Kein Sonderpreis für Großaktionärin Friede Springer – Schwarze Zahlen für 2002 erwartet - Öffnung für Kleinanleger
Springer: Banken könnten bremsen

Die Deutsche Bank will das Aktienpaket von Leo Kirch am Zeitungskonzern Springer an der Börse platzieren. Die Chancen dafür stehen gut. In diesem Jahr will der Medienriese wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren.

hps/mm/rob FRANKFURT. Der Weg des Springer-Aktienpakets von Leo Kirch ist vorgezeichnet. In der zweiten Jahreshälfte will die Deutsche Bank nach Informationen des Handelsblatts den Anteil von gut 40 % an Europas größtem Zeitungsverlag an der Börse breit platzieren. Sie verwertet damit das erstrangige Pfand, das sie im Gegenzug zu einem Kredit über 720 Mill. Euro an Leo Kirch gewährt bekommen hatte. Auch die Verlagserbin Friede Springer, die ihren Anteil am Unternehmen um rund 5 % auf über 50 % aufstocken will, kann sich die zusätzlichen Aktien nur über die geplante Zweitplatzierung an der Börse beschaffen. "Sie wird keinen Sonderpreis erhalten", heißt es in Finanzkreisen. Allerdings besitzt der Springer-Vorstand bei der Zuteilung ein Mitspracherecht, so dass eine Erhöhung ihres Paketes auf über 50 % kein Problem wäre.

Nach den 1998 getroffenen Absprachen - damals übernahm die Deutsche Bank von der Berliner Bank einen Kirch-Kredit mit dem Springer-Anteil als Pfand - darf das Frankfurter Kreditinstitut die Anteile keinem Konkurrenten anbieten. Sie muss sie stattdessen breit streuen. Die Pakete, so berichten Insider, dürften einen "niedrigen einstelligen prozentualen Anteil" nicht übersteigen.

Liegt der künftige Platzierungspreis in der Nähe des aktuellen Börsenkurses, könnte die Zweitplatzierung der Springer-Aktien 809 Mill. Euro erlösen. Neben den 720 Mill. Euro erhielte die Deutsche Bank noch 3 Mill. Euro monatlich an Zinszahlungen. Außerdem fielen für die Sekundärplatzierung zusätzliche Kosten über 30 Mill. Euro an. Aus heutiger Sicht würde damit ein Überschuss von rund 50 Mill. Euro erzielt, der den Formel-1-Banken zufließen würde. Bayerische Landesbank, JP Morgan Chase und Lehman Brothers hatten Kirch insgesamt einen Kredit von 1,6 Mrd. Euro für den Kauf der Rennserie Formel 1 gewährt und ihn durch ein zweitrangiges Pfandrecht am Springer-Paket abgesichert. Die Verlagsaktien haben nach dem Verstreichen der vierwöchigen Frist seit der Kündigung des Kredits durch die Deutsche Bank am 12. April die Pfandreife erreicht. Inhaber bleibt weiter die Print Beteiligungs GmbH mit Geschäftsführer Leo Kirch an der Spitze. Allerdings kann die Deutsche Bank die Springer-Aktien verkaufen. Die Verwertung erfolgt auf Basis der Zivilprozessordnung (§§ 1273, 1277 BGB). Sie schreibt vor, dass Wertpapiere, die einen Börsen- oder Marktkurs haben, freihändig zum Tageskurs zu verkaufen sind (§ 821 ZPO).

Formel-1-Banken könnten auf die Bremse treten

Nur die Formel-1-Banken könnten den Börsengang ausbremsen. Die Deutsche Bank muss ihnen bis Ende der Woche offen legen, wie sie das Springer-Paket verwerten will. Danach haben Bayern LB, JP Morgan und Lehman zehn Tage Zeit zu reagieren. Stimmen sie nicht zu, kann die Deutsche ihren Kredit an die drei Institute veräußern. Sie hat in diesem Fall eine Verkaufs-Option. Insider gehen aber davon aus, dass die Formel-1-Banken kein Interesse haben werden, sich auf diesem Wege einen weiteren Kredit ans Bein binden zu lassen.

In jedem Fall muss vor der Verwertung der Aktien die Verlagsgruppe Springer ihre Bücher öffnen. Der Printkonzern rutschte vor allem wegen eines hohen Wertberichtigungsbedarfs und Restrukturierungen in die roten Zahlen. Der Jahresfehlbetrag belief sich im Geschäftsjahr 2000 auf 198 Mill. Euro. Ein Jahr zuvor wurde noch ein Überschuss von 98 Mill. Euro erzielt. Auch der Umsatz ging 2001 von 2,9 Mrd. auf 2,864 Mrd. Euro zurück. Eine Dividende wird diesmal nicht gezahlt.

Konzernchef Mathias Döpfner will mit einem harten Sparkurs und einem Umbau des Konzerns wieder in die schwarze Zahlen bringen. Marc Röhder, Medienanalyst bei der HSBC Trinkaus & Burkhardt, erklärte: "Die Aussichten für Springer sind angesichts des schlechten Werbemarktes alles andere als rosig." Dennoch gehe er davon aus, dass der Zeitungskonzern in diesem Jahr ein knappes, aber positives Ergebnis erziele. Trinkaus & Burkhardt erwartet für 2002 eine Umsatzsteigerung von 1,8 %. Auch Oliver Rupprecht von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg sagte gestern: "Ich glaube, dass Springer wieder schwarze Zahlen schreibt, aber noch gibt es eine Reihe von Risiken.

Ebenso ungewiss ist die Zukunft von Kirchs Dachgesellschaft Taurus-Holding. Nachdem BSkyB angekündigt hat, von ihrer Verkaufsoption gegenüber der Gesellschaft Gebrauch zu machen, scheint der Insolvenzantrag unausweichlich. Bislang winkt man aber in München-Ismaning ab: "Das steht in den nächsten Tagen nicht unmittelbar an", sagte Kirch-Sprecher.

Quelle: Handelsblatt

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