Kein Hinweis auf Saddam
DNA-Tests nach US-Angriff

Die USA haben nach Angaben von Regierungsbeamten bisher keinerlei Hinweise darauf, dass sich der gestürzte irakische Machthaber Saddam Hussein in einem von US-Soldaten angegriffenen Fahrzeugkonvoi befunden hat. Endgültige Klarheit über die Identität solle durch DNA-Tests geschaffen werden, zitierten US-Medien am Montag die Beamten.

HB/dpa WASHINGTON. Die Autokolonne war am Mittwoch vergangener Woche bei Kaim nahe der syrischen Grenze von einer amerikanischen Spezialeinheit aus der Luft und am Boden attackiert worden. Der Londoner "Observer" hatte am Sonntag berichtet, der Angriff sei auf Grund geheimdienstlicher Informationen erfolgt, nach denen sich Saddam und möglicherweise auch seine Söhne Udai und Kusai im Konvoi befinden könnten. Den von verschiedenen US-Medien am Montag zitierten Regierungsbeamten zufolge gab es jedoch keine derartigen "spezifischen" Hinweise auf eine bestimmte Person.

Wie es aber hieß, handelten die USA auf der Basis von geheimdienstlichen Informationen, die bei der Festnahme des engen Saddam-Vertrauten Abid Hamid Mahmud el-Tikriti am Montag vergangener Woche gewonnen worden seien. Die "New York Times" hatte am Wochenende unter Berufung auf das Pentagon über Aussagen des Ex- Privatsekretärs in Verhören mit US-Ermittlern berichtet, nach denen Saddam und dessen Söhne den Krieg überlebt hätten und sich im Irak versteckt hielten.

Ungeklärt blieb zunächst, ob die USA, wenn auch nicht unbedingt Saddam, so doch andere hochrangige ehemalige Mitglieder in dem Konvoi vermutet haben. Dazu gab es am Montag widersprüchliche Äußerungen. Wie der US-Sender CNN darüber hinaus meldete, kam es im Zuge der US-Aktion gegen den Konvoi zu einem Gefecht mit syrischen Grenzsoldaten. Der Konvoi sei nahe eines Grenzübergangs angegriffen worden. Eine Person und ein Fahrzeug hätten versucht, nach Syrien zu entkommen. Beim Versuch sie zu stoppen seien US-Soldaten von syrischen Grenzern beschossen worden und hätten das Feuer erwidert.

Im Irak gab es am Montag zum dritten Mal innerhalb von zehn Tagen eine Explosion an einer Pipeline. Nach Angaben des Ölministeriums handelte es sich vermutlich um einen neuen Sabotageakt. Am Wochenende hatten Unbekannte eine Gasleitung nahe der Stadt Hit beschädigt. Bereits Mitte Juni war eine in die Türkei führende Ölpipeline in der Nähe der nordirakischen Stadt Mosul zum Ziel eines Angegriffes geworden.

Die US-Zivilverwaltung im Irak will innerhalb eines Jahres neue irakische Streitkräfte für die Überwachung der Außengrenzen und Sicherungsaufgaben im Land aufbauen. Zunächst werde eine Division mit 12 000 Soldaten und Offizieren aufgestellt, sagte der Chefberater für Sicherheitsfragen in der US-Zivilverwaltung, Walter Slocombe, am Montag in Bagdad. Die neue irakische Armee (NIA) stehe auch früheren Offizieren der Truppen des gestürzten Machthabers Saddam Hussein offen, sofern sie nicht führende Parteifunktionen bekleidet oder sich Verbrechen schuldig gemacht hätten.

Die ersten Divisionen seien als leichte Infanterie geplant, sagte Slocombe. Binnen drei Jahren solle es drei Divisionen mit insgesamt etwa 40 000 Mann geben. Weil die neuen Streitkräfte aber wesentlich kleiner als die Armee Saddam Husseins sein würden, könne nur ein kleiner Teil der Offiziere beschäftigt werden. Die Rekrutierung solle in der kommenden Woche beginnen.

Er kündigte zugleich Zahlungen an Hunderttausende entlassener Berufsmilitärs und Wehrpflichtiger an, nachdem es in Bagdad schwere Ausschreitungen bei Demonstrationen gegeben hatte. US-Soldaten hatten das Feuer auf frühere irakische Soldaten eröffnet und mehrere tödlich getroffen. Jetzt soll es Soldfortzahlungen an etwa 200 000 ehemalige Berufssoldaten und einmalige Beträge für etwa 300 000 Wehrpflichtige und Reservisten geben.

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