Archiv
Kein Mensch braucht einen Internetminister

Das Internet hat unser Leben verändert wie zuvor das Fernsehen oder das Telefon. Plötzlich sind von überall her Informationen zu haben. Neue Jobs sind entstanden und neue Firmen, die binnen weniger Monate an der Börse mehr Geld einsammelten als traditionelle Konzerne in Jahrzehnten. Auch wenn so manche von diesen Firmen mittlerweile totgeredet wird und sich ihr Börsenwert drastisch verringert hat, die Wirtschaft ist in Bewegung geraten, die Jobmaschine ist angeschmissen.

Darüber freut sich der Arbeitsminister, darüber freut sich der Wirtschafts- und Technologieminister, darüber freut sich der Bundeskanzler. Sollte sich darüber auch noch ein "Internetminister" freuen? Ein heikle Frage, auf die zurzeit in Berlin keine befriedigende Antwort zu bekommen ist.

BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel fordert einen Internetminister. Erwin Staudt, Chef von IBM Deutschland und der Initiative D 21, will eine "Persönlichkeit", die sich des Themas annimmt. Ob diese Persönlichkeit mit einem Ministeramt ausgestattet sein sollte, oder nur ein Bundesbeauftragter wie der für Drogen oder Aussiedlerfragen sein könnte, darüber schweigt sich Staudt in vornehmer Zurückhaltung aus - was kein Wunder ist, denn der IBM-Manager wird für dieses Amt selbst gehandelt.

Auch Sigmar Mosdorf, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, ist für das Amt des Internetministers im Gespräch, ebenfalls sein beamteter Kollege Alfred Tacke und der Staatsminister im Bundeskanzleramt, Hans Martin Bury. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie beschäftigen sich ohnehin schon auf höchster Ebene mit dem Internet. Würden Sie nun Internetminister, bekämen sie ein eigenes Ministerium mit Staatssekretären und Beamten.

Aber ein Internetminister mit eigenem Verwaltungsapparat ist nicht nur teuer, es ist auch überflüssig wie ein Fernsehminister oder ein Telefonminister. Mit dem Internet sollten sich alle Minister beschäftigen: so wie Verteidigungsminister Rudolf Scharping, der gestern abend unter www.spd.de über ein neues Programm für die SPD chattete, oder wie Arbeitsminister Walter Riester, der am Montag im Chatroom der Sozialdemokraten sein Rentenkonzept diskutierte. Die weitere Förderung des Internets ist eine Querschnittsaufgabe für die gesamte Regierung, und keineswegs für nur einen Minister.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%