Kein Interesse an „Börse Online“
Burda rechnet erst 2004 mit Erholung

Auch am Verlagshaus Hubert Burda Media ("Focus", "Bunte", "Elle") geht die allgemeine Werbekrise nicht vorüber: "Das operative Konzernergebnis ist zurückgegangen", räumt Jürgen Todenhöfer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Burda, während der Präsentation des Verlagsgeschäftsjahres 2002 ein. "Wir sind aber auch diesmal nicht in den roten Zahlen, sondern im gesunden schwarzen Bereich", sagt Todenhöfer. Konkretere Angaben zum Ergebnis gibt es nicht über den Verlag, dessen Anteile bei der Familie Burda liegen.

MÜNCHEN. Beim Umsatz hat das Verlagshaus dagegen leicht zulegen können: Burda setzte mit 1,4 Mrd. Euro 0,6 % mehr um als noch 2001. Burda hatte im vergangenen Jahr das ostdeutsche Verbrauchermagazin "Guter Rat" von der WAZ-Gruppe übernommen und konnte so beim Gesamtumsatz wachsen. Der Frauen-Titel "Freizeit Revue" erzielte nach Burda-Angaben einen zweistelligen Millionen-Gewinn, und ist damit vor "Focus" und "Bunte" das profitabelste Burda-Objekt. Für das laufende Jahr rechnet der Verlag mit leichtem Umsatzwachstum und einem stabilen Ergebnis. 71 % des Umsatzes erwirtschaftet Burda mit Zeitschriften, den Rest mit Druckaufträgen, Direktmarketing und Zeitungen.

Das Anzeigengeschäft sei in diesem Jahr dagegen weiter "breit rückläufig", sagt Todenhöfer. Voraussichtlich würden die Brutto-Werbeerlöse noch einmal um 7,5 % zurückgehen. "Ich hoffe, dass die Einbrüche im Anzeigenmarkt 2004 vorbei sind", sagt der Burda-Vizechef. Noch zu Beginn dieses Jahres hatten die meisten deutschen Verlagsmanager auf eine rasche Erholung ab dem Sommer gesetzt. Burda hatte im vergangenen Jahr mit einem Brutto-Werbeumsatz von 527 Mill. Euro hinter dem Bertelsmann-Verlag Gruner + Jahr den zweitgrößten Anteil am deutschen Anzeigenmarkt. Allerdings büßte das Verlagshaus 8 % gegenüber dem Vorjahr ein. Damit liegen die Burda-Zeitschriften etwas schlechter als der Marktdurchschnitt. Für alle Publikumszeitschriften gingen vergangenes Jahr die Werbeeinnahmen um 7,2 % zurück.

Ein klares Bekenntnis liefert Todenhöfer, der dem Vorstandschef Hubert Burda schon seit der Schulzeit verbunden ist, zum Wirtschaftsmagazin "Focus Money". "Wir werden nicht aufgeben", sagt Todenhöfer, "der Bereich Wirtschaft ist wichtig für uns." Der Titel habe im letzten Jahr den "besten Ergebnissprung" aller Burda-Titel vorgewiesen - trotzdem schreibt "Focus Money" nach wie vor Verluste. Es sei unklar, wann das Magazin mit einer Auflage von 138 000 Exemplaren die Gewinn-Zone erreiche. Laut der Anzeigenstatistik der Verlagsbranche, ZAS, hat der Wirtschaftstitel im ersten Quartal über 15 % weniger Anzeigenseiten verbucht als im Vorjahr. Damit konnte sich "Focus Money" allerdings besser schlagen als das Magazin "Börse Online" von Gruner + Jahr, das im ersten Quartal über 38 % weniger Anzeigenseiten hatte.

An einem möglichen Erwerb des G + J-Konkurrenztitels habe Burda "kein Interesse", sagt Paul-Bernhard Kallen, Vorstand Technologie und Treasury. Wohl aber an einer Übernahme der Abonnements, sollte G + J den Titel aufgeben. In der Branche wird über die Zukunft von "Börse Online" spekuliert, nachdem G + J das Heft von der Teilnahme an der Media-Analyse zur Erhebung von Anzeigenpreisen ausgeschlossen hatte.

Im Werbemarkt feilt Burda jetzt an "Gesamtpaketen" für die Werbekundschaft, die neben den klassischen Anzeigen Angebote für das Internet und für Veranstaltungen beinhalten, sagt Todenhöfer. Besonders das bei den Lesern beliebte Magazin "Bunte" arbeitet an neuen Werbekonzepten. "Die Verlage werden in der Krise flexibler im Umgang mit den Werbekunden", urteilt Alexander Schmidt-Vogel, CEO der Mediaagentur Mediacom Worldwide. Allerdings werde der Verteilungskampf um die Werbeetats zwischen Printmedien, TV und neuen Medien in Zukunft weiter zunehmen.

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