Kein Interesse an einer Riesenfusion
Roche rechnet mit deutlichem Umsatzwachstum

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres seinen Umsatz um fünf Prozent gesteigert. Damit blieb der Konzern jedoch nur am unteren Rand der Markterwartungen.

reuters ZÜRICH. Der Pharmakonzern Roche rechnet im Jahresverlauf mit einem Anziehen der Pharmaverkäufe. Insbesondere im zweiten Halbjahr sollte sich das Wachstum im diesem Bereich, in dem Roche zwei Drittel des Konzernumsatzes erzielt, beschleunigen, sagte Konzernchef Franz Humer. Im ersten Quartal blieb Roche mit einem Umsatzanstieg von fünf Prozent in Franken und sechs Prozent in lokalen Währungen auf 7,366 Milliarden Schweizer Franken am unteren Rand der Markterwartungen.

Auch im Bereich Pharma erhöhte sich der Umsatz um fünf Prozent in Franken und sechs Prozent in lokalen Währungen auf 4,714 Milliarden Schweizer Franken. In den Bereichen Vitamine und Feinchemikalien seien die Verkäufe allerdings um drei Prozent gesunken. Ende Februar hatte Roche angekündigt, dass für beide Bereiche eine "Lösung außerhalb von Roche" gefunden werden soll.

Umsatzplus im mittleren bis hohen einstelligen Bereich erwartet

Für 2002 rechnet Roche im Konzern aber weiterhin mit einem Umsatzplus im mittleren bis hohen einstelligen Bereich sowie einer leichten Margenverbesserung bei Betriebsgewinn (EBIT) und EBITDA. Diese Prognose hatte Roche schon im Februar vorgelegt.

Auch für die Pharmadivision geht Roche weiter von einem mittleren einstelligen Verkaufswachstum und stabilen EBIT- und EBITDA-Margen aus. Die Finanzerträge dürften aber deutlich unter jenen von 2001 liegen. Für die ersten drei Monate waren Analysten von einem Konzernumsatz zwischen 7,35 und 7,59 Milliarden Schweizer Franken ausgegangen. An der Börse gaben Roche dann auch nach; die Genussscheine sanken bis gegen 11.40 Uhr 1,4 Prozent auf 125 Schweizer Franken.

"Auf den ersten Blick würde ich sagen, das ist etwas enttäuschend," sagte Eric Bernhardt, Fondsmanager bei der Clariden Bank. Die Bank sei von einem hohen einstelligen Umsatzplus von rund neun Prozent in der Pharmadivision ausgegangen. Vor allem der 17-prozentige Verkaufsrückgang beim Schlankheitsmedikament Xenical habe negativ überrascht. "Nach dem schwachen Quartal, dem Ausblick und der Schwäche der Produktpipeline des Jahres 2003 sehen wir nur eine begrenztes Aufwärtspotenzial für die Roche-Titel," schrieb Julius Bär-Analystin Denise Anderson in einer Research-Note.

Laut Konzernchef Humer entsprach das Umsatzwachstum im ersten Quartal den Erwartungen des Unternehmens und der in Aussicht gestellten Entwicklung. Humer zeigte sich optimistisch, dass Roche bei Xenical im Gesamtjahr trotz des Einruchs im ersten Quartals stabile Verkäufe sehen werde. Er führte aus, dass Roche in den ersten drei Monaten keine Probleme mit Lagerbeständen bei Medikamenten gehabt habe, wie manche andere Pharmakonzerne. Im Gegenteil seien bei einigen Produkten die Bestände niedriger als normalerweise üblich.

Kein Interesse an einer Riesenfusion oder großen Akquisitionen

Humer bekräftigte erneut, dass Roche nicht an einem Zusammenschluss mit dem Basler Konkurrenten Novartis interessiert sei. Novartis hatte im Vorjahr ein Paket der Inhaberaktien vom Schweizer Bankier Martin Ebner erworben und hält nach eigenen Angaben 21,3 Prozent der Stimmrechte. Der "Bon" Roche war in der Vorwoche von den bisher erreichten Höchstständen deutlich zurückgefallen, nachdem die kontrollierenden Familien Hoffmann und Oeri einer Fusion mit Novartis eine Absage erteilt hatten. Ein Interesse am US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb, der im Markt nach dem jüngsten drastischen Kurverfall als Übernahmekandidat gehandelt wird, verneinte Humer. "Ich bleibe bei meiner ablehnenden Haltung gegenüber diesen Riesenfusionen oder Akquisitionen, weil ich nicht glaube, dass sie langfristig Wettbewerbsvorteile oder Wert generieren," sagte er.

Mit den beiden Divisionen Pharma und Diagnostics und der geplanten Trennung vom Bereich Vitamine & Feinchemikalien sei Roche richtig positioniert. Die strategischen Optionen für den Vitamine-Bereich werden weiter geprüft. Laut Humer stehe sowohl ein Verkauf als auch eine Abspaltung im Rahmen eines Spin-offs an die bestehenden Aktionäre oder eines Börsengangs oder einer Kombinationen aus beidem zur Diskussion.

Roche rechnet weiterhin mit einer US-Zulassung seines Hepatitis-C-Medikaments Pegasys spät in diesem Jahr. In der EU wird die Marktzulassung von Pegasys, der einzigen grossen Neulancierung des Konzerns in 2002, nach einer Empfehlung des Arzneimittelausschusses CPMP Mitte des Jahres erwartet.

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