Kein Interesse an Übernahme des Deutschen Sportfernsehens
TF 1 kreist über den Resten von Kirch und Vivendi Universal

Der französische TV-Sender TF 1 will Kaufgelegenheiten bei Kirch Media und Vivendi Universal nicht verstreichen lassen. Doch Analysten trauen dem Fernsehkonzern das riskante Engagement in Deutschland kaum zu.

PARIS/DÜSSELDORF. Der börsennotierte französische Fernsehsender TF 1 S.A. hat Investmentbanken damit beauftragt, die Konditionen für die Übernahme von Teilen des Kirch-Imperiums in Erfahrung zu bringen. Doch stoßen diese Versuche auf einhellige Skepsis in Börsenkreisen. Eine Ausdehnung des bisher auf Frankreich konzentrierten Unternehmens verspreche kaum Synergien und sei finanziell nur schwer zu realisieren, äußerten Analysten in Paris Zweifel.

Außerdem habe die Gruppe auch Interesse an einem Einstieg bei der heimischen Canal Plus, unterstreichen Branchenanalysten. Zwar soll Europas größter Bezahlfernsehsender nach den Plänen des Sanierers der Vivendi Universal S.A., Jean-René Fourtou, nicht mitsamt allen Töchtern verkauft, sondern an die Börse gebracht werden. Doch eröffne gerade dies TF 1 die Möglichkeit, sich über einen längeren Zeitraum bei Canal Plus einzukaufen - das ginge dann wohl auf Kosten eines eher schwierigen Engagements bei Kirch. Das Urteil bei Dresdner Kleinwort Wasserstein ist jedenfalls klar: "TF 1 ist sicher kein Favorit für die Übernahme der Kirch-Firmen."

Allerdings: TF 1 ist über den Spartenkanal Eurosport wohl bereits über Frankreichs Grenzen hinaus engagiert. Der Nischensender mit einem Umsatz von 297 Mill. Euro (2001) wird in 18 Sprachen per Kabel und Satellit in Europa verbreitet. In Deutschland ist Eurosport bereits seit 13 Jahren auf Sendung. In den letzten Monaten gab es zudem bereits Kontakte zwischen dem Deutschen Sportfernsehen (DSF), Tochterunternehmen der insolventen Kirch Media, und dem in Unterföhring beheimateten Sender Eurosport. Die Gespräche verliefen jedoch ergebnislos, bestätigten beide Unternehmen. Andrea Ott, Chefin von Eurosport in Deutschland und der Schweiz, sagte dem Handelsblatt in Anspielung auf das defizitäre DSF denn auch: "Ich bezweifle, ob ein ausschließlich auf dem deutschen Markt ausgerichteter Sport-Sender überhaupt eine Chance hat."

TF1 mit Interesse an deutschem Markt

Auch für die Medienanalysten der Pariser Wertpapierbank Fideuram Wargny macht ein Kauf des DSF kaum Sinn, TF 1 sei mit seiner Beteiligung Eurosport ohnehin schon Nummer eins in Deutschland. Der Erwerb des DSF und seiner Sportrechte erscheine nur interessant, falls TF 1 auch bei der Kirch-Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 Media AG einsteige und diese dann außer mit eigenen Produktionen auch mit Sportprogrammen beliefere.

TF 1 hat grundsätzlich schon seit längerer Zeit ein Auge auf den deutschen Markt geworfen. Seit Monaten wird über einen Einstieg von bei Sport A, der Sportrechteagentur von ARD und ZDF, verhandelt. Für die Öffentlich-Rechtlichen wäre ein privater Partner eine ideale Lösung auf dem umkämpften Sportrechte- und Merchandisingmarkt. Doch die Franzosen zögerten, so lange der Kampf um das Kirch-Imperium noch nicht entschieden sei, heißt es in Verhandlungskreisen.

Wie Branchenkreise berichten, schauen sich derzeit TF 1-Vertreter in München zumindest schon mal die Bücher der insolventen Kirch Media an. Derzeit gibt es ein halbes dutzend Übernahmekonsortien, die sich für das Herzstück der Kirch-Gruppe interessieren. Darunter sind die beiden Printkonzerne Heinrich Bauer Verlag und Axel Springer Verlag, die Commerzbank und Sony (Columbia Tristar) sowie die beiden Kirch-Gesellschafter News Corp. und Mediaset.

Ein Einstieg bei Kirch würde den führende privaten Sender Frankreichs in jedem Fall arg strapazieren. TF 1 erzielte im vergangenen Jahr 2,2 Mrd. Euro Umsatz bei einem Betriebsgewinn von 375 Mill. Euro. TF 1 wird von der Börse mit 5,5 Mrd. Euro bewertet. "Ein Zukauf bei Kirch in der Größenordnung von rund 2 Mrd. Euro wäre nur mit einer Kapitalerhöhung machbar", heißt es bei Fideuram Wargny. "Das würde aber zu einer erheblichen Verwässerung bei den bestehenden Aktien führen."

Dann müsste der TF 1 Großaktionär, die Bau- und Telefongruppe Bouygues S.A., entweder seine Prioritäten in der Mobiltelefonie revidieren und bei einer Kapitalerhöhung mitziehen, oder seine Position von 41,7 % an der TV-Gruppe verlieren und damit deren Destabilisierung riskieren - TF 1 ist nämlich ansonsten in Streubesitz . Nebenbei zweifeln die Fideuram-Medienanalysten sogar daran, ob TF 1 überhaupt das nötige Format für einen Einstieg bei der Kirch Media mitbrächte. Fazit: "Es ist extrem unwahrscheinlich, dass TF 1 da den Zuschlag bekommt."

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%