Kein Kommentar zu Gerüchten über Consors-Übernahme
Allianz will weiter expandieren

Der Expansionsdrang der Allianz AG, München, wird offenbar auch nach der Übernahme der Dresdner Bank AG, Frankfurt, noch nicht gestillt sein. "Bei allen Herausforderungen und Kraftanstrengungen, die das Zusammenführen zweier so großer Unternehmen mit sich bringt, werden wir im Markt aktionsfähig und tatendurstig bleiben", betonte der Allianz-Vorstandsvorsitzende, Henning Schulte-Noelle, am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Dresdner Bank in Frankfurt. Der Münchener Versicherungskonzern werde nicht den Fehler machen, "sich vorwiegend nur noch mit sich selbst zu beschäftigen".

vwd FRANKFURT. An der Akquisition einer ausländischen Bank sei der Versicherungskonzern derzeit jedoch nicht interessiert. Es gebe im Moment keine Bank außerhalb Deutschlands, die die Allianz übernehmen wolle, so Schulte-Noelle. Zu Medienberichten über angebliche Gespräche der Allianz mit der Consors Discount AG, -Broker Nürnberg, über eine Übernahme oder eine Beteiligung gab der Allianz-Vorstandsvorsitzende keine klare Antwort. Falls es grundsätzlich derartige Gespräche geben würde, würden diese intern und nicht in der Öffentlichkeit geführt. Auch Consors wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Darüber hinaus gab es zuletzt Spekulationen über eine Zusammenarbeit in den USA im Vertrieb zwischen der Allianz und Merrill Lynch.

Die seit etwa einem Jahr andauernden Gespräche zwischen Allianz und der Deutsche Bank AG, Frankfurt, über eine Vertriebskooperation werden nach dem nun angekündigten Zusammenschluss nach Angaben der Allianz nicht fortgesetzt. "Klar ist, dass die Gespräche über die Bank 24 beendet sind", sagte Schulte-Noelle. Allerdings sei eine Zusammenarbeit in anderen Segmenten wie beispielsweise dem "Back Office" durchaus vorstellbar. Durch die Übernahme der Dresdner Bank wird der Ertrag je Aktie des Konzerns laut Finanzvorstand Paul Achleitner bereits im laufenden Geschäftsjahr um 13 % oder 1,4 Euro zulegen. Durch den Zusammenschluss entstehe nach seinen Worten zudem ein Finanzierungsbedarf von rund acht Mrd Euro.

Schulte-Noelle wie der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, warben auf der Pressekonferenz nochmals für die geplante Transaktion. Der Zusammenschluss sei "auf Ertrags- und nicht auf Kostensynergien" ausgerichtet, betonte Fahrholz. Daher werde es im Zuge der Übernahme keinen nennenswerten Stellenabbau geben. Die zuletzt auf der Hauptversammlung der Dresdner Bank angekündige Filialnetzstraffung sowie der massive Stellenabbau würden allerdings fortgesetzt. Die Bank liege damit derzeit sogar "vor Plan". Das Institut hatte im vergangenen Jahr angekündigt, bis 2002 rund 300 ihrer insgesamt 1 150 Filialen schließen und zehn Prozent ihrer Belegschaft oder 5 000 Mitarbeiter entlassen zu wollen.

Auch die Investment-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) werde in "eine neue Dimension hineinwachsen", fügte Fahrholz hinzu. Der künftig für die DKW zuständige Vorstand Leonhard Fischer kündigte an, die Investmentbank werde ähnlich ihrer US-Kollegen eine für Europa einzigartige europäische Plattform kreieren und aus eigener Kraft wachsen. Besonderes Ertragspotenzial sieht Schulte-Noelle dabei bei Kunden aus dem Mittelstand. Nach den Plänen der Konzerne soll die Investmentbank unter ihrem alten Namen weitergeführt sowie bald rechtlich und strukturell verselbstständigt werden, wobei die Mitarbeiter sich an dem Kapital beteiligen können. Ein Börsengang ist in zwei bis drei Jahren geplant. Wie Schulte-Noelle sagte, will die Allianz-Gruppe dabei aber Mehrheitsaktionär bleiben.

Mit Blick auf die Zukunft der Dresdner Bank versicherte Fahrholz: "Hier wird nichts zerschlagen." Vielmehr würden durch den Zusammenschluss die Grundlagen zu neuen und zusätzlichen Geschäftsaktivitäten gelegt. Dies gelte für das Investment Banking genauso wie für das Firmenkunden- und Privatkundengeschäft. Durch das Zusammengehen mit der Allianz entstehe Deutschlands führender Anbieter von Versicherungs-, Vermögens- und Bankprodukten, wodurch "wahrer Mehr-Wert" geschaffen werde.

Die Aufsichtsräte hatten am Wochenende bereits grünes Licht für die Bildung des ersten deutschen Allfinanzkonzerns gegeben. Der Versicherungskonzern bietet den Aktionären der Dresdner Bank für zehn Aktien eine Allianz-Aktie sowie zusätzlich 200 Euro in bar. Dies entspricht einem Preis von 53,13 Euro je Titel. Die Transaktion soll bis Juli abgeschlossen sein. Am Montagnachmittag notierten die Titel der Allianz mit zwei Prozent im Minus bei 320,02 Euro. Die Papiere der Dresdner Bank verloren 0,9 % auf 50,96 Euro.

Analyst Ralf Breuer von WestLB Panmure äußerte sich zurückhaltend optimistisch über den Zusammenschluss. Viele Details zur künftigen strategischen Aufstellung des Allfinanzkonzerns seien noch offen, meint der Experte. Zudem verschlechtere sich für die Allianz durch die Übernahme das Risikoprofil. Mit dem Bankgeschäft werde der Versicherungskonzern größere Schwankungen beim Ergebnis haben.

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