Kein Lichtblick auf Arbeitsmarkt
Katerstimmung in der Wirtschaft

Die Wirtschaft hat nach Ansicht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) selten so pessimistisch ins neue Jahr geblickt wie diesmal. Allenthalben herrsche Katerstimmung, sagte IW - Direktor Gerhard Fels am Freitag nach der traditionellen Verbandsumfrage des arbeitgebernahen Instituts. "Erst für die zweite Hälfte des kommenden Jahres hofft die Mehrheit der Wirtschaftsverbände auf einen leichten Aufwärtstrend."

HB/dpa HAMBURG. 39 der 44 befragten Wirtschaftszweige seien schlechter gestimmt als vor Jahresfrist. 18 Wirtschaftsverbände rechneten für 2003 mit sinkenden Produktions- und Umsatzzahlen, 19 gingen von einer Stagnation aus. "Damit werden die Perspektiven so ungünstig eingeschätzt wie zuletzt zu Beginn der Rezession 1992/93."

Zuversichtlicher äußerte sich dagegen der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW). Trotz der allgemein verbreiteten Katerstimmung rechneten 38 Prozent von 632 befragten Unternehmen mit besseren Geschäften als in diesem Jahr. Weitere 35 Prozent schlossen zumindest weitere Verschlechterungen aus. "Von Larmoyanz oder trotziger Verweigerung ist nichts zu spüren", sagte BVMW-Präsident Mario Ohoven am Freitag in Berlin.

Ungeachtet der schwierigen Wirtschaftslage wollten rund 52 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeiterstand halten, sagte Ohoven. Nur vier Prozent wollten ihren Betrieb aufgeben und nur neun Prozent beabsichtigten eine Verlagerung ins Ausland. Problematisch sei allerdings die Investitionszurückhaltung. Am ausgeprägtesten sei sie im Bau sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe feststellbar. Nach Angaben des IW beurteilten das mittelständisch geprägte Handwerk und das Baugewerbe ihre Situation ausgesprochen kritisch. Vor allem im Tourismusgeschäft sowie in der Gastronomie habe sich das Klima merklich eingetrübt.

Der Wirtschaftsweise und Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Horst Siebert, hat für 2003 ein "Jahr der strukturellen Modernisierung Deutschlands" angemahnt. Die Systeme für soziale Sicherung und für den Arbeitsmarkt funktionierten nicht mehr. Gravierende Änderungen seien notwendig. 2003 werde mit einem Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent etwas besser als das alte Jahr (0,2 Prozent). Die Hoffnung werde erneut auf der zweiten Jahreshälfte ruhen.

Nach Berechnungen von Experten ist die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung im Dezember um rund 190 000 auf 4,22 Millionen gestiegen. Im Durchschnitt des Jahres 2002 waren demnach mehr als 4,06 Millionen Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das wären gut 210 000 mehr als im Vorjahr. Für Januar erwarten Experten einen weiteren saisonbedingten Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf rund 4,5 Millionen.

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