Kein Grund für Zweifel
Finanzministerium hält zu Sommer

Die Bundesregierung hat sich erneut hinter den in der Kritik stehenden Telekom-Chef Ron Sommer gestellt. Es werde aber erwartet, dass der Telekom-Aufsichtsrat prüfe, ob Konsequenzen bei dem Unternehmen notwendig seien, sagte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering.

Reuters BERLIN. "Es gibt überhaupt keinen Grund, an der Person von Ron Sommer zu zweifeln", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Montag. An der Haltung des Ministeriums habe sich insofern nichts geändert. Berichte, in denen über angebliche Überlegungen in der Bundesregierung über eine Ablösung von Sommer gemutmaßt werde, seien "Spekulationen". Ron Sommer steht seit 1995 an der Spitze der Telekom. Der Bund hält rund 43 % an dem ehemaligen Staatsunternehmen und ist damit größter Aktionär.

Bereits am Wochenende hatte Telekom-Sprecher Jürgen Kindervater gesagt, die Telekom habe keinerlei Hinweise aus der Regierung, wonach eine Ablösung geplant sei. "Das ist immer vor den Wahlen ein jedes Mal wiederkehrendes Gerücht, das wir auch als solches einstufen." Seit Beginn des Kursverfalls der T-Aktie vor rund zwei Jahren hatte es mehrfach Spekulationen um eine angebliche Ablösung des Firmenchefs gegeben.

Am Wochenende hatte das Magazin "Focus" unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, die Regierung wolle Sommer noch vor der Bundestagswahl im September gegen eine Manager wie den Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp auswechseln. Bei dem Autohersteller hieß es dazu, Schrempp habe mit Sicherheit nicht vor, zur Telekom zu wechseln. Die "Berliner Zeitung" berichtete, vor allem die Dresdner Bank als Hausbank der Telekom übe Druck auf die Regierung aus. So habe unlängst der ehemalige Dresdner-Bank-Chef Bernhard Walter, der im Telekom-Aufsichtsrat sitze, beim Finanzstaatssekretär Manfred Overhaus auf die Empörung im Aufsichtsrat über die mangelhafte Information des Kontrollgremiums über die Schieflage der Telekom hingewiesen. Walters Klagen bezögen sich auf die überhöhte Bewertung von Immobilien in der Telekom-Bilanz, die Wertberichtigungen von bis zu fünf Mrd. ? notwendig machen würden. Zudem bahnten sich im Zusammenhang mit der vor wenigen Jahren übernommenen US-Telefongesellschaft VoiceStream weitere Wertberichtigungen von 15 bis 20 Mrd. ? an, berichtete die Zeitung.

Regierungssprecherin Charima Reinhardt sagte am Montag, es gebe keinen Grund für Spekulationen um eine Ablösung Sommers. Für Personalentscheidungen sei im übrigen der Aufsichtsrat der Telekom zuständig. Bereits zuvor hatte ein Regierungssprecher gesagt, es sei die Sache des Aufsichtsrates und nicht von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), über Personalien bei der Telekom zu entscheiden. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sagte, man erwarte, dass der Aufsichtsrat der Telekom wenn nötig in die Unternehmensgeschicke eingreife. Die SPD verfolge insbesondere mit Blick auf die zahlreichen Kleinaktionäre der Telekom den Kursverfall der Aktie mit Sorge. Dies lasse sich aber nicht an einer einzelnen Person festmachen.

Der Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) hatte Schröder zuvor zu einem entschiedeneren Eingreifen bei der Telekom aufgefordert. "Die Aktien gehen um 90 % zurück, und auf der anderen Seite werden die Gehälter um 90 % erhöht", sagte Stoiber in einem am Donnerstag geführten und am Montag in der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Streitgespräch mit Schröder. Der Kanzler warf Stoiber indes vor, sich bei enttäuschten Kleinanlegern "einschmeicheln" zu wollen. Schröder sagte, die T-Aktie leide unter einer Schwäche, von der alle Telekom-Firmen betroffen seien. Für die Gehälter der Vorstände sei im übrigen allein der Telekom-Aufsichtsrat zuständig. Angesichts des Kursverfalls der T-Aktie hat es wiederholt Gerüchte über eine mögliche Entlassung Sommers gegeben. Die Papiere waren von einem Höchststand von knapp 105 ? im März 2000 in der vergangenen Woche auf ein Allzeittief von 8,14 ? gefallen. Am Montag notierten die Papiere unverändert zum Freitag bei 10,80 ?. Nach Angaben von Experten ist der gefallene Aktienkurs vor allem auf die weltweite Schwäche von Telekom-Firmen an den Börsen zurück zu führen. Daneben gebe es aber auch hausgemachte Probleme wie die zu hohe Bewertung von Immobilien. Zudem seien Geschäfte wie der Kauf von Voicestream und der UMTS-Lizenz aus heutiger Sicht zu teuer gewesen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%