Kein Strafenkatalog
Friedensvertrag und Pilotprojekt „4. Mann“

Mit einem Friedensvertrag und der schnellen Installation eines vierten Referees zum Beginn der Rückrunde der laufenden Saison soll die Schiedsrichterdiskussion in der Fußball-Bundesliga beendet werden. Vereine, Trainer und Unparteiische sprachen sich für mehr Fairness aus.

HB/dpa GELSENKIRCHEN. "Wir werden alles tun, um den wechselseitigen Respekt bei Einhaltung der Regeln und der Akzeptierung von Schiedsrichter-Entscheidungen wieder herzustellen", erklärte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder nach einem Spitzentreffen des deutschen Fußballs am Mittwoch in Gelsenkirchen.

Zudem soll ein "4. Mann" an der Linie, im internationalen Geschäft längst eingeführt, schon ab Rückrunden-Beginn im Januar 2003 das Schiedsrichter-Trio auf dem Platz entlasten. Das Pilotprojekt ist zunächst auf die zweite Halbserie und die erste Bundesliga beschränkt. Wie der Versuch mit dem vierten Schiedsrichter, der rund 400 000 ? kosten wird, finanziert werden soll, muss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zusammen mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) noch klären. Laut Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund soll jeder Bundesligist zunächst 17 000 ? zur Finanzierung beisteuern.

Nicht behandelt wurde ein modifizierter Strafenkatalog nach Vorbild der Europäischen Fußball-Union (Uefa). "Wir werden prüfen, ob der gegenwärtige Katalog ausreicht", sagte Mayer-Vorfelder zu möglichen Verschärfungen. "Emotionen haben nichts mit Geld zu tun. Ein Spieler, der erregt ist, den kann man nicht mit 5000 ? ruhig stellen", sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß. Das vom DFB-Chef geforderte Ende der "Hetzjagd auf die Schiedsrichter" soll mit anderen Maßnahmen erreicht werden. Provokationen sollen vermieden, auch strittige Entscheidungen der Unparteiischen wieder respektiert werden. "Das ist keine einseitige Angelegenheit. Auch die Schiedsrichter müssen sich selbstkritisch sehen", betonte Hoeneß.

Für die Einführung des zusätzlichen Assistenten, der sich um alle organisatorischen Dinge wie Einwechslungen kümmert und an der Seitenlinie für Ruhe sorgt, hatten sich besonders DFB-Teamchef Rudi Völler, Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß stark gemacht. Wie bei Spielen unter der Regie der Fifa und Uefa darf auch in der Bundesliga der vierte Mann nicht direkt ins Spielgeschehen eingreifen. Rund 20 Aufgaben sind in einem Katalog für den zusätzlichen Referee festgeschrieben.

Kritik hatte es von der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) wegen des Ausschlusses der Profis vom Runden Tisch zur Schiedsrichter-Diskussion gegeben. In den Dialog, der regelmäßig fortgesetzt werden soll, würden die Spieler mit einbezogen, informierte DFL-Chef Werner Hackmann. "Jeder konnte loswerden, was ihn betrifft. Mit dem Ergebnis, jeder soll sich zunächst an seine Nase fassen und sehen, was er zur Veränderung der Situation tun kann", beschrieb Herbert Fandel aus Kyllburg die "Elefantenrunde" aus Sicht der Schiedsrichter.

Am "Runden Tisch" waren neben Mayer-Vorfelder und Schiedsrichter- Obmann Volker Roth die Manager Rudi Assauer (Schalke 04), Hoeneß, Calmund, Trainer Hans Meyer (Borussia Mönchengladbach) sowie die Schiedsrichter Markus Merk (Kaiserslautern) und Fandel, DFL-Präsident Hackmann und die Geschäftsführer Heribert Bruchhagen und Wilfried Straub vertreten. Vom DFB waren zudem Generalsekretär Horst R. Schmidt und der für das Schiedsrichterwesen zuständige Direktor Willi Hink dabei.

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