Kein freies Internet
Rogge schweigt, Peking beharrt auf Zensur

Die Billigung der chinesischen Internetzensur durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat zu einem Zerwürfnis unter den "Herren der Ringe" geführt. Sportfunktionären, Journalisten und Menschenrechtsgruppen kritisierten das Komitee heftig.

HB PEKING. Die Blockade chinakritischer Inhalte, die gegen bisherigen Zusagen über freie Berichterstattung von den Olympischen Spielen in Peking verstößt, löste am Donnrstag erneut heftige Kritik von Sportfunktionären, Journalisten und Menschenrechtsgruppen aus. Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, forderte IOC-Präsident Jacques Rogge auf, ein "deutliches Wort" mit den Olympia-Organisatoren zu reden.

Allerdings könnte der IOC-Präsident selbst die Internetzensur abgesegnet haben, wie der Chef der IOC-Pressekommission, Kevan Gosper, in Peking andeutete. Es würde ihn wundern, wenn jemand diese Wende vollzogen habe, ohne Rogge "zumindest zu informieren", sagte Gosper. Dass sich die Regeln für die 25 000 Journalisten geändert hätten, will der Australier erst jetzt in Peking erfahren haben. "Das muss sich auf eine Übereinkunft beziehen, an der ich keinen Anteil hatte", sagte Gosper. Die Entscheidung müsse auf "hoher Ebene" getroffen worden sein, sagte Gosper. Er fühle sich im IOC "ein bisschen isoliert".

Rogge selbst, der noch vor zwei Wochen "unzensierten" Zugang zum Internet versprochen hatte, verweigerte am Donnerstag bei seiner Ankunft in Peking jeden Kommentar. Der IOC-Präsident sah sich Forderungen konfrontiert, die Zensur rückgängig zu machen. Der deutsche Chef de Mission, Vesper, sagte im ZDF-Morgenmagazin: "Natürlich gehört zur Pressefreiheit auch die freie Recherchemöglichkeit. Und zu einer freien Recherche gehört heute auch der Zugang zum Internet. Deswegen muss das gewährleistet sein." Es sei Sache des IOC, dies mit den Pekinger Organisatoren zu regeln. "Ich vertraue darauf, dass Jacques Rogge mit den Organisatoren noch mal deutliche Worte finden wird."

Doch die bleiben bei ihrer harten Linie. Gesperrte Webseiten seien nicht zugänglich, weil sie gegen chinesische Gesetze verstießen, sagte Sun Weide, Sprecher des Organisationskomitees Bocog. "Ich hoffe, dass die Presse die Regelungen der chinesischen Gesetze respektiert." Liu Chinhao, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, sagte: "Wir sind entschlossen, die Maßnahmen anzuwenden und die Regularien effektiv umzusetzen."

Einem Affront durch die Organisatoren sehen sich unterdessen auch die deutschen Beachvolleyballer ausgesetzt. Das seit mehr als einem Jahr geplante Trainingslager der vier Teams wurde vom Bocog plötzlich verboten, weil "Sicherheit und dopingfreies Essen" nicht garantiert werden könnten. Der Deutsche Volleyball-Verband hatte für knapp 10 000 Euro eine Anlage im Hongfu Garden-Park im Norden Pekings bauen lassen, um eine ideale Vorbereitung zu ermöglichen. Statt der vorgesehenen Unterkunft im dortigen Hotel mussten die Duos jedoch gleich nach ihrer Ankunft am Dienstag ins olympische Dorf ziehen.

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