Kein nachhaltiger Anstieg
Geldprofis fürchten überhitzte Börsen

Knapp 50 % haben der Deutsche Aktienindex (Dax) und die US-Technologiebörse Nasdaq seit ihren Tiefstständen im März zugelegt, gut 30 % der französischen CAC 40 und knapp 35 % der Swiss Market Index. Lediglich die Aktienmärkte in Fernost hinken mit einem Kursplus von knapp unter 20 % hinterher. Kein Wunder also, dass wieder mehr Anleger Aktien und Aktienfonds kaufen wollen, wie das Meinungsforschungsinstitut Forsa in einer aktuellen Umfrage für die Fondsgesellschaft Union Investment herausfand. Von Seiten der Vermögensverwalter wird eine neue Euphorie jedoch im Keim erstickt. "Wir sehen derzeit schon wieder eine gewisse Überhitzung", sagt Rene Canal von KS Asset Management in Wien.

FRANKFURT/M. Grund für den trotz aller Kurszuwächse gedämpften Optimismus der Vermögensverwalter sind die verhaltenen Konjunkturaussichten in den großen europäischen Volkswirtschaften sowie, dass positive Unternehmenszahlen für das erste Quartal lediglich durch Kostensenkungsmaßnahmen zu Stande kamen. "Wir sind zwar im Moment noch nicht über das Ziel hinaus geschossen, eine völlige Entkoppelung des Aktienmarktes von den äußeren Rahmenbedingungen wie vor wenigen Jahren wird es jedoch nicht mehr geben", sagt Michael Harms vom Bankhaus Delbrück. Deshalb sei mit einem weiteren nachhaltigen Anstieg auch nicht mehr zu rechnen.

Von zwei weiteren Seiten sieht Florian Rais von der Schweizer Privatbank Pictet Gefahren für den Aktienmarkt: Zum einen ist nicht absehbar, wie hoch der Dollar noch steigt. Zwar sind viele Unternehmen inzwischen gut abgesichert, allerdings gilt das in den meisten Fällen nur für den Zeitraum von zwei bis drei Jahren. Zum anderen belastet der seit dem Wochenende verschärfte diplomatische Ton zwischen den USA und dem Iran die gute Stimmung. Gerade die Investoren, die zuletzt den Einstieg verpasst haben, spekulieren deshalb bereits auf die nächste Schwäche am Aktienmarkt, um sich dann günstig einzudecken. Auf zehn Prozent beziffert Michael Harms im Moment das Rückschlagpotenzial im Dax, so dass dieser wieder auf einen Indexstand um 3 000 Punkte fallen könnte. Entscheidend für die künftige Entwicklung sind die Halbjahreszahlen der Unternehmen, mit denen ab Mitte Juli gerechnet wird.

Schon jetzt rechnen die Asset Manager deshalb mit einem Börsensommer, der trotz Hitze und Urlaubszeit keinesfalls so behäbig ausfallen wird wie in den vergangenen Jahren. "Wir werden eine spannende, weil sehr volatile Urlaubszeit erleben" prophezeit Vermögensverwalter Canal. Grund dafür ist, dass viele Investoren die negative Performance des vergangenen Jahres wettmachen müssen, wozu sich in diesem Umfeld eine günstige Gelegenheit ergeben könnte.

Für den Anleger sollte deshalb nach Expertenmeinung für seine aktuelle Strategie entscheidend sein, wie hoch der Aktienanteil des Kunden im Gesamtportfolio insgesamt ist. "Wer derzeit nur eine niedrige Ausgangsquote von zehn bis 20 Prozent in Aktien hält, der wird sicherlich zurecht nach Möglichkeiten suchen, diesen Anteil aufzustocken", sagt Gerald Kichler vom Kölner Vermögensverwalter Flossbach & von Storch. Dabei spielt auch eine wesentliche Rolle, dass viele Aktien derzeit eine höhere Dividendenrendite bieten, als sie am Rentenmarkt erzielt werden kann.

Es sind deshalb einerseits die zuletzt schon beliebten dividendenstarken Titeln, die bei den Vermögensverwaltern gefragt sind. Zum anderen sind die Asset Manager stets auf der Suche nach unterbewerteten Aktien. Zu den Favoriten zählen Telekom - und Technologie-Wer- te. Der Grund liegt auf der Hand: Gerade in diesen Branchen kam es in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Marktbereinigung: "Wer das überlebt hat, wird auch in Zukunft gute Chancen am Markt haben", sagt Pictet-Fachmann Rais. Seine Blickrichtung für ein Investment geht dabei stets zuerst in Richtung Wall Street: "Die Märkte dort sind einfach effizienter", sagt Rais.

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