Archiv
Kein schnelles Ende bei UMTS-Auktion erwartet

Reuters FRANKFURT. Die Versteigerung der deutschen UMTS-Mobilfunklizenzen wird sich nach Einschätzung von Analysten und Branchenexperten noch rund eine Woche hinziehen. Analysten sagten am Mittwoch, die Auktion werde angesichts des sehr engagierten Bieterkreises Mitte oder Ende nächster Woche zu Ende gehen. Es sei mit fünf erfolgreichen Bieterunternehmen zu rechnen, so dass mindestens zwei der derzeit noch sieben Bieter das Feld räumen müssten. Als Ausstiegskandidaten gelten bei den Branchenbeobachtern das Konsortium 3G aus Telefonica und Sonera sowie die Bietergemeinschaft von Debitel und Swisscom. Im Gegensatz zu den übrigen Bietern sei bei diesen beiden Bietergruppen bei einem Ausstieg aus der Versteigerung nicht mit negativen Reaktionen an den Börsen zu rechnen, sagten die Analysten.

Mit einem Ende der Versteigerung ist erst dann zu rechnen, wenn mindestens ein Bieter die Auktion verlässt, da sieben Bieter um maximal sechs Lizenzen konkurrieren. In der Branche gilt Debitel/Swisscom als schwächster Bieter, da Swisscom zwar als finanziell potent, aber als nicht so ehrgeizig wie Debitel angesehen wird. Debitel könne mit seinem Millionen-Kundenstamm auch als so genannter Virtueller Netzbetreiber beim UMTS-Mobilfunk auftreten und eigene Dienst anbieten, sagte Ralf Hallmann, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. "Für dieses Konsortium macht es keinen Sinn, hoch zu bieten."

Auch Marcus Schmitz, Analyst bei Hauck & Aufhäuser, rechnet damit, dass zuerst Debitel/Swisscom aussteigen und das Konsortium 3G folgen wird, dem in Deutschland eine Mobilfunknetzinfrastruktur ebenso wie eigene Kunden fehlten.

Newcomer werden sich laut Analysten mit zwei Frequenzblöcken begnügen

Wie die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post als Auktionator erwarten auch beide Analysten fünf erfolgreiche Bieter. Die Analysten rechnen deshalb damit, dass nach dem Ausstieg der beiden Außenseiter die Versteigerung zu Ende gehen wird. Während die beiden Marktführer D1-Telekom und D2-Mannesmann voraussichtlich jeweils drei der zwölf zur Versteigerung stehenden Frequenzblöcke ersteigern wollten, werden sich den Analysten zufolge die kleineren Anbieter E-Plus und Viag Interkom sowie der Neueinsteiger Mobilcom/France mit zwei Blöcken Frequenzausstattung zufrieden geben.

Der von einigen Analysten erwartete alleinige Erfolg der vier bereits am deutschen Markt aktiven Netzbetreiber werde voraussichtlich durch den Willen und die Finanzkraft des deutsch-französischen Konsortiums verhindert, hieß es. Analyst Hallmann sieht bei einem Erfolg von vier Bietern eher Viag Interkom aufgrund möglicher Differenzen zwischen den Gesellschaftern British Telecom und E.ON über die finanziellen Belastungen außen vor. "Mobilcom/France Telecom wollen auf jeden Fall auf den deutschen Markt und werden deshalb die Preise sehr teuer machen." Mobilcom bot bis zuletzt für drei Lizenzblöcke. Am Aktienmarkt wird nach Schmitz' Worten zudem ein Lizenzerwerb von Mobilcom/France erwartet, weshalb ein Ausscheiden mit Kursabschlägen quittiert werde würde.

Analyst Schmitz rechnet nicht mit einem Ende der Auktion vor Mitte oder Ende nächster Woche. "Trotz der deutlich auf rund 60 Mrd. DM reduzierten Erwartungen an den Versteigerungserlös sind sehr ehrgeizige Bieter im Rennen. Aber ein solches Ergebnis wäre immer noch eine Verdreifachung gegenüber dem derzeitigen Stand der Auktion", sagte der Analyst.

Hallmann sagte, bei der UMTS-Auktion in Großbritannien seien die kleineren Anbieter bei rund 6 Mrd. DM ausgestiegen. "Von diesen Preisen sind wir noch ein Stück entfernt", sagte Hallmann. Er sieht die Schmerzgrenze der Außenseiter erst bei einem weiteren Anstieg der einzelnen Auktionsgebote auf rund acht Mrd. DM erreicht und rechnet daher ebenfalls nicht mit einem schnellen Ende der Auktion.

Auch nach Einschätzung von Branchenkreisen werden die als Außenseiter gehandelten Konsortien Debitel/Swisscom und Sonera/Telefonica das Zünglein an der Waage bei der Auktion spielen. Bislang hätten sie keine Bereitschaft erkennen lassen, dass sie sich bald zurückziehen werden, hieß es. So biete das Konsortium offensichtlich weiter für drei Frequenzblöcke. Debitel trat dagegen zuletzt nicht mehr erkennbar als Bieter für drei Blöcke in Erscheinung. Allerdings ist das Auktionsdesign so gewählt, dass die von den Bietern angestrebte Zahl der Blöcke über viele Auktionsrunden verborgen bleiben kann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%