bush neuer Präsident der USA wird.

dpa WASHINGTON. In dem beispiellosen juristischen Kampf um die amerikanische Präsidentschaft ist kein Ende abzusehen. Demokraten und Republikaner wollen je nach Ausgang das für Sonntagabend erwartete amtliche Endergebnis der Auszählung in Florida anfechten. Damit wird auch nach dem Wochenende offen bleiben, ob Al Gore oder George W. Bush neuer Präsident der USA wird.

In zwei Bezirken Floridas ging am Freitag die Auswertung der bei manuellen Zählungen ausgesonderten umstrittenen mehreren tausend von Wahlzetteln weiter. Dabei gewann Gore bislang insgesamt etwa 200 Stimmen, so dass der Vorsprung von Bush auf knapp 730 von fast sechs Mill. abgegebenen Stimmen zurück ging.

Die überprüften Wahlzettel weisen meist kein eindeutiges Stanzloch für den Demokraten Gore oder den Republikaner Bush auf. Nach dem Wahlgesetz in Florida muss eine Stimme aber gewertet werden, wenn die "Absicht" des Wählers erkennbar ist. Die Frist für die Zählung läuft am Sonntagnachmittag (Ortszeit) aus.

Die Demokraten wollen das dann amtlich verkündete Endergebnis anfechten, weil sich der Bezirk Miami-Dade geweigert hat, die vom Obersten Gerichtshof genehmigte Nachzählung per Hand durchzuführen. Damit würden Tausende von Stimmen nicht gewertet, erklärte ein Sprecher der Demokraten.

Die Wahlkommission in Miami hatte sich außer Stande erklärt, die vom Gericht gesetzte Frist einzuhalten. Das Gericht lehnte daraufhin am Donnerstag einen Antrag der Demokraten ab, den Bezirk zur Zählung zu verpflichten.

Die Republikaner planen Anfechtungen, um die nachträgliche Wertung umstrittener Wahlbriefe von Soldaten aus Übersee in 13 Bezirken des Bundesstaates zu erzwingen. Dies dürfte auf jeden Fall geschehen, wenn Gore am Sonntagabend die Mehrheit der Stimmen in Florida zugesprochen bekommen sollte.

Außerdem warten die Parteien weiter auf eine Äußerung des Obersten Gerichtshofes der USA. Dort haben die Republikaner beantragt, die manuellen Zählungen in Florida aus verfassungsrechtlichen Gründen gänzlich für nichtig zu erklären.

Die Demokraten beschuldigten Republikaner, die Wahlnachzählung in Miami-Dade mit bezahlten Demonstranten beendet zu haben. Bei der aufgebrachten Menge, die am Mittwoch beinahe das Büro der Wahlkommission gestürmte hatte, habe es sich um angestellte Wahlhelfer der Republikaner gehandelt, sagte der Demokratische Kongress-Abgeordnete Peter Deutsch am Freitag. Sie hätten die Kommission so eingeschüchtert, dass sie anschließend die Zählung eingestellt habe.

Die "New York Times" zitierte ein Mitglied der Kommission, das bestätigte, die Demonstranten hätten eine wichtige Rolle bei ihrer Entscheidung gespielt. Auch vor den Auszählungsorten in den Bezirken Broward und Palm Beach demonstrierten am Freitag lautstark Anhänger von Bush.

Der republikanische Vizepräsidentenkandidat Richard Cheney ist zwei Tage nach einem leichten Herzinfarkt wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er nehme das Wochenende auf Anraten der Ärzte frei, werde in der kommenden Woche aber wieder voll arbeiten, sagte der 59- Jährige am Freitag. Die Ärzte hätten ihm keinerlei Arbeitsbeschränkungen auferlegt. Das gelte ausdrücklich auch für den Fall, dass zum Vizepräsidenten gewählt werden sollte.

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