Kein Job-Wunder zu erwarten
Erste Gutscheine für Privat-Vermittlung ausgegeben

Mit der Ausgabe der ersten Gutscheine für private Arbeitsvermittlungen am Mittwoch hat die Bundesregierung private Job-Agenturen erstmals auf breiter Front ins Boot geholt.

dpa NÜRNBERG. Arbeitsminister Walter Riester (SPD) erhofft sich von ihnen einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit. Experten sehen den Einsatz von privaten Arbeitsvermittlern weitaus nüchterner. Private Agenturen könnten zwar für "Impulse" auf dem Vermittlungsmarkt sorgen. Ein Job-Wunder garantierten aber auch sie nicht, urteilen etwa Wissenschaftler des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in jüngst veröffentlichten Studien.

Die Erfolge der "Privaten" sollten nach Ansicht der IAB-Wissenschaftler vor allem an der Zahl der Langzeitarbeitslosen gemessen werden, die sie in Lohn und Brot bringen. Mitnahme-Effekte müssten auf jeden Fall vermieden werden, raten die beiden Fachleute des zur Bundesanstalt für Arbeit (BA) gehörenden Instituts. Denn: "Das Geld für die Vermittlungshonorare an die Agenturen wäre dann nicht gut angelegt, wenn die Arbeitslosen auch ohne externe Hilfe leicht eine Stellen finden können", geben die IAB-Wissenschaftler Regina Konle-Seidl und Ulrich Walwei zu bedenken.

Zumindest bisher war die Bedeutung der "Privaten" im Vermittlungsgeschäft nicht sonderlich groß. Im Jahr 2000 hätten Betriebe in gerade mal drei Prozent aller Stellenbesetzungen private Arbeitsvermittler eingeschaltet, in nur einem Prozent waren sie erfolgreich, berichten Konle-Seidl und Urlich Walwei. Arbeitsämter seien von Firmen dagegen in 38 Prozent der Fälle eingeschaltet worden.

Bisher hätten viele private Arbeitsvermittler eher in Arbeitsmarktnischen operiert - etwa in der Vermittlung von Künstlern, Fotomodellen oder Führungskräften. Allerdings beginne sich das Bild zu ändern, stellten die IAB-Fachleute fest. Zunehmend entdeckten die privaten Agenturen den Bereich der qualifizierten Fachkräfte. So schalteten sie sich inzwischen verstärkt bei der Suche nach Organisations-, Verwaltungs- und Bürofachkräften oder auch nach Waren- und Dienstleistungskaufleuten ein.

Wichtiger als ihre Bedeutung für den Arbeitsmarkt erscheint den Fachleuten eher ihre Rolle als Wettbewerber auf dem immer noch von der Bundesanstalt dominierten Vermittlungsmarkt. Ihre "innovativen" Angebote beeinflussten den Markt. "Es setzt ein Wettbewerb um kreative Lösungen ein", schreiben die Fachleute.

Ganz unterschiedlich sind die Erfahrungen mit privaten Job-Agenturen in anderen EU-Ländern. In Großbritannien etwa, wo es nie ein Monopol der öffentlichen Arbeitsvermittlung gab, spielen private Job-Vermittler hauptsächlich bei Büroberufen, Pflegekräften und in der Computerbranche eine Rolle, berichtet eine andere aktuelle IAB-Studie.

Große Bedeutung haben private Agenturen in den Niederlanden. Dort haben Betriebe private Arbeitsvermittler 1998 in immerhin 26 Prozent aller Stellenbesetzungen eingeschaltet. In etwas weniger als der Hälfte der Fälle meldeten die privaten Agenturen einen Vermittlungserfolg, berichtet das Nürnberger Forschungsinstitut. Solche hohen Quoten verdankt die niederländische Vermittlerbranche aber vor allem einem Umstand: der weltweit höchsten Zeitarbeitsquote von 4,5 Prozent. Viele benutzen Zeitarbeit dort als Einstieg in einen späteren regulären Job. Statistiker schlagen deshalb die Zeitarbeitsfirmen der Vermittlungsbranche zu.

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