Kein Protest gegen Wertung
Schumacher ist der schnellste Weltmeister

Michael Schumacher hat mit dem schnellsten Titelgewinn Formel-1-Historie geschrieben und sich mit einer Herz erweichenden Liebeserklärung bei seinem Team bedankt.

HB MAGNY-COURS. "Ihr seid alle fantastisch", sagte er den Ferrari-Mitarbeitern zu Tränen gerührt: "Ich liebe euch alle." Trotz eines Missgeschicks hatte sich der Superstar am Sonntag beim Großen Preis von Frankreich vorzeitig zum fünften Mal zum Weltmeister gekrönt. Er stellte damit den Rekord des legendären Argentiniers Juan Manuel Fangio ein und kommt mit 62 Punkten Vorsprung als alter und neuer Motorsport-König zum Heimrennen in sieben Tagen in Hockenheim. Der Bundeskanzler gratulierte. Gerhard Schröder würdigte die Erfolge das Kerpeners als "einzigartige Karriere".

Die Emotionen überwältigten den Champion. Noch im Auto flossen die Tränen. Nach der Ehrenrunde umarmte er seine Lieben. "Wer mich kennt, weiß, dass es mir in solchen Situationen immer schwer fällt, die richtigen Worte zu finden", begann sein Kommentar in der Pressekonferenz. Er schwärmte: "Was wir in den letzten Jahren zusammen erreicht haben, ist etwas ganz Außergewöhnliches. Diese Freundlichkeit, diese Bereitschaft alles zu geben, ist etwas, das ich vorher nicht kannte." Das Wort "Danke" sei sehr klein, "für alles, was ihr für mich getan habt." Gleichzeitig kündigte er an: "Wir haben das Potenzial, noch mehr Titel zu gewinnen."

Doch dann musste der Champion noch zittern. Die Rennkommissare untersuchten Schumachers Überholmanöver in der 68. Runde, als er an dem führenden Kimi Räikkönen vorbeigezogen war und sich so den achten Saisonsieg vor dem Finnen und dessen McLaren-Mercedes-Kollegen David Coulthard gesichert hatte. Der Vorwurf lautete auf regelwidriges Überholen unter Gelber Flagge. Zweieinhalb Stunden nach Rennende kam die Entwarnung. McLaren verzichtete auf einen Protest. Die Stewards entschieden nach der Anhörung von Piloten und Team-Verantwortlichen, dass keine weiteren Schritte unternommen werden. Der eigens nach dem Sieg eingeflogene Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo schrie in die Kameras: "Wir sind Weltmeister."

Die große WM-Party wurde dennoch vertagt. "Wir haben nichts geplant", so Schumacher. Sein Manager Willi Weber kündigte eine Fete in Deutschland an: "Wir trinken ein Gläschen, fahren nach Hause und feiern dann in Hockenheim." Schumacher ist in den ausstehenden sechs Rennen nicht mehr einzuholen. Gleichzeitig gelang dem Kerpener ein Titel-Hattrick: 2000, 2001 und 2002 feierte er mit Ferrari, zuvor war er 1994 und "95 mit Benetton Weltmeister geworden. Mit der vorzeitigen Entscheidung im 11. von 17 Saisonrennen überholte Schumacher auch Nigel Mansell (11/16) in der Rangliste der "eiligsten" Titelgewinner.

Der 33-Jährige hat 96 WM-Punkte. Juan Pablo Montoya (34) ist Zweiter vor den punktgleichen Ralf Schumacher und Rubens Barrichello (32). Selbst wenn er von nun an immer ausfallen würde, ist dem Ferrari-Star der Turbo-Titel nicht mehr zu nehmen. Montoya wurde im Rennen Vierter vor seinem Williams-BMW-Kollegen Ralf Schumacher. Nick Heidfeld wurde Siebter. Heinz-Harald Frentzen war nicht am Start. Ferrari-Pilot Rubens Barrichello war am Vorstart stehen geblieben. Nach 72 Runden, 305,886 km und 1:32:09,837 Stunden auf dem "Circuit de Nevers" feierte Michael Schumacher seinen sechsten Frankreich-Sieg und den 61. Triumph seiner Karriere. Die Konkurrenz erkannte den Erfolg neidlos an. "Gratulation an Michael Schumacher, Ferrari und Bridgestone. Sie waren die Besten", erklärte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Fünf Titel sind ein außergewöhnlicher Rekord. Er hat die WM verdient", meinte der Schotte David Coulthard. Schumachers mitgereiste Ehefrau Corinna jubelte: "Fünf Mal, das ist Wahnsinn." Seit 17 Rennen ist Schumacher nicht mehr ausgefallen, damit stellte er den Rekord Niki Laudas von 1976 ein.

Dafür erwischte es wieder seinen Kollegen Barrichello: Am Vorstart war sein Auto noch auf dem Wagenheber aufgebockt, während das Feld davon brauste. Die ersten Boxenstopps schienen dem als Zweiter hinter Montoya gestarteten Schumacher den entscheidenden Vorteil zu bringen: Montoya tankte in der 25. Runde, Schumacher blieb zwei Runden länger draußen und überholte den Kolumbianer bei der Rückkehr vom eigenen Stopp. Doch dem Rheinländer passierte ein Fehler: Er überfuhr regelwidrig die weiße Linie nach der Boxenausfahrt, die Rennkommissare reagierten umgehend. Schumacher wurde eine "Durchfahr-Strafe" aufgebrummt, durch die er hinter Räikkönen zurück fiel.

Seinem Bruder Ralf sowie Coulthard unterlief später der gleiche Fehler, Montoya fiel ebenfalls zurück. So hatte Schumacher nur noch Räikkönen vor sich. Als der Finne auf einer Ölspur ausrutschte, zog der Weltmeister vorbei. "Die letzten Runden danach waren die schlimmsten in meiner Karriere. Plötzlich habe ich den ganzen Druck verspürt, jetzt ja keinen Fehler mehr zu machen, wie ich ihn so stark noch nie empfunden hatte", berichtete Schumacher. Er habe vor dem Wochenende nicht mit der vorzeitigen Titel-Entscheidung gerechnet, deshalb sei er gelassen ins Rennen gegangen.

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