Kein Schmerzensgeld
Zuckerkranker Richter verliert gegen Mars

Ein zuckerkranker Richter ist mit dem Versuch gescheitert, die Herstellerfirma der Schokoriegel "Mars" und "Snickers" für seine unheilbare Krankheit haftbar zu machen. Das Landgericht Mönchengladbach wies seine Klage auf Schmerzensgeld und Schadenersatz gegen die Viersener Masterfoods GmbH am Mittwoch als unbegründet und unschlüssig ab.

dpa MÖNCHENGLADBACH. Der 46-jährige Vizepräsident des Landgerichts Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern, Hans-Josef Brinkmann, hatte argumentiert, der hohe Zuckergehalt der Schokoriegel habe ihn krank gemacht.

Dagegen sagte Richter Wilfried Woltz in der Urteilsbegründung, dass keine einzige wissenschaftliche Studie Zucker als unmittelbaren Verursacher von Diabetes nenne. Die genauen Ursachen der Krankheit seien nicht geklärt, aber es gebe Hinweise auf Übergewicht, falsche Ernährung, Stress, genetische Anfälligkeit und mangelnde Bewegung als Faktoren. Alle diese Anzeichen lägen bei dem klagenden Richter vor.

Der Jurist aus Neubrandenburg hatte angegeben, mit seiner täglichen Dosis von einem Liter Cola und zwei Schokoriegeln von 1994 bis 1998 etwa 40 Kilogramm Zucker im Jahr zu sich genommen zu haben. 1998 sei er dann mit Nierenbeschwerden in eine Klinik gekommen, wo er von seiner Diagnose erfahren habe.

Die Hersteller der Süßigkeiten hätten auf den Verpackungen nicht vor den Folgen des Genusses gewarnt, sondern sie im Gegenteil als "Zwischenmahlzeit" angepriesen und mit der Werbung zu immer höherem Konsum verführt. Der hohe Zuckergehalt im Blut habe seine Krankheit verursacht und der Zucker zudem zu seinem Übergewicht beigetragen. Somit seien die Produkte fehlerhaft und außerdem fehlten auf ihren Verpackungen Warnhinweise.

Dagegen führte das Gericht aus, dass der 1,87 Meter große Richter sein Höchstgewicht von 111 Kilogramm bereits vor seiner zuckerreichen Ernährung erreicht hatte. Trotz des Verzehrs der etwa zur Hälfte aus Zucker bestehenden Schokoriegel habe er bis zu seiner Erkrankung mehrere Kilo abgenommen.

Den Herstellern sei kein rechtswidriges Verhalten vorzuwerfen. Auch der behandelnde Arzt habe bei der Diagnose bereits von "angefressenem Diabetes" gesprochen. Der Jurist hatte 5620 Euro Schmerzensgeld und 800 Euro Schadenersatz für seine vom Zucker angegriffenen Zähne verlangt. Richter Brinkmann hat auch Coca Cola verklagt. Das Verfahren vor dem Landgericht Essen wird voraussichtlich erst in einigen Monaten entschieden.

Für die Fachwelt ist Brinkmann kein Einzelfall. Der Richter ist in Deutschland einer von mindestens fünf Mill. bekannten Diabetes- Fällen. 90 % davon sind - wie Brinkmann - an Diabetes mellitus Typ II erkrankt, auch "Altersdiabetes" genannt. Der Krankheitsverlauf ist meist symptomarm, später können schwere Folgen wie Erblindung, Amputationen oder Nierenschäden auftreten.

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