Kein Geld für die Sperre
Dieter Baumann erhält keinen Schadensersatz

Olympiasieger Dieter Baumann hat bei seinem Gerichts-Marathon gegen den Leichtathletik-Weltverband IAAF eine empfindliche Niederlage hinnehmen müssen.

dpa STUTTGART. Die 17. Zivilkammer des Landgerichts Stuttgart wies am Dienstag die Klage des Langstreckenläufers aus Tübingen auf 346 656 Euro Schadensersatz für seine zweijährige Dopingsperre ab. Baumann selbst war bei der Urteilsverkündung durch den Vorsitzenden Richter Werner Müller nicht anwesend. Sein Anwalt Michael Lehner (Heidelberg) kündigte an, dass er Berufung beim Oberlandesgericht einlegen werde.

"Das Urteil entspricht unseren Erwartungen. Die Geschichte war von Anfang an ganz klar", kommentierte IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai in Monte Carlo die Entscheidung nach zwei Verhandlungstagen am 18. September 2001 und am 7. März dieses Jahres. "Wir würden es lieber sehen, wenn sich Dieter auf den Sport konzentriert." Der Ungar betonte auch: "Wir hätten erwartet, dass die Geschichte zu Ende ist, nachdem die IAAF die Verlängerung der Sperre zurückgenommen hat." Ausdrücklich wies Richter Müller darauf hin, dass mit dem Urteil nicht "die zentrale Streitfrage eines Verschuldens des Klägers" in der "Zahnpasta-Affäre" geklärt sei. "Es bleibt weiterhin objektiv offen, ob der Kläger schuldbeladener Dopingtäter oder schuldloses Opfer eines Dopinganschlages ist", so Müller in einer schriftlichen Erklärung.

Der 37 Jahre alte Baumann war vom Rechtsausschuss des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) frei gesprochen worden, das IAAF- Schiedsgericht hatte ihn jedoch für zwei Jahre gesperrt und somit auch von den Olympischen Spielen 2000 in Sydney ausgeschlossen. Dieser Bann wurde nach Baumanns Start bei den deutschen Hallenmeisterschaften 2001 erneut neu angesetzt. Im November hatte die IAAF die "Verlängerung" der Sperre jedoch wieder aufgehoben.

Nach Ansicht des Landesgerichts hat sich der Ex-Europameister über die von ihm unterzeichnete Athletenvereinbarung des DLV dem Regelwerk der IAAF unterworfen. Die Rechtsstandpunkte Baumanns sah Müller als "insgesamt unbegründet" an. Trotzdem hofft Lehner nun auf die nächste Instanz. "Das Verfahren wird uns noch Jahre beschäftigen", prophezeite Baumanns Rechtsbeistand.

Sein Mandant trainiert derzeit in Italien: Beim European 10 000-m- Challange am Samstag in Camaiore will der deutsche Rekordhalter die Norm (28:10 Minuten) für die Europameisterschaften im August in München laufen. Zudem wagt sich der Schwabe am 21. April in Hamburg an seinen ersten Marathon.

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