Kein Strahlenschutz für Vielflieger
Kosmische Strahlung im Flugzeug

Nicht nur im Kernkraftwerk lauert radioaktive Strahlung. Radioaktivität verfolgt uns immer und überall - wenn auch nur in relativ ungefährlichen Dosen. Vielflieger setzen sich jedoch einer deutlichen Strahlenbelastung aus.

DÜSSELDORF. Die Ursachen der uns ständig umgebenden radioaktiven Strahlen sind natürlich - der Mensch spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Zum einen ist da die terrestrische Strahlung: Gestein enthält immer auch zu einem geringen Teil radioaktive Atomkerne, die Zahl hängt stark vom Ort ab. So ist die radioaktive Strahlung zum Beispiel im Gebirge höher als im Flachland.

Die zweite natürliche Strahlungsquelle ist das Weltall. Man spricht hierbei von der so genannten kosmischen Strahlung. Diese besteht aus energiereichen atomaren Teilchen und Röntgenstrahlung. Der größte Teil der kosmischen Strahlen wird dabei von unserer Atmosphäre abgeschirmt. Am Boden ist die Belastung daher gering und in der gleichen Größenordnung wie die der terrestrischen Strahlung.

Die direkte und indirekte Belastung durch beide Quellen ist für Menschen am Erdboden in der Regel ungefährlich. Wäre dem nicht so, hätte sich auf der Erde vermutlich Leben, wie wir es heute kennen, nie entwickelt.

Die Gefahr lauert nicht am Boden

Anders sieht dies in luftigen Höhen aus. Mit zunehmender Höhe nimmt die schützende Wirkung der Atmosphäre ab. Am Erdboden halten sich terrestrische und kosmische Strahlung bezogen auf im Körper wirksame Dosis ungefähr die Waage. In der typischen Flughöhe von rund zehn bis zwölf Kilometern ist von der terrestrischen Strahlung kaum noch etwas zu spüren. Dagegen ist die Belastung durch die kosmische Strahlung und die durch sie auftretende Sekundärstrahlung in typischen Flughöhen rund hundert mal so hoch wie am Erdboden.

Das ist kein Problem für Menschen, die nicht regelmäßig fliegen. Wer mehrere Urlaubsflüge im Jahr macht, muss sich keine Gedanken machen. Nicht so Piloten, Flugbegleiter und andere Vielflieger. Bei rund 1000 Flugstunden im Jahr ist die summierte Strahlenbelastung höher als die durchschnittliche Belastung des Wartungspersonals in einem Kernkraftwerk.

Entwarnung für deutsche Airlines

Zumindest bei deutschen Fluglinien sollte aber die Zahl von 1000 Flugstunden nie erreicht werden - Arbeitsrechtliche Bestimmungen verhindern dies. Lufthansa-Mitarbeiterin Barbara Reck betont, dass das Personal der deutschen Linie maximal 700 bis 800 reine Flugstunden absolviert.

"Die Strahlenexposition des fliegenden Lufthansa Personals liegt mit Werten zwischen 2 und 5 mSv pro Jahr deutlich unter dem Grenzwert für beruflich strahlenexponiertes Personal", so eine Informationsbroschüre der Fluggesellschaft zum Thema Höhenstrahlung. Der Grenzwert liegt bei 100 mSv in fünf Jahren - also durchschnittlich 20 mSv pro Jahr. Die Einheit mSv steht für Milli-Sievert und ist ein Maß für die effektive Strahlendosis als Abschätzung des Strahlenrisikos.

Das zusätzliche Risiko an Krebs zu erkranken ist nach einer 25-jährigen fliegerischen Tätigkeit - so der heutige Kenntnisstand - kleiner als ein Prozent. Zum Vergleich: Das Risiko an spontanen Krebsleiden zu erkranken liegt über 25 Prozent.

Somit kann jeder auch heute noch relativ beruhigt ins Flugzeug steigen. Dennoch kann es nicht schaden, überflüssige Flüge zu vermeiden. Viele Strecken lassen sich schließlich ebenso bequem und schnell per Bahn erreichen. Strahlenbelastung ist dann zumindest kein nennenswertes Thema mehr.

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