Kein Job für Hubert Gorbach
„Hast a hack’n?“

Für Hubert Gorbach, ehemaliger österreichischer Vizekanzler, war es nur Kontaktpflege, für die Presse Englands und Österreichs hingegen ein gefundenes Fressen: In einem Brief an den britischen Finanzminister Darling, empfiehlt sich Gorbach offenbar für eine Stelle auf der Insel.

WIEN. Er ja Recht, dieser Hubert Gorbach, irgendwie. Der Vizekanzler der früheren österreichischen Regierung stellt mit einem Seufzer, der sich im Geschriebenen geradezu heraushören lässt, fest: "The world in Vorarlberg is too small."

Der Satz, der die Welt zwischen Bodensee und Tirol ziemlich treffend beschreibt, stammt aus einem Brief, in dem Gorbach seinem "longtime friend" Alistair Darling, dem britischen Finanzminister, sein Leid klagt. Er nennt ihn "Alistar", aber schön, vielleicht hat er seine Science Fiction Romane als Bub eben nicht ganz so gründlich gelesen. Dann aber fügt er in schönstem österreichischen Englisch hinzu, er sei "available anytime" für "any area of operation for myself". Der Brief der auf amtlichen Papier der Republik Österreich inklusive Bundesadler geschrieben ist, freut inzwischen die britische und österreichische Öffentlichkeit außerordentlich. Hat es doch den Anschein, als bewerbe sich da ein Mitglied der alten Regierung auf eine Weise, die vielleicht nicht bei jedem so ankommt.

Ganz abwegig ist der Gedanke nicht. Der abgewählte Vizekanzler und Verkehrsminister aus der Partei des politischen Amokläufers Jörg Haider hat vieles auf den Weg gebracht, was nie wirklich angekommen ist. Die Idee, dort wo Gorbach oft mit dem Dienstauto lang brauste, Tempo 160 auf der Autobahn einzuführen, erwies sich ebenso als Sackgasse, wie das Projekt "Licht am Tag", das vergangenen Monat endgültig ausgeknipst wurde. Durchgesetzt hat sich Gorbach dagegen mit seinem Wunsch, die hübsche "Miss Voralberg" als Dame in seinem Vizekanzlervorzimmer zu beschäftigen und die Bodenseeflotte preisgünstig an einen Vorarlberger Tourismusunternehmer zu verkaufen, bei dem er nach Ende seiner Amtszeit dann anheuerte. Der Job hielt aber nur ein paar Monate, dann hatte Gorbach weniger zu tun und begann, sich mit Briefeschreiben zu befassen.

Anderen Mitstreitern der abgewählten Regierung ist es nicht viel besser ergangen. Karl-Heinz Grasser zum Beispiel, ehemaliger Finanzminister, hatte lange gezögert, bevor er zu einer mit der Meinl-Bank verbundenen Firma wechselte. Die Entscheidung, die ihm wegen all der Angebote so schwer gefallen war, erweist sich inzwischen als Missgriff, weil Meinl Mittelpunkt eine Affäre geworden ist, die nun auch Grasser kein unbeschwertes Leben nach der Politik mehr führen lässt. Immerhin deponiert der ehemalige Finanzminister etwaige anderer Bewerbungen nicht auf dem Briefpapier der Republik und macht sie damit zu einem höchst Aufsehen erregenden Vorgang. "Darling erhält ein österreichisches Angebot, dem er widerstehen kann", hämt beispielsweise die britische Presse.

Gorbach, der Ex-Verkehrsminister macht nun eine seiner viel geübten Wenden und sagt, er habe sich gar nicht beworben, sondern nur Kontakpflege betrieben. In England allerdings nehmen sie ihm das nicht ab. Der ganze Brief, schreibt der britische Guardian, klinge als würde einer der Straßenarbeiter aus der Fernsehserie "Boys From the Blackstuff? fragen: "Hast a hack?n?"

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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