Kein Rettungsplan in Sicht
LetsBuyIt.com vor dem Aus

Die Aktien der niederländischen LetsBuyIt.com sind am Freitagmorgen bis auf weiteres vom Handel am Neuen Markt ausgesetzt worden.

Reuters/vwd FRANKFURT/ LONDON/ AMSTERDAM. Die Aktien des niederländischen Internet-Händlers LetsBuyIt.com NV sind am Freitagmorgen nach der Erklärung eines vorläufigen Zahlungsaufschubes vom Handel am Neuen Markt ausgesetzt worden. Die Deutsche Börse folgte damit nach eigenen Angaben einem Antrag von LetsBuyIt.com. Am Vorabend hatte die Gesellschaft nach Börsenschluss mitgeteilt, sie wolle einen "Antrag auf Durchführung eines vorläufigen Moratoriums nach niederländischem Recht" stellen. Einzelheiten wurden zunächst nicht mitgeteilt. Am Donnerstag war der Titel mit 1,25 Euro aus dem Handel gegangen.

Ein Berater von LetsBuyIt.com sagte, die Gesellschaft habe sich entschlossen, Zahlungen einzustellen, während sie über ihr weiteres Vorgehen entscheide. LetsBuyIt.com verfüge über rund 18 Mill. Euro an liquiden Mitteln. Das Unternehmen wolle nicht warten, bis es über keine Mittel mehr verfüge. Es sei der letzte Versuch, neue Mittel zu finden. Bislang habe LetsBuyIt.com einen Antrag auf Zahlungsaufschub nur in Holland gestellt, plane jedoch, dies auch in anderen Ländern zu tun. Der Berater fügte hinzu, es gebe noch keine anhängigen Klagen von Kreditgebern. Ein Sprecher des zuständigen Amsterdamer Gerichts sagte, er könne derzeit keine Details nennen.

Mitte November sagte der Vorstandschef des Unternehmens, Martin Coles, in einem Interview mit Reuters, die Gesellschaft wolle ihre Kapitaldecke aufstocken. Das Unternehmen befinde sich auf der Suche nach geeigneten Investoren. Von den alten und neuen Investoren erhoffe er sich, bis zu 80 Mill. Euro zu erhalten. Das defizitäre Unternehmen strebe die Gewinnschwelle für das vierte Quartal 2002 an, hatte Coles damals gesagt.

Im Sommer dieses Jahres hatte der Internet-Händler bereits mit seinem Börsengang für Schlagzeilen gesorgt. Im Mai hatte LetsBuyIt.com den von einer umfangreichen Werbe-Offensive begleiteten Gang an den Neuen Markt mit der Begründung verschoben, das Marktumfeld stehe einer fairen Bewertung seiner Aktien im Wege. Auch der zweite Anlauf des Internet-Händlers an die Börse im Juli verlief nicht ohne Verzögerung. Ein Tag nach Ende der ursprünglichen Zeichnungsfrist reduzierte LetsBuyIt.com erneut unter Berufung auf das schwierige Marktumfeld die Preisfindungsspanne auf drei bis vier Euro von sechs bis sieben Euro und verlängerte die Zeichnungsfrist. Zuvor hatte sich das Bankhaus Sal.Oppenheim ohne nähere Angabe von Gründen aus dem Emissionskonsortium zurückgezogen.

Am 21. Juli ging das Unternehmen schließlich an den Neuen Markt, der Ausgabepreis betrug 3,50 Euro. Mit dem Fall des Rabattgesetzes zog der Aktienkurs von LetsBuyIt.com kräftig an und kletterte am 13. Dezember zeitweise um mehr als 240 % auf 2,35 Euro. Noch am Tag davor hatte die Aktie ein neues Jahrestief bei 0,59 Euro erreicht.

Auf der Internetseite von LetsBuyIt.com können sich einzelne Konsumenten zur einer virtuellen Käufergemeinschaft zusammenschließen und so Markenprodukte zu Preisen erwerben, wie sie sonst nur Großabnehmer aushandeln können.

Anwalt: LetsBuyIt.com wahrscheinlich zahlungsunfähig

Das Zahlungsmoratorium nach niederländischem Recht (voorlopige surseance van betaling) deutet nach Aussage eines niederländischen Wirtschaftsanwaltes darauf hin, dass die Gesellschaft faktisch zahlungsunfähig ist. "Durchschnittlich 80 % dieser Verfahren münden in ein normales Insolvenzverfahren", sagte Jörg von Rosenstiel, Partner der Kanzlei Rosenstiel & Richter, Reine/Enschede, am Freitag. Ein Zahlungsmoratorium beantragten in der Regel nur Gesellschaften, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen könnten.

Im Allgemeinen werde einem derartigen Antrag stattgegeben, wenn nicht ernsthafte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der handelnden Personen bestünden. Im Unterschied zu Deutschland müsse dabei die vorhandene Masse nicht die Kosten des Verfahrens decken. Ob das Zahlungsmoratorium genehmigt wurde, werde wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres per Handelsregisterauszug in Erfahrung zu bringen sein.

Rettungsplan kurzfristig nicht in Sicht

LetsBuyIt.com sucht bei einem holländischen Gericht Schutz vor Kreditgebern. Das Unternehmen sieht eigenen Angaben zufolge keine Perspektiven für einen kurzfristigen Rettungsplan. "Wir reden mit Leuten, aber es dauert, um eine Abmachung abzuschließen", sagte LetsBuyIt-Sprecher Stephan Cox am Freitag. Es werde nicht erwartet, dass eine Abmachung schnell geschlossen werde, fügte er hinzu.

Cox sagte weiter, das Unternehmen habe im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2000 ein gutes Umsatzwachstum erzielt. Der Abfluss von Cash-Reserven sei ein Resultat der Marketing-Kosten in den Wochen vor Weihnachten. Das Unternehmen hoffe trotzdem nach wie vor, im vierten Quartal 2002 schwarze Zahlen zu schreiben, unter der Voraussetzung, dass LetsBuyIt.com finanzielle Unterstützung erhalte, um Schulden bis dahin zu decken.

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