"Kein Silberstreif am Horizont“: Druckindustrie steuert auf harten Tarifstreit zu

"Kein Silberstreif am Horizont“
Druckindustrie steuert auf harten Tarifstreit zu

In der deutschen Druckindustrie kündigt sich eine harte Tarifauseinandersetzung an. Der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) warnte am Dienstag wegen der schlechten Lage der Branche davor, den Fehler eines überhöhten Tarifabschlusses wie 2002 zu wiederholen.

HB/dpa FRANKFURT. BVDM-Geschäftsführer Thomas Mayer verlangte, die bis Ende März geltende Erhöhung von 3,4 Prozent zu verlängern. Jeder zusätzliche Monat helfe den Betrieben, sagte Mayer in Frankfurt. Die Gewerkschaft ver.di will ihre Forderung am 28. Februar beschließen. Die Verhandlungen sollen am 18. März in Frankfurt beginnen.

Für die Druckindustrie sieht Mayer für 2003 vor allem wegen der anhaltenden Flaute der Werbewirtschaft "noch keinen Silberstreif am Horizont". Bestenfalls könnten die Umsätze von 2002 gehalten werden. Im vergangenen Jahr habe die Branche einen Umsatzrückgang von real 5,2 Prozent verzeichnet. Die Insolvenzen seien auf einen Rekordstand gestiegen, gleichzeitig habe sich der Personalabbau beschleunigt. Am Jahresende beschäftigten die größeren Druckereien noch 125 000 Arbeitnehmer, 6,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Für 2003 rechne der BVDM mit einem weiteren Beschäftigungsrückgang von 3 Prozent.

"Der Branche geht es schlechter als in vergleichbaren Rezessionsphasen", sagte Mayer. Sollte die Gewerkschaft ver.di dies nicht bei ihrer Forderung berücksichtigen, drohe ein weiterer Personalabbau. Zudem stehe dann der Flächentarifvertrag auf dem Spiel. Konkret wollen die Arbeitgeber einen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von deutlich mehr als einem Jahr, einigen Nullmonaten und einer moderaten Erhöhung zu einem späteren Zeitpunkt aushandeln. Zudem schlagen sie Öffnungsklauseln für Betriebe in Schwierigkeiten vor. "Wir haben die Hoffnung, dass sich die Gewerkschaft nicht so uneinsichtig zeigt wie 2002", sagte Mayer.

Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke erklärte am Dienstag, die Diskussionen in den Betrieben seien von der schwierigen wirtschaftlichen Lage und dem anhaltenden Abbau von Arbeitsplätzen geprägt. Allerdings stehe die Branche nicht am Abgrund. Die meisten Betriebe - auch die Zeitungsverlage - schrieben schwarze Zahlen. "Wenn die Arbeitgeber glauben, sie könnten die verbreitete Angst um Arbeitsplätze für ihre Zwecke ausschlachten, dann steuern sie auf eine harte Tarifrunde zu", sagte Werneke. Der letzte Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 12 Monate sah nach einer Einmalzahlung von 43 Euro für April 2002 eine lineare Erhöhung von 3,4 Prozent von Mai 2002 bis März 2003 vor.

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