Kein Euro bei Vorrunden-Aus
DFB lässt bei WM-Prämien Vernunft walten

In ihren Klubs durch die Bank Spitzenverdiener, bei der Nationalmannschaft im internationalen Vergleich höchstens Mittelmaß: Zumindest was die Prämienregelung für die anstehende Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea betrifft, üben sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und seine Nationalspieler einigermaßen in Bescheidenheit.

sid STUTTGART. Im Falle eines Titelgewinnes würde der Verband seinen Profis jeweils 92 000 Euro auf das Konto überweisen. Sollte die Mannschaft von DFB-Teamchef Rudi Völler schon nach der Vorrunde wieder die Heimreise antreten müssen, würden die Bundesliga-Millionäre im Gegensatz zu den meisten anderen WM-Teams total leer ausgehen.

"Bei uns steht das Leistungsprinzip im Vordergrund", erläuterte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der bereits im Vorfeld des WM-Turniers die finanziellen Modalitäten in Absprache mit dem Spielerrat um Oliver Kahn und Oliver Bierhoff abgeklärt hatte. "Die Gespräche fanden in äußerst harmonischer und sachlicher Atmosphäre statt", lobte "MV" den Realitätssinn der DFB-Stars, von denen einige schon beim EM-Triumph 1996 in England dabei waren. Vor sechs Jahren kassierten EM Bierhoff und Co. -Held pro Kopf umgerechnet 52 000 Euro für den Titelgewinn. Beim Titelgewinn 1990 kam der heutige Teamchef Rudi Völler als Spieler ebenso wie seine Kollegen auf 63 000 Euro.

25 560 Euro beim Überstehen der Vorrunde

Sollte Völler mit seinem Team die Vorrunde gegen Kamerun, Saudi-Arabien und Irland überstehen, gäbe es pro Kopf 25 560 Euro. Das Viertelfinale (35 800) und das Halbfinale (61 400) würde sich bei den Spielern entsprechend besser auf dem Konto zu Buche schlagen. Die Finalteilnahme würde vom DFB, der 1998 in Frankreich für den Titelgewinn 86 660 Euro ausgelobt hatte, mit 71 600 Euro entlohnt.

"Bei uns regiert die Vernunft. Zudem ist das ja nicht gerade ein Pappenstiel, was die Spieler verdienen können", sagt der für die Nationalmannschaft zuständige DFB-Direktor Bernd Pfaff, der ohne Namen zu nennen hinzufügt: "Wir werden nicht den Fehler machen, mehr Geld auszugeben als wir in der Kasse haben."

Um das wirtschaftliche Riskio im Falle eines Titelgewinns zu minimieren, hat der Verband sogar überlegt, sich bei der Albingia gegen den Erfolg versichern zu lassen. "Wir haben angefragt, aber vom Versicherer noch keine konkrete Antwort. Das könnte auch zu einem Roulettespiel werden. Denn auf einmal sind die anfallenden Versicherungsprämien höher als unsere Ausgaben", gab Pfaff zu Bedenken.

Zurückhaltender DFB

Im Vergleich zu anderen WM-Teilnehmern übt der DFB auf jeden Fall Zurückhaltung. Vor allem die Russen haben die Prämienschraube kräftig angedreht. Während der DFB für den Titelgewinn in Fernost insgesamt 2,17 Mill. Euro ausschütten würde, zahlt der russische Verband im Falle des ersten Titelgewinns für seine Nationalmannschaft mit 4,9 Mill. Euro mehr als das Doppelte.

"Unsere Spieler sollen sich nur auf den Fußball konzentrieren und nicht auch noch auf wirtschaftliche Dinge", begründete Russlands Verbandschef Wjatscheslaw Koloskow die großzügige Regelung. In die Vollen gehen auch die Spieler von Weltmeister Frankreich, die in den Verhandlungen mit dem Verband diese Woche eine Verdoppelung der Prämien von 1998 verlangten. Der Triumph im eigenen Land hatten Zidane und Co. vor vier Jahren immerhin schon die erkleckliche Summe von umgerechnet 375 000 Euro eingebracht. WM-Gastgeber Japan würde allein für das Erreichen des Achtelfinales jedem seiner Spieler 86 000 Euro zukommen lassen. Ob mit diesem finanziellen Anreiz aber wie geplant verhindert wird, dass die Japaner als erster Gastgeber überhaupt in einer WM-Vorrunde scheitern, bleibt abzuwarten.

Italien und Belgien spendabel

Besser als den deutschen Profis ginge es auch den Schalker Bundesligaakteuren Emile Mpenza und Marc Wilmots mit der belgischen Nationalelf. Für den Titelgewinn würde jeder "Rote Teufel" 175 000 Euro einstreichen. Und auch die Italiener, Engländer und Spanier, bei denen noch keine Prämienregelung festgelegt wurde, werden den Deutschen in dieser Angelegenheit voraus sein.

250 000 Euro für den Titel sind zumindest bei den Italienern angedacht. Darüber können die US-Boys nur lachen. Sollten sie mit sieben Siegen bis zum Titelgewinn durchmarschieren, müsste der US-Verband pro Akteur rund 500 000 Euro ausschütten.

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