Kein Kampf, kein Geld
Beißer Tyson erhält die rote Karte

Beißer Mike Tyson hat die Rote Karte bekommen. Der Skandal-Boxer darf nicht gegen den britischen WBC/IBF-Weltmeister Lennox Lewis kämpfen - die Sportkommission des US-Staates Nevada hat nach zweieinhalbstündiger Anhörung dem 35-Jährigen am Dienstagabend (Ortszeit) die Lizenz verweigert.

dpa LAS VEGAS. Damit ist der für den 6. April im MGM Grand Hotel von Las Vegas geplante Megafight geplatzt, der dem Ex-Weltmeister die größte Börse seiner Karriere in Höhe von umgerechnet rund 150 Mill. ? einbringen sollte.

"Ich bin nicht Mutter Teresa. Ich bin aber auch nicht Charles Manson", sagte Mike Tyson nach der Anhörung, zu der er adrett mit dunkler Hose, grauem Jackett, weißem Hemd und dezenter Krawatte erschienen war. Immer wieder musste sich Tyson den Schweiß von der Stirn abtupfen. Nervös war der Mann, der in den schlimmsten Momenten unkalkulierbar ist. Doch diesmal blieb er ruhig und freundlich. Keine Aggressivität, keine Ausfälle, nur ein paar Mal ein provozierend lautes Gähnen, für das er sich sogleich entschuldigte.

Doch es half alles nichts. Die Kommission entschied mit 4:1- Stimmen gegen Tyson. Der Superkampf war gestrichen - zumindest im Staate Nevada. Es liegt nun an den Lagern der beiden Schwergewichtskämpfer, einen neuen Termin und vor allem Ort zu finden. Tyson habe ein "Verhaltensmuster unkontrollierter Gewalt" an den Tag gelegt, begründete ein Kommissions-Sprecher die Entscheidung.

Die Anhörung begann mit Ausführungen von Tysons Anwalt Bob Faiss: "Der Kampf wird stattfinden, drei andere Orte haben bereits Interesse bekundet." Dann erklärte er, in der Geschichte des Schwergewichts-Boxens habe es kaum friedliche Lämmer gegeben. Die Videovorführung des Skandals vom 22. Januar in einem New Yorker Hotel sollte beweisen, dass Tyson bei der Massenkeilerei nicht der Aggressor war: Nachdem Lewis' Bodyguard Tyson attackiert habe, habe sein Mandant absichtlich daneben gezielt. Schließlich habe Lewis auf den wehrlos am Boden liegenden Tyson eingeschlagen.

Vor allem habe ihm sein Mandant aber versichert, dass er niemanden gebissen habe. Dem hat Lewis inzwischen widersprochen: "Fakt ist: Mike Tyson biss durch meine Hose und riss ein bedeutsames Stück Fleisch aus meinem Oberschenkel heraus. Es hat mich besonders gestört, dass er vor der Kommission nicht die Wahrheit gesagt hat." Als Kavaliersdelikt stellte Tysons Anwalt auch die vulgären Hasstiraden gegen einen Journalisten dar, der nach dem unwürdigen Spektakel gerufen hatte: "Gebt ihm eine Zwangsjacke." Wäre Mike nicht verbal attackiert worden, hätte er niemanden beleidigt, so Faiss.

"Bitte haben Sie Verständnis, ich bin schon genug bestraft worden in meinem Leben", sagte Tyson bei der Befragung durch die fünf Kommissionsmitglieder. 1992 wurde er wegen Vergewaltigung zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt; nach gut drei Jahren kam er vorzeitig frei. 1997 biss Tyson seinem Gegner Evander Holyfield während eines Kampfes ein Stück vom rechten Ohr ab. Nevada zog daraufhin Tysons Lizenz für 15 Monate ein.

"So etwas wird nie wieder geschehen, ich gebe Ihnen mein Wort", so Tyson. Seit Mai 2001 seien seine wöchentlichen Sitzungen bei einem Psychotherapeuten abgeschlossen. Vor sechs Monaten habe er ein Anti- Depressivum abgesetzt und seither auch nicht mehr genommen. "Meine Behandlung ist abgeschlossen."

"Dieses Urteil hat mich ernsthaft überrascht", sagte am Mittwoch Klaus-Peter Kohl. Der Promotor des Hamburger Universum-Boxstalls hatte erwartet, dass das Geld die Entscheidung der Kommission zu Tysons Gunsten beeinflussen würde. "Irgendwann ist aber das Maß auch in den USA mal voll. Das ist gut so. Für uns steigen dadurch natürlich die Chancen beträchtlich, dass einer der Klitschkos gegen Lewis oder Tyson boxt."

Auch sein Cheftrainer Fritz Sdunek findet "es sehr gut, dass das Geld nicht die entscheidende Rolle bei der Urteilsfindung gespielt hat. Dennoch glaube ich, dass der Kampf stattfindet. Ob in London, Afrika oder Asien, irgendwer wird sich schon als Ausrichter finden, das hatte ja schon WBC-Präsident Sulaiman durchklingen lassen".

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