Kein Neuland
Ex-Minister Müller übernimmt RAG-Führung

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) übernimmt an diesem Sonntag die Führung beim Bergbau- und Chemiekonzern RAG in Essen. Als "oberster Bergmann Deutschlands" löst Müller an seinem 57. Geburtstag den früheren hessischen Finanzminister Karl Starzacher (58) ab, der das Amt seit Anfang 2000 innehatte.

HB/dpa ESSEN. Der gebürtige Essener betritt kein Neuland: Vor seiner Ministertätigkeit war er unter anderem jahrelang Manager für die Energiekonzerne RWE und den Eon-Vorläufer Veba. Die RAG ist in den Bereichen Bergbau, Chemie und Immobilien tätig. Über die Deutsche Steinkohle AG ist sie Betreiberin der verbliebenen zehn deutschen Steinkohlezechen. Der nicht börsennotierte Konzern gehört zu insgesamt 90 Prozent den beiden größten deutschen Energiekonzernen Eon und RWE sowie dem Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssen Krupp.

Neben Müller tritt auch Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht am 1. Juni sein neues, zusätzliches Vorstandsamt bei der RAG AG an. Die frühere Ruhrkohle AG übernimmt die Mehrheit am weltgrößten Spezialchemiekonzern Degussa bis Juni 2004 in zwei Schritten vom bisherigen Hauptanteilseigner Eon. Neben Felcht und Müller gehören dem dann vierköpfigen RAG-Vorstand Arbeitsdirektor Ulrich Weber und Finanzvorstand Peter Schörner an.

Müller erwarten vor allem zwei schwierige Aufgaben: Zum einen steht die RAG vor einem weit reichenden Umbau vom Steinkohle dominierten Konzern zu einem Chemie- und Kohlekonzern. Auf den Säulen Chemie, Bergbau und Immobilien soll das Unternehmen mit dann mehr als 100 000 Beschäftigten künftig stehen. Von 20 Milliarden Euro Umsatz entfallen dann allein 12 Milliarden Euro auf Degussa. Bis Ende kommenden Jahres will sich die RAG von Geschäftszweigen mit einem Umsatzvolumen von 6,3 Milliarden Euro und fast 18 000 Mitarbeitern trennen.

Zum anderen stehen die Verhandlungen über die künftigen Steinkohlesubventionen nach 2005 an. Bis zum Sommer soll eine Anschlussregelung für die Zeit nach dem Ende des so genannten Kohlekompromisses von 1997 gefunden werden. Nach dieser Vereinbarung werden die öffentlichen Hilfen von 5,3 Milliarden Euro in 1996 schrittweise auf 2,5 Milliarden Euro in 2005 gesenkt. Die Beschäftigtenzahl soll ebenfalls mehr als halbiert werden. Standen 1996 noch rund 85 200 Kumpel auf den Lohnlisten, sollen es 2005 nur noch 36 000 sein. Derzeit sind es noch rund 44 000.

In einem Gastbeitrag für die Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Donnerstag) betonte der scheidende RAG-Chef Starzacher, dass der Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten gegangen sei. "Bis heute ist kein Bergmann ins "Bergfreie" gefallen", schrieb Starzacher, der auch nach seinem Ausscheiden seinen Wohnsitz in Essen behalten will. Er erinnerte daran, dass bei der Gründung der Ruhrkohle 1969 noch mehr als 200 000 Menschen im Steinkohlebergbau beschäftigt waren.

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