Kein Geld, keine Top-Piloten
Motorrad-Rennsport in der Sackgasse

Der deutsche Motorrad-Rennsport befindet sich in der Sackgasse. Im japanischen Suzuka gehören am kommenden Sonntag zur Eröffnung der Grand-Prix-Saison nur vier deutsche Piloten zum Starterfeld.

dpa SUZUKA / LEIPZIG. Wenn am Sonntag im japanischen Suzuka die Grand-Prix-Saison eröffnet wird, gehören nur vier deutsche Piloten zum Starterfeld in den Klassen bis 125 ccm, 250 ccm und der neuen MotoGP-Kategorie, die mit einem Hubraum-Maximum von 999 ccm die bisherige Halbliterklasse als "Königsklasse" ablöst. Doch das Häufchen Unentwegter wird wohl auch in diesem Jahr kaum über die Statistenrolle hinaus kommen. In dem Land, das Weltmeister wie Anton Mang, Dieter Braun oder Dirk Raudies hervor brachte und über Jahre hinweg die WM-Szene mitbestimmte, fehlt es an Geld für die Zweirad- Asse. Und ohne die finanziellen Voraussetzungen können sich auch keine talentierten Rennfahrer zu Top-Piloten entwickeln.

"Dem deutschen Grand-Prix-Sport fehlt ein Martin-Schmitt-Effekt. Wenn der Ralf Waldmann 1997 den WM-Titel geholt hätte, sähe alles viel besser aus. So aber fehlt einfach der große Wurf, der die Wirtschaft wieder auf uns aufmerksam macht", sagt Dieter Stappert, Chef vom Team Aprilia Germany. Auch der erfahrene Manager musste sich völlig neu orientieren. Mit dem Hohenstein-Ernstthaler Dirk Heidolf bringt er einen Debütanten an den Start des 250-ccm-Feldes und weiß, dass Wunderdinge nicht zu erwarten sind: "Als Neuling muss er sich in jedem Rennen alles neu erarbeiten. Wir müssen Geduld haben".

Das unterstreicht auch Ralph Schindler, der mit seiner Lörracher Firma UGT 3000 Patron des italienischen Teams von Steve Jenkner (Hohenstein-Ernstthal) ist. "Heidolf wird drei Jahre brauchen, um vorn anzukommen. Der einzige, der in diesem Jahr noch den Karren aus dem Dreck ziehen kann, ist Steve. Wenn er es nicht packt, ziehen wir uns aus dem Geschäft zurück", betont der Schwabe, der den Glauben an den Sachsen nicht verloren hat. "Ich bin mir fast sicher, dass er permanent vorn dabei sein wird, wenn er die Ellenbogen ausfährt." Er setzt dem 125-ccm-Aprilia-Piloten noch einmal die Pistole auf die Brust: Verdienen kann Jenkner nur, wenn er unter den besten Zehn landet, wobei Podest-Platzierungen wie die zwei dritten Ränge im vorigen Jahr gutes Geld einbringen. Und noch eine zusätzliche Motivation hält Schindler für den WM-Elften des Vorjahres bereit: Kommt Jenkner mindestens als WM-Vierter von den Rennen aus Suzuka und Welkom (Südafrika) zum ersten Europa-Grand-Prix nach Jerez am 5. Mai, steht dort ein zweites einsatzfähiges Motorrad.

Mit Jenkner starten zwei andere Deutsche in der Achtelliterklasse: Jarno Müller (Limbach-Oberfrohna) und Klaus Nöhles (Nettetal). Beide fahren für das PEV Spalt ADAC Sachsen-Team. Während Müller nach seiner Debüt-Saison voller Pannen und Verletzungen nun Kontinuität anbieten will, ist der Umstieg auf die kleine Honda für Nöhles ein Neuanfang. Im Vorjahr wurde er nach mäßigen Leistungen als Aprilia-Werksfahrer vor den vier abschließenden Übersee-Rennen ausgebootet.

Spekulationen ranken sich um den Einstieg des sächsischen MZ-Teams in die neue "Königsklasse". Als Zugpferd hat der Zschopauer Hersteller schon Ralf Waldmann aus Ennepetal, das Idol der deutschen Motorrad-Fans, verpflichtet. Doch noch ist nicht sicher, ob MZ tatsächlich bis zum WM-Lauf im niederländischen Assen im Juni die neue Maschine fertig hat. Teamchef Jürgen Zürn verkündete zwar, im April mit ersten Tests zu beginnen, doch Insider sind eher skeptisch. Wunderdinge darf man von der MZ und Waldmann ohnehin nicht erwarten: Der Vorsprung, den Honda mit Superstar Valentino Rossi (Italien) vor allen Mitbewerbern hat, dürfte auf Jahre hinaus nicht einholbar sein.

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