Kein Freifahrtschein von Trainer Toppmöller
Jörg Butt: Vom Rückhalt zum Flattermann

In der vergangenen Saison als großer Rückhalt gefeiert, wird Bayer Leverkusens Torwart Jörg Butt nach dem katastrophalen Fehlstart nun als Flattermann abgestempelt. "Ich finde die Kritik nicht gerecht, weil nicht ein Einzelner für alles verantwortlich sein kann", wehrt sich der 28-Jährige gegen die verbalen Scharfschüsse der letzten Tage.

HB ATHEN. So unkte Ex-Meistertrainer Udo Lattek angesichts der ungewöhnlichen Schwäche der Bayer-Abwehr: "Es kann auch sein, dass Butt die Mannschaft angesteckt hat."

Selbst Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller, der ihn einst als besten spielenden Torwart Europas gelobt hat, geht auf Distanz zu seiner bisher unumstrittenen Nummer 1. Statt Spekulationen um einen eventuelle Nichtberücksichtigung von Butt im ersten Champions-League- Spiel bei Olympiakos Piräus am Mittwoch entgegen zu treten, sagte er nur: "Es ist keine Frage, dass auch diese Position in Frage gestellt wird." Nach dem Bundesliga-Auftakt bei Energie Cottbus (1:1) hatte Toppmöller seinen "Schüler-Torwart" ungewohnt hart kritisiert. "Dies hat er wieder zurückgenommen, das ist ausgeräumt", stellte Butt klar.

Immerhin war der Ex-Hamburger in der vergangenen Spielzeit eine Säule des Erfolges, stand stets zwischen den Pfosten und trug dazu bei, dass Bayer ins Champions-League- und DFB-Pokalfinale einzog sowie Vizemeister wurde. Der Lohn: DFB-Teamchef Rudi Völler nahm ihn mit zur Weltmeisterschaft nach Japan und Südkorea.

Tatsächlich aber ist nicht zu übersehen, dass Butt jene Souveränität zurzeit abhanden gekommen ist, die ihn ausgezeichnet hatte. Eine von Sat.1 ermittelte Statistik der ersten fünf Bundesliga-Spiele belegt dies: Danach hat Schalkes Schlussmann Frank Rost, den Butt im WM-Rennen noch ausstach, 87 % aller Bälle abgewehrt. Oliver Kahn von Bayern München gelang dies in 83 % der Fälle, dem Dortmunder Jens Lehmann in 77 und Butt gar nur in 63. Dies könnte die Chance für den gebürtigen Australier Frank Juric werden, der bereits im ersten DFB-Pokalspiel bei Rot-Weiß Essen (1:0) zwischen den Pfosten stand.

Plötzlich werden Butt aber nicht nur die Fehler der Gegenwart vorgehalten, sondern auch nach Fehlgriffen der Vergangenheit gekramt: Hätte er nicht das 0:1 im Champions-League-Endspiel im Mai gegen Real Madrid (1:2) verhindern können? "Das ist eine Ewigkeit her", stöhnt Butt, der momentan nach allen Seiten parieren muss. So wurde kolportiert, dass er die Hilfe eines Kölner Psychologen suche, um aus dem mentalen Tief zu kommen. Butt: "Das ist Blödsinn."

Rückendeckung erhält der "Gentleman im Tor" indes von Teamkollegen und sogar Reiner Calmund. "Er muss mit der Kritik leben. Ganz fair ist sie aber nicht", meinte der Bayer-Manager. "Jetzt müssen wir ihn aufbauen und nicht auf ihn draufschlagen", verteidigt auch Interimskapitän Carsten Ramelow den angeschlagenen Schlussmann. Sogar der verletzte Bayer-Abwehrchef Jens Nowotny gab laut "Kölner Express" (Mittwoch-Ausgabe) Butt telefonisch Schützenhilfe. "Er war letztes Jahr ein Garant für unsere Erfolge und wurde in den letzten Spielen im Stich gelassen", sagte Nowotny. Ihn in der jetzigen Situation zu demontieren, mache "keinen Sinn".

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