Kein Risiko bei "Sorgenkind" Deisler
Ziege feiert Comeback gegen Wales

Im imposanten Millennium-Stadion von Cardiff sucht Rudi Völler nach weiteren passenden Teilen für sein WM- Puzzle, doch bei "Sorgenkind" Sebastian Deisler scheut der Teamchef jedes Risiko.

dpa CARDIFF. "Im Prinzip ist es geplant, dass wir den Sebastian nach seiner langen Verletzung wieder heranführen. Ihn in drei Spielen hintereinander zu verheizen, wäre aber der falsche Weg", kündigte der Teamchef vor dem vorletzten WM-Testspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag (20.45 Uhr MESZ/ARD) gegen Wales einen Verzicht auf den Jungstar an.

Eine Reifeprüfung für den deutschen WM-Kader kann auch die Partie gegen die kampfstarken Waliser nicht sein, denn neben den fünf Spielern von Bayer 04 Leverkusen fehlt auch der Berliner Marko Rehmer. "Wir wollen uns dennoch annähern an die Mannschaft, die in Japan spielen soll", erklärte Völler, für den das Ergebnis "zweitrangig" ist: "Wir wollen eine ordentliche Leistung abliefern. Wales wird ein ernsthafterer Gegner sein als Kuwait."

Vier Wochen nach seiner Sprunggelenks-Operation soll Christian Ziege ein Comeback feiern. "Ich habe Hoffnung, dass er auf der linken Seite beginnen könnte", sagte Völler. Ziege selbst brennt auf einen Härtetest: "Es wäre gut für mich zu spielen, um so schnell wie möglich zurück zu kommen", sagte der 30-Jährige, der am Montag noch einen Gesundheitscheck bei seinem Arbeitgeber Tottenham Hotspurs absolvierte.

Mit der Startformation für das erste WM-Spiel am 1. Juni in Sapporo gegen Saudi-Arabien wird die Elf von Wales nur in kleinen Bruchstücken zu vergleichen sein. Vor allem die Abwehr kann keinem Leistungstest unterzogen werden, da Rehmer sein Comeback nach doppeltem Bänderriss am Fuß erneut verschieben muss.

Im "Fall Christian Wörns" klangen die Töne auch nicht mehr so optimistisch wie unmittelbar nach der Knie-Operation am vergangenen Samstag. Erst Ende der Woche wird nach einer Kontrolle des Gelenks definitiv über eine WM-Teilnahme des Dortmunders entschieden werden, bestätigte Völler: "Dann werden wir das gemeinsam ganz objektiv beurteilen und ein Resümee ziehen."

Gegen Wales will Völler in der Krisenregion Abwehr "mit vier Mann auf einer Linie" experimentieren. Denn als Ersatzmann für Abwehrchef Jens Nowotny (Kreuzbandriss) kommt wohl nur der Leverkusener Carsten Ramelow in Frage. Jens Jeremies, der beim FC Bayern die Rolle als Chef einer Dreierkette bereits mit wechselhaftem Erfolg ausgeübt hat, sieht sich nicht als Alternative für die verwaiste Rolle. "Die Frage ist nicht existent. Wir brauchen keine Diskussion aufkommen zu lassen", sagte Jeremies.

Der 28-Jährige will sich einen Stammplatz im hart umkämpften Mittelfeld erkämpfen, für das nach dem Saisonende in England auch Nachzügler Dietmar Hamann (FC Liverpool) in Cardiff erstmals wieder zur Verfügung steht. Im Angriff geht der Konkurrenzkampf zwischen Oliver Bierhoff, Miroslav Klose und Carsten Jancker weiter. Der Bayern-Hüne will trotz einer Kapselverletzung am Sprunggelenk auf die Zähne beißen.

Fünf Tage nach dem unbedeutenden 7:0-Schützenfest gegen die drittklassigen Kuwaitis sollen die Waliser einen brauchbaren Sparringspartner für den zweiten WM-Gegner Irland abgeben. Darüber hinaus wird im Millennium-Stadion unter dem geschlossen Hallendach gespielt werden, um eine Atmosphäre wie bei der ersten WM-Partie gegen Saudi-Arabien im Sapporo-Dome zu schaffen. "Wir wollen den Spielern die Situation vor Augen führen", strich Skibbe heraus.

Trotz der eklatanten Personalsorgen zog Völler ein positives Fazit der ersten Trainingslager-Station im badischen Winden. "Es war eine gelungene Zeit hier im Schwarzwald", sagte der 42-Jährige: "Ich bin ja so ein bisschen Malente geschädigt." Kasernierung und Lagerkoller gab es diesmal nicht, große WM- Fortschritte aber auch nicht.

Das dürfte bis zum Endpunkt am Samstag in Leverkusen auch so weitergehen. Denn Völler kündigte schon am Montag an, auch gegen Österreich nicht die mögliche WM-Formation zu testen: "Ob es Sinn macht, die Leverkusener Spieler zweieinhalb Tage nach einem Champions-League-Finale einzusetzen, müssen wir noch sehen", deutete Völler einen Verzicht auf Ballack und Co. an.

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